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Anlagetrends Wie Lebensversicherer das Geld ihrer Kunden nachhaltiger und dennoch rentabel anlegen wollen

Kunden achten beim Anlageverhalten immer stärker auf ökologische und soziale Aspekte. Die Branche der Lebensversicherer stellt sich darauf ein.
21.10.2020 - 15:07 Uhr Kommentieren
Milliarden an Anlagegeldern legen die Versicherer jedes Jahr an – und verfügen damit über eine große Marktmacht. Quelle: Volkmar Schulz / Keystone
Vertragstext einer Lebensversicherungspolice

Milliarden an Anlagegeldern legen die Versicherer jedes Jahr an – und verfügen damit über eine große Marktmacht.

(Foto: Volkmar Schulz / Keystone)

München Den Lebensversicherern kommt in Zukunft eine weitere wichtige Rolle zu. „Die Lebensversicherer sind wichtige Verbündete im Kampf gegen den Klimawandel“, sagt Sabine Mauderer. Das Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank sieht deren größten Hebel in der Kapitalanlage von vielen Milliarden Euro an neuen Anlagegeldern in jedem Jahr. Diesen gelte es zu nutzen.

Spitzen der Aufsicht, aber auch Vertreter der Branche sowie von Banken und Fondsgesellschaften waren sich am zweiten Tag des Strategiemeetings Lebensversicherung des Handelsblatts sicher, dass eine nachhaltige Geldanlage neben Schutz, Rendite und Altersvorsorge für viele Kunden immer entscheidender wird, damit sie eine Police unterschreiben.

Schon jetzt sind die Lebensversicherer, die die Beiträge ihrer Kunden konservativ, sicher und langfristig anlegen müssen, einer der wichtigsten Investoren sogenannter „Green Bonds“. Diese Anleihen, die ökologischen und sozialen Aspekten sowie der guten Unternehmensführung dienen, werden heute bereits stark von Versicherern gekauft. Bei etwa 30 Prozent liegt laut der Bundesbank der Anteil der europäischen Versicherer an den dort verwahrten grünen Anleihen.

Das Interesse dürfte auch in Zukunft hoch sein, zumal das Angebot weiter zunehmen wird. Sabine Mauderer rechnet in diesem Jahr mit einer Rekordemission von etwa 220 Milliarden Dollar an grünen Anleihen. Auch wenn die Pandemie hier ebenfalls Spuren in der Entwicklung hinterlassen hat, dürfte so der Rekord von 2019 übertroffen werden. „Das zeigt, der grüne Markt will schnell erwachsen werden – und Europa ist Vorreiter“, so Mauderer.

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    EU wird größter Emittent

    Künftig kommt mit der EU ein weiterer großer Emittent hinzu. „Zusammen mit dem Fonds Next Generation EU, der ein Ausleihvolumen von 800 Milliarden Euro haben soll, könnte die EU mehr als 250 Milliarden Euro in Green Bonds emittieren“, so Mauderer. Der Zeitpunkt könnte für die Lebensversicherer aus ihrer Sicht nicht günstiger kommen. Bevorzugen Versicherer doch lange Laufzeiten im Einklang mit ihren langfristigen Zahlungsverpflichtungen.

    Die Fondsbranche reagiert auf die Wünsche der Lebensversicherer schon seit geraumer Zeit mit entsprechenden Produkten, die den sogenannten ESG-Anforderungen genügen. Die Abkürzung steht für Umwelt-, soziale und Corporate-Governance-Aspekte. „Die ESG-Analyse ist integraler Bestandteil unseres Investmentprozesses“, sagt Jens-Uwe Wächter vom Fondsanbieter Franklin Templeton.

    Sein Haus misst seit einiger Zeit die ESG-Werte von rund 50 Ländern weltweit. Erwartungsgemäß stehen entwickelte Länder wie die Schweiz, Dänemark, Kanada, Norwegen, Schweden und die USA weit vorne. Deutschland liegt auf Rang sieben. Dagegen rangieren Venezuela oder Nigeria ganz hinten auf der Liste.

    Die hat laut Wächter aber nur eine begrenzte Aussagekraft. Zum einen ergebe es aus Renditesicht keinen Sinn, Geld nur in reiche Länder zu investieren. „Zum anderen wären die armen Länder dann dazu verdammt, arm zu bleiben, was aus sozialen Gesichtspunkten nicht sinnvoll ist“, so Wächter.

    Franklin Templeton hat sein Ranking deswegen um Entwicklungen in der Zukunft erweitert. Themen wie der Zugang zu Bildung und zu Wasser, aber auch die Förderung von Frauen spielten nun ins Gesamtergebnis mit rein. Danach zeigen sich beispielsweise Verbesserungen in Serbien, Indonesien, Ghana, der Ukraine und in Griechenland. Schlechter sieht es dagegen in Sri Lanka, Venezuela und Indien aus. Aber auch entwickelte Länder wie Italien, die USA oder Großbritannien fallen zurück.

    Millennials suchen nachhaltige Investments

    Insgesamt ist die nachhaltige Geldanlage deutlich komplexer geworden. Das beobachtet auch Frank Breiting vom Fondsanbieter DWS. Früher genügte es, dass nachhaltige Fonds ohne Papiere aus Bereichen wie Kohle oder Tabak auskamen.

    Das war beim Verkauf aber eher ein Hindernis, blieb die Rendite gegenüber konventionellen Produkten doch häufig zurück. Heute achten die Kunden schon in ihrem täglichen Konsumverhalten auf ökologische und soziale Aspekte. Das setzt sich bei der Geldanlage fort. „Gerade Millennials finden nachhaltige Investments wichtig“, so Breiting.

    Dabei muss es auch nicht mehr zu Einbußen bei der Rendite im Vergleich zu herkömmlichen Produkten kommen. Als die Ratingagentur Morningstar kürzlich die Performance von ESG-Portfolios ausgewertet hat, schnitten 14 von ihnen besser ab als konventionelle Fonds, 15 entwickelten sich gleich gut und sechs liefen schlechter.

    „ESG-Fonds kosten keine Rendite“, so DWS-Experte Breiting. Ansonsten würde auch kaum ein Kunde diese Produkte kaufen. „Die Deutschen leben bereits nachhaltig, auf Rendite will aber keiner verzichten“, so Guido Bader, Vorstand bei der Stuttgarter Lebensversicherung.

    Mehr: Allianz baut die Lebensversicherung um – 100-Prozent-Beitragsgarantie bei Neuverträgen wird abgeschafft.

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