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Coronakrise Prämien der Rückversicherer dürften steigen – die finanziellen Belastungen allerdings auch

Die Versicherungskonzerne erwarten steigende Prämien am Markt. Doch gleichzeitig sind die finanziellen Schäden der Pandemie noch lange nicht absehbar.
19.10.2020 - 16:41 Uhr Kommentieren
Speziell für die Sachversicherung erwarten Analysten hohe Belastungen durch die Pandemie. Quelle: imago images/imagebroker
Fassade des Gebäudes der Munich Re in München

Speziell für die Sachversicherung erwarten Analysten hohe Belastungen durch die Pandemie.

(Foto: imago images/imagebroker)

München Die Coronakrise führt bei den Rückversicherern zu den größten Veränderungen seit vielen Jahren. Schäden in Milliardenhöhe durch die Pandemie sowie ein in diesem Jahr nochmals verschärftes Zinsumfeld lassen die Versicherer der Versicherer auf höhere Preise und verbesserte Konditionen hoffen. Insbesondere für langfristige Risiken, etwa im Haftpflichtbereich, dürften die Deckungen teurer werden, heißt es bei der Munich Re. Die Branche spricht in diesem Zusammenhang von einer „Marktverhärtung“.

Für die Rückversicherer bedeutet das eine Trendwende, die teuer erkauft ist. Jahrelang traten die Preise in der Rückversicherung auf der Stelle. Eine Phase mit geringem Schadenaufkommen war zum einen der Grund dafür, zudem kam es durch den verstärkten Markteintritt von alternativen Anbietern außerhalb der Branche zu Überkapazitäten am Markt. Das verstärkte den Konkurrenzdruck.

Die alternativen Anbieter wie Hedgefonds haben ihr Engagement wegen der hohen Schäden durch die Pandemie zuletzt nicht ausgebaut. „Die Erneuerungsrunde in den nächsten Wochen wird geordnet, aber nicht einfach ablaufen“, prophezeit Jan-Oliver Thofern, Deutschlandchef des Versicherungsmaklers Aon. Kapazitätsengpässe aufseiten der Versicherer gebe es allerdings nicht.

Für die Rückversicherer bedeuten die erwarteten Prämiensteigerung zugleich hohe finanzielle Belastungen durch Corona. Schon im Juni errechnete der Internationale Währungsfonds (IWF) aus der Pandemie einen Gesamtschaden von zwölf Billionen Dollar.

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    Speziell für die Sachversicherung erwarten Analysten großer Banken wie Barclays, Bank of America, Goldman Sachs oder Berenberg Belastungen zwischen 30 und 107 Milliarden Dollar. Der Durchschnitt liegt derzeit bei 62,2 Milliarden Dollar. Die Schadensummen sind damit rasant angestiegen, noch im Spätsommer war von rund zehn Milliarden Dollar die Rede.

    Coronakrise verstärkt den Trend

    Besonders betroffen sind die Bereiche Reise und Flugverkehr, aber auch durch die Absage oder Verschiebung von Großveranstaltungen entstanden hohe Kosten.

    Prominentes Beispiel waren die Olympischen Spiele in Tokio, deren Verschiebung die beiden Marktführer Munich Re und Swiss Re einen dreistelligen Millionenbetrag kosten dürfte. Vieles ist jedoch derzeit noch nicht abschätzbar und könnte womöglich noch Jahre zu Belastungen führen, glaubt Aon-Chef Thofern.

    Abgesagte Urlaubsreise belasten das Geschäft der Rückversicherer. Quelle: dpa
    Geschlossenes Hotel auf Mallorca

    Abgesagte Urlaubsreise belasten das Geschäft der Rückversicherer.

    (Foto: dpa)

    Die Coronakrise verstärkt somit in Teilen des Versicherungsgeschäfts bestimmte Trends. Große Hoffnungen hatte die Branche beispielsweise in den vergangenen Jahren auf die Absicherung von Cyberrisiken gesetzt. Aber erst durch die Pandemie, den Lockdown und die konsequente Verlagerung vieler Tätigkeiten ins Homeoffice ist das Bewusstsein um diese Gefahren bei vielen Unternehmen gestiegen.

    Die Gründe dafür sind denkbar einfach. Gerade in der ersten Phase des Lockdowns im Frühjahr nutzten Hacker die Unerfahrenheit vieler Nutzer und die vielerorts nicht ausgereiften Sicherheitssysteme für Angriffe und Phishing-Mails. Allein im März stieg die Zahl der Cyberangriffe im Vergleich zum Februar um 148 Prozent, hat der Datenanbieter Carbonblack errechnet.

    Versicherungen: Gefragter Schutz gegen Cyberrisiken

    Doris Höpke, Vorstand bei der Munich Re, geht deshalb davon aus, dass das bisher angenommene weltweite Prämienwachstum von rund sieben Milliarden Dollar in diesem Jahr auf 20 Milliarden Dollar im Jahr 2025 noch übertroffen werden könnte. Für die Munich Re bleibt der Markt mit der Absicherung von Cyberrisiken eines der wichtigsten strategischen Wachstumsfelder.

    Auswirkungen auf das Geschäft der Versicherer dürfte auch die deutlich gestiegene Zahl von Rechtsstreitigkeiten seit Ausbruch der Pandemie haben. Die Nachfrage nach Rechtsschutzversicherungen hat bei den Erstversicherern deutlich angezogen.

    Die Konsequenzen spüren auch die Rückversicherer. „Der bereits im Vorjahr erkennbare Trend zu einer Belebung der Nachfrage nach Rückversicherungsdeckungen dürfte somit weiter anhalten“, erwartet Michael Pickel, Vorstandschef der E+S Rück.

    Das Geschäft mit Naturkatastrophen, das bei den Rückversicherern traditionell zu einem der großen Umsatztreiber gehört, verzeichnete zuletzt dagegen nur geringe Preiserhöhungen. Der Grund dafür ist, dass die bisherige Hurrikan- und Taifunsaison, die traditionell im Spätsommer beginnt, bislang nur zu überschaubaren Schäden geführt hat.

    Dagegen werden Waldbrände, wie sie zuletzt vor allem an der Westküste der USA auftraten, zum wachsenden Problem für die Branche. Glück im Unglück war in den vergangenen Wochen, dass sie zwar große Flächen verwüsteten, aber nicht auf luxuriöse Wohngegenden trafen.

    Mehr: Die Corona-Pandemie ebnet den Rückversicherern den Weg für Preiserhöhungen.

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