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Digitale Identität Nach Finanzierungsrunde: Verimi könnte führende Identitätsplattform von Versicherern werden

Eine Gruppe deutscher Versicherer steigt bei dem Berliner Unternehmen ein. Die Plattform könnte künftig den Abschluss von Kfz-Versicherungen erleichtern.
24.06.2021 - 14:00 Uhr Kommentieren
Nutzer können einmalig ihre Identität bei Verimi hinterlegen und sich anschließend damit digital ausweisen, einloggen und bezahlen oder unterschreiben. Quelle: obs
Digitaler Versicherungsabschluss

Nutzer können einmalig ihre Identität bei Verimi hinterlegen und sich anschließend damit digital ausweisen, einloggen und bezahlen oder unterschreiben.

(Foto: obs)

Düsseldorf, München Der Branchenverband der deutschen Versicherer GDV beteiligt sich über seine IT-Dienstleistungsgesellschaft GDV DL an der Identitätsplattform Verimi und wird gemeinsam mit Volkswagen Financial Services zum Lead-Investor in der dritten Finanzierungsrunde. Zudem erhöhen die bestehenden Gesellschafter Allianz, Deutsche Bank und Samsung ihr Investment. Das Berliner Unternehmen sammelt insgesamt einen zweistelligen Millionenbetrag ein und erhöht seine Finanzierung damit auf mehr als 100 Millionen Euro. Das gab Verimi am Donnerstag bekannt.

Verimi bietet mit seiner Wallet eine branchenübergreifende Identitätslösung an, mit der sich Kunden unter anderem digital ausweisen, einloggen und bezahlen oder unterschreiben können. Mehr als 40 verschiedene Anwendungsfälle habe man mit über 30 Partnern im Live-Betrieb bereits realisiert, heißt es vom Unternehmen.

Zum Gesellschafterkreis von Verimi zählten bisher schon 13 namhafte Unternehmen wie Daimler, die Telekom oder die Deutsche Bahn. Mit der GDV DL stößt nun ein 14. Gesellschafter hinzu. Deren Eigentümer sind 61 deutsche Versicherer, sodass die neue Möglichkeit der Identifizierung künftig so gut wie allen namhaften Versicherern zur Verfügung steht.

Gerade für Versicherer ist die Identitätsfeststellung beim Vertragsabschluss bisher ein zeitaufwendiges Unterfangen. Müssen doch Ausweisdokumente in der Regel von Hand geprüft und schriftlich vermerkt werden. Viele Versicherer drängen deswegen schon lange darauf, diesen Prozess zu vereinfachen. Zudem hat die Pandemie den Aufwand noch vergrößert, da auch bei Onlineabschlüssen Dokumente per Post hin- und hergeschickt wurden.

Mit dem Einstieg der GDV DL beginnt nun die Vorbereitung der digitalen Identifizierung für die gesamte Versicherungswirtschaft. Bisher war allein die Allianz als Gründungsmitglied von Verimi in das Thema eingebunden. „Damit können Versicherungsunternehmen nun auch über die GDV DL die Services von Verimi nutzen“, sagt Fred di Giuseppe Chiachiarella, Geschäftsführer der GDV DL. Mitmachen muss niemand. Aber die Notwendigkeit, dabei zu sein, ist für viele Mitglieder offensichtlich: „Uns würde damit sicherlich viel Bürokratie abgenommen“, heißt es bei einem mittelgroßen Versicherer.

Die GDV DL bietet wettbewerbsneutrale Services für die Kommunikation von Versicherern mit Behörden an, beispielsweise im Rahmen von Kfz-Zulassungen. „Uns fehlte es bislang an der flächendeckenden, akzeptierten letzten Meile von und zu den Bürgern, die sich natürlich auch digitale und sichere Behördenservices wünschen“, sagt Chiachiarella. Mit Verimi habe man nun den richtigen Partner gefunden.

Brancheninterne Identifizierungslösung ist vom Tisch

Damit hat sich auch die Idee erledigt, dass die Versicherer ein eigenes Modell zur Identifizierung schaffen. „Eine reine Branchen-ID der Versicherungswirtschaft würde hier für den Anwender nicht den Mehrwert wie bei einer branchenübergreifenden ID stiften“, glaubt Chiachiarella. Stattdessen schwebt über allem bereits die Idee einer Rundum-Identifizierung, beispielsweise beim Autokauf.

Der Kunde könnte sich demnach über die Verimi-App sowohl beim Abschluss eines Leasing- oder Finanzierungsvertrags identifizieren als auch bei der zugehörigen Kfz-Versicherung und bei der Anmeldung in der Zulassungsstelle. Statt sich überall von Grund auf neu identifizieren zu müssen, könnte die Verimi-ID mit der gespeicherten digitalen Identität genutzt werden. Gerade bei der Kfz-Versicherung verspricht sich die Branche davon einen erheblichen Wettbewerbsvorteil. Unter allen Sachversicherungen werden in diesem Bereich die höchsten Prämienvolumina erzielