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Aufstieg und Fall der PKV „Die Kosten für Gesundheit werden weiter steigen“

Sinkende Erträge und politischer Druck: Die Zeiten für private Krankenversicherer werden härter. Reinhold Schulte, Chef des PKV-Verbandes, spricht über die Finanzierung von Gesundheit und falsche Anreize der Politik.
27.05.2012 - 17:18 Uhr 12 Kommentare
Reinhold Schulte:  „Wir haben in Deutschland eine der besten medizinischen Versorgungen der Welt“ Quelle: picture-alliance

Reinhold Schulte: „Wir haben in Deutschland eine der besten medizinischen Versorgungen der Welt“

(Foto: picture-alliance)

Im Krankenkassenlager und auch in der Politik beschwören viele Stimmen das baldige Ende der privaten Krankenversicherung. Haben Sie Ihre Vertriebler schon darauf eingestimmt, dass sie bald keine Krankenversicherungen mehr verkaufen müssen?

Nein, natürlich nicht. Ich habe da persönlich auch überhaupt keine Sorgen. Die private Krankenversicherung wird es noch in vielen Jahrzehnten geben.

Ja, weil Sie Ihre Altkunden weiter behalten dürfen. Aber dürfen Sie auch noch neue Kunden aufnehmen?

Ich glaube, dass auch die Parteien, die statt der GKV und PKV eine Bürgerversicherung für alle proklamieren, damit nicht weit kommen werden. Wenn man von der Neiddebatte wegkommt und eine Politik mit Weitblick betreiben will, wird man schnell feststellen, dass die Gesundheitsleistungen nur mit Privatversicherten finanzierbar sind. Unsere Gesundheitswirtschaft wird ohne PKV nicht bezahlt werden können.

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    Warum?

    Keiner hat sich bisher Gedanken darüber gemacht, welche volkswirtschaftlichen Auswirkungen es eigentlich hätte, wenn es keine PKV mehr gibt. Die Ärzte werden doch gar nicht mehr ihre Praxen aufrechterhalten können. Oder die Zahnärzte, die Apotheken, die Krankenhäuser. Die sind doch alle angewiesen auf die Mehrzahlungen der Privatpatienten. Das wird immer völlig vergessen. Bei den Ärzten bringen zehn Prozent Privatpatienten rund dreißig Prozent der Einnahmen.

    Wollen die Kunden denn noch in die PKV wechseln?

    Wenn man sich die vergangenen Jahre anschaut, dann haben wir immer gewonnen. Auch im Jahr 2011 haben wir Marktanteile hinzugewonnen. Natürlich wechseln auch Privatversicherte in die gesetzliche Krankenversicherung - oft aber nur, weil sie dies müssen, also weil sie versicherungspflichtig werden. Mehr Leute gehen den umgekehrten Weg. Und die kommen freiwillig zu uns, nicht aus Zwang. 96 Prozent unserer Kunden sind zufrieden, ergeben Meinungsumfragen. Das kann man in der Diskussion doch nicht einfach ignorieren.

    Aber es gab doch zuletzt enorme Preissteigerungen, bei einigen Tarifen ist von bis zu 50 Prozent die Rede.

    Die, die so etwas behaupten, sollten sich mal hinsetzen und das genau nachrechnen. Die Beitragssteigerungen in der privaten Krankenversicherung waren in den letzten Jahren nur unwesentlich höher als in der gesetzlichen Krankenversicherung - im Schnitt lagen sie bei 3,3 Prozent bei den privaten und bei 3,1 bei den gesetzlichen Anbietern. Und dabei ist noch nicht berücksichtigt, dass wir jährlich Beitragsrückerstattungen zahlen, zum Beispiel 2010 rund 1,3 Milliarden Euro.

    Also schneiden Sie doch nicht viel schlechter ab, wie oft behauptet?

    Nein. Außerdem muss man berücksichtigen, dass in der GKV Leistungen weggefallen sind. Da bekommen Sie keine Brille mehr gezahlt. Oder wenn sie mal die Eigenbeteiligung beim Zahnersatz sehen, oder die Praxisgebühr, oder die Eigenbeteiligung bei Medikamenten - das sind alles Eingriffe gewesen, da spricht heute keiner mehr von. Bei uns weiß man: Was der Kunde einmal zugesagt bekommt, das bleibt ein Leben lang. Wir können nicht an die Tarife gehen und die Leistungen ändern.

