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CFO des Monats Munich-Re-Finanzchef Jurecka steht vor seiner ersten Bewährungsprobe

Covid-19 wird für Christoph Jurecka zum Härtetest. Der Finanzchef des Rückversicherers Munich Re muss beweisen, dass seine Risikosteuerung funktioniert.
30.04.2020 - 12:33 Uhr Kommentieren
Bei Munich Re ist er seit 2019 Finanzchef. Quelle: Manuel Nieberle für Handelsblatt
Christoph Jurecka

Bei Munich Re ist er seit 2019 Finanzchef.

(Foto: Manuel Nieberle für Handelsblatt)

Frankfurt, München Auf der virtuellen Hauptversammlung glänzte Christoph Jurecka zunächst durch Abwesenheit. Allein Aufsichtsratschef Nikolaus von Bomhard sowie Vorstandschef Joachim Wenning standen vor der Kamera, als der Rückversicherer Munich Re vor wenigen Tagen sein erstes digitales Aktionärstreffen eröffnete.

Der Finanzchef war da noch nicht im Ausschnitt der Kamera zu sehen. Doch das änderte sich schnell. Denn in der Coronakrise sind die Fachleute im Finanzressort und in der Risikosteuerung ganz besonders gefordert. Also richteten sich viele Fragen an Jurecka.

Mehr als eine Stunde lang nahm er geduldig Stellung – etwa zur geplanten Dividende, den Schadensrückstellungen oder zu den Goldpositionen, die das 140 Jahre alte Traditionshaus zur Diversifizierung des Portfolios besitzt. „Wir haben derzeit rund 450 Millionen Euro direkt in Gold investiert, das sind 10,3 Tonnen“, erklärte Jurecka.

Der 45-Jährige ist seit Januar 2019 Finanzchef bei dem Rückversicherungsriesen. Die Coronakrise wird für ihn nun zum Härtetest. Er muss beweisen, dass er Munich Re stabil durch die Krise führen kann. Einfach wird das nicht. „Es ist zu früh für Prognosen, da der weitere Verlauf der Coronakrise extrem unsicher ist“, warb Jurecka bei den Aktionären um Verständnis, dass er in einigen Punkte nur vage bleiben kann.

Hohe Messlatte

Fast schon beschwörend preist der Konzern darum seine Finanzstärke. Die Kosten der Pandemie seien erheblich, räumte Vorstandschef Wenning ein. Für Munich Re würden sie aber wirtschaftlich gut verkraftbar bleiben. Wenning legte die Messlatte für Jurecka damit noch höher, als sie ohnehin schon ist. Denn dessen Vorgänger Jörg Schneider hatte sich mit seinem ultrakonservativen Kurs bei den Kapitalanlagen, aber auch bei Versicherungsgeschäften großes Vertrauen bei vielen Investoren erworben.

Umso mehr richten sich die Augen nun auf Jurecka, der Anfang 2019 von Wenning nach München geholt worden war. Wenning kennt Jurecka jedoch schon länger. Vor dem Wechsel in die Konzernzentrale hatte der Manager seit 2011 die Finanzen der Erstversicherungstochter Ergo geleitet.

Dennoch: So viel wie jetzt dürfte Jurecka wohl selten zu tun gehabt haben. Die Coronakrise wirbelt alle Pläne im Konzern durcheinander. Im Februar hatte der Finanzchef angesichts des sich ausbreitenden Virus noch am Gewinnziel für 2020 festgehalten. Der Einbruch der Aktienmärkte gefährde das angepeilte Ergebnisziel von 2,8 Milliarden Euro nicht, erklärte Jurecka damals noch optimistisch.

Gut einen Monat später war die Zuversicht schon verflogen. Munich Re musste die Jahresprognose streichen und legte auch das angekündigte Aktienrückkaufprogramm auf Eis. Jurecka ist nun dabei, den Rückversicherer, der zu den größten der Welt zählt, krisenfest zu machen. So soll das Aktienrückkaufprogramm ausgesetzt bleiben, bis Klarheit darüber besteht, wie viel der Konzern an Belastungen zu tragen hat und über wie viel Kapital das Unternehmen möglicherweise für Investitionen verfügt.

Doch auch aus einem anderen Grund wird derzeit in seiner Abteilung viel gerechnet. Am Donnerstag legt der Konzern seine Zahlen für das erste Quartal vor. Bis Herbst soll zudem ein neuer Strategieplan entworfen werden, dessen Grundlagen derzeit aus den Geschäftsziffern der letzten Jahre destilliert werden. Für die sonst eher betulich daherkommende Munich Re bedeutet das vergleichsweise viel Veränderung auf einen Schlag.

Andere Sichtweise

Doch Jurecka mag es, neue Wege zu gehen. So studierte der Finanzfachmann zunächst im österreichischen Graz Technische Physik und promovierte über Elektronenkorrelationen und Supraleiter. Mathematisch gesehen lägen die Welten von Naturwissenschaftlern und Finanzen oft gar nicht so weit auseinander, antwortete Jurecka einmal auf die Frage, warum er 2002 seine Karriere beim Versicherer DBV-Winterthur in der Schweiz begann. Als dieser dann fünf Jahre später von der Axa übernommen wurde, kehrte der Rheinländer in seine Heimat als Chief Risk Officer der Axa Deutschland zurück.

2009 wechselte er zurück zur Axa Winterthur, bevor der begeisterte Skifahrer und leidenschaftliche Anhänger des österreichischen Fußballvereins Linzer Athletik Sport-Club (LASK) bei der Munich-Re-Tochter in Düsseldorf anheuerte. Dort machte er offensichtlich einen so guten Job, dass Wenning ihn schließlich in den Mutterkonzern holte.
Bei wichtigen Investoren konnte Jurecka bereits punkten. „Wir erleben ihn als soliden Finanzer, der das Rückversicherungsgeschäft sehr gut kennt“, sagt ein Vertreter eines Großanlegers, der namentlich nicht genannt werden möchte. Mit seinem Physikstudium im Hintergrund bringe er zudem eine andere Sichtweise mit, die Munich Re bei Themen wie dem für die Branche wichtigen Klimawandel durchaus helfen könnte.

Auch intern hat der Manager an Statur gewonnen – auch weil er konsequent einige Dinge einfach anders macht. In den vergangenen Jahren war es beispielsweise stets üblich gewesen, dass die Munich Re zunächst ihre vorläufigen Zahlen per Ad-hoc-Meldung verkündete und erst mehrere Wochen später zur Bilanzpressekonferenz lud. Jurecka ließ das Vorspiel nun kurzerhand streichen. 

Für Munich-Re-Vorstandschef Wenning war die Berufung des Ex-Ergo-Managers eine der ersten wichtigen Personalentscheidungen. Er will das Unternehmen, das lange Zeit mit schrumpfenden Gewinnen zu kämpfen hatte, wieder stärker auf Wachstum trimmen. Jurecka muss dabei nun beweisen, dass er die richtige Balance zwischen einer gerade bei Munich Re gerne vor‧gelebten Vorsicht und einem tendenziell neuen Wagemut findet – ohne unvertretbare Risiken einzugehen.

Denn den Konzern prägt noch immer eine schmerzliche Erfahrung: 2002 war Munich Re in eine existenzbedrohende Krise geraten. Hauptgrund war damals der Absturz der Aktienmärkte – Ende 2001 hielt der Konzern 33,3 Prozent seiner Kapitalanlagen in Aktien. Der Aktienkurs stürzte zeitweise bis auf unter 70 Euro ab. Seitdem wird in München besonders konservativ gerechnet. „Eine konservative Diversifikation bleibt wichtig“, betonte ‧Jurecka deshalb vor den rund 4 000 Aktionären im Netz am vergangenen Mittwoch.

Dem gebürtigen Rheinländer ist es jedenfalls wichtig, dass er Bodenhaftung behält. In sein Büro mit Blick auf den Englischen Garten hat der Yoga-Fan sich eine Skulptur des König Midas gestellt: Sie soll ihn stets daran erinnern, dass Geld nicht alles ist im Leben. Für einen CFO ist das wohl eine eher ungewöhnliche Lektion in Demut.

Mehr: Der Pandemie-Experte der Munich Re glaubt, dass „alle 20 bis 30 Jahre so etwas wie Corona passieren kann“.

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