    „Das Umlageverfahren hat keine Zukunft“
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    12 Kommentare zu "Aufstieg und Fall der PKV: „Die Kosten für Gesundheit werden weiter steigen“"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Ein sehr gelungener und endlich auch mal sachlich geschriebener Artikel. Wieso sollte man die PKV abschaffen, wenn uns die gesamte Welt um unser funktionierendes, duales Gesundheitssystem beneidet? Die BÜRGER-ZWANGSVERSICHERUNG löst keines der aktuellen Probleme im Gesundheitswesen! Desweiteren würde es gar keinen Wettbewerb mehr geben, die medizinische Versorgung wird deswegen schlechter und insgesamt für alle teurer. Nur durch das Nebeneinander von GKV und PKV gibt es einen echten Preis- und Qualitätswettbewerb. In einem Einheitssystem ließen sich auch die Leistungen leichter "auf dem Rücken" der Versicherten reduzieren.

    • Wenn 96% aller PKV-Versicherten so zufrieden sind, warum behält man die Versicherten dann zwangsweise in der PKV und ermöglicht keinen Wechsel in die GKV ? Das ist doch risikofrei, wenn angeblich alle zufrieden sind...!!!

    • Das System PKV kann nicht mehr funktionieren. Der Staat schaut zu, unterstüzt dieses System noch, und der Versicherte muss in dem System bleiben obwohl ihm bewusst ist, dass es einen finanziell überfordert.
      **Zentraler Bestandteil eines privaten Krankenversicherungsvertrages ist die Bildung von Altersrückstellungen. Damit werden die höheren Kosten im Rentenalter bereits bei Vertragsschluss kalkulatorisch erfasst. Doch der Gesetzgeber verlangt von den PKV-Unternehmen noch mehr:

      •Die Zinserträge aus den Alterungsrückstellungen stehen überwiegend als Beitragsentlastung im Alter zur Verfügung.
      •Seit 1.1.2000 wird von Neuversicherten ein 10-prozentiger Zuschlag auf den Beitrag erhoben, der zusätzlich den Alterungsrückstellungen zugeführt wird.


      Der 10-Prozent-Zuschlag wird ohne Abzug von Kosten zwischen dem 21. und 60. Lebensjahr des Versicherten verzinslich angelegt. Diese Mittel stehen ab dem 65. Lebensjahr zur Verfügung und dienen dazu, Beitragserhöhungen zu vermeiden.***

      Nur wie lassen sich bei den geringen Marktzinsen Überschüsse erwirtschaften. Das System ist ganz schwammig und nicht Zukunftssicher.
      Wo gibt es das noch, dass man in einem System gefangen ist von dem man selbst nicht überzeugt ist. Man braucht dringend einen Wettbewerb von GKV und PKV mit Wahlmöglichkeiten des Versicherten, und dringende Offenlegung aller Gebührenordnungen der Ärzte für alle Versicherten.

    • Ob Herr Schulte Chef des PKV Verbandes, oder Herr Leyenbach Verbandspräsident PKV oder Herr Montgomery Ärztepräsident alle wollen von der PKV nicht abrücken, aber keine hat bisher Vorschläge gemacht wie die hohen Beitragssteigerungen der PKV in den Griff zu bekommen sind.
      Ist gibt immer mehr die dem System keine Zukunft geben, dass sehen auch viele PKV Versicherten so. Nur will man diese ausbluten lassen anstatt ihnen die Freiheit zum Kassenwechsel zu geben. Hier ist der Gesetzgeber gefordert.
      Ansonsten führt das bei vielen Versicherten in die Sozialhilfe.

    • Die PKV benötigt im Sinne Ihrer Versicherten eine interne Reform. Insbesondere sollte das Tarifwerk nicht immer wieder durch neue Tarife ergänzt werden dürfen, um Neukunden mit vermeindlich günstigen Beiträgen in die PKV zu locken. Eine kleine Anzahl von Risikokollektiven minimiert die Gefahr einer Entmischung der alten Tarife, und zwingt die PKV-Versicherer ordentlich zu kalkulieren. Fehlkalkulationen im Tarifwerk werden durch die Auflage neuer Tarife geradezu gefördert. So ist das Problem von Beitragsauswüchsen im Alter zu verhindern. Das dieses funktioniert sieht man an Versicherern, die langjährig ihr Tarifwerk beibehalten. Hier ist der Gesetzgeber gefordert im Sinne der PKV-Versicherten Abhilfe zu schaffen.

    • Woe stellt sich das der Herr Reinhold Schulte Chef des PKV-Verbandes den vor.
      In der PKV gibt es nicht nur Spitzenverdiener. Es gibt viele Rentner die duch die hohen Beiträge jetzt schon an der finnaziellen Schmerzgrenze sind. Soll es weiterhin so bleiben, dass die PKV die Belange der Gesundheitslobby immer durch noch höhere Versichertenbeiträge befriedigen will. Das geht nicht auf. PKV in der jetzigen Form muss schnellstens abgeschafft werden.

    • Nur ein kranker Patient bringt den Pharmakonzernen Gewinne. An gesunden Menschen verdient man nichts.

      Die Gesundheit der Menschen ist in unserem System eine Ware. Und da genau liegt das Problem.

    • Die Gesundheitskosten steigen weiter, weil wir eine überteuerte, krankmachende Apparatemedizin und eine zynische Pharmaindustrie haben, die sich durch nebenwirkungsreiche Medikamente ihre Patienten selbst schafft. Und weil wir eine Krankheitsmedizin, keine Gesundheitsmedizin haben, denn Ärzte bekommen nur Geld, wenn die Patienten krank, nicht, wenn sie gesund sind. Dadurch erfolgt eine völlig falsche Weichenstellung mit völlig falscher Ausrichtung. Gerade viele ältere Menschen brauchen ganz einfach ein wenig Ansprache. Aber da Ärzte für Gespräche nicht mehr bezahlt werden, verschreiben sie lieber eine Packung Giftpillen, das geht schneller. Und statt etwas für die Gesundheitsvorsorge zu tun, wird erst agiert, wenn der Patient bereits erkankt ist. Dann bekommt er aber auch keine Anweisungen für eine Veränderung von Ernährung und Lebensführung und auch keine gut verträglichen Naturheilmittel, sondern wieder Giftpillen, die ihn meist noch kränker machen. Solange wir so weiter machen, wird sich die Krankheitsspirale weiterdrehen, die jetzt schon Kinder erfasst: Dank falscher Ernährung (Fleisch, Zucker, Fett) und zu wenig Bewegung haben wir inzwischen schon bei Kindern im Vorschulalter die gesamte Palette der Zivilisationskrankheiten. Noch nicht einmal das Märchen von der Alterung der Gesellschaft als Ursache für die steigenden Gesundheitskosten stimmt also.

    • Ein großer Teil des Problems ist die Misswirtschaft beivden Privaten mitbüppigsten Verwaltungskosten und unkontrollierter Geldverschwendungvfür Boni und überflüssige Managementebenen. Würde hier der Sparhebel angesetzt, danqnq wäre vielngewonnen. Es ist nurveine Frage der Zeit, dann ist dasvSytem erledigt - durch sivh selbstbodervdie Lauterbach-SPD.

    • Gesundheitsminister Bahr lobt (FDP) auf einem Ärztekongress das „duale System“ aus privaten und gesetzlichen Krankenversicherungen, das „weltweit seinesgleichen“ suche und sich bewährt habe. Er weiß jedoch ganz genau, dass es sich um ein unfaires System handelt, wenn die privaten Versicherungen im wesentlichen nur gesundheitsüberprüfte Beamte und Gutverdiener aufnehmen und alle teuren Problemfälle auf die gesetzlichen Kassen abwälzen dürfen.

      Da ist es logisch, dass eine solche Ungleichbehandlung weltweit einzigartig ist. Welches Volk ließe sich so etwas schon gefallen? Und für Herrn Bahr scheint es selbstverständlich zu sein, dass in seiner Welt eine Mehrheit die Lasten tragen und ein kleiner Rest davon profitieren soll.

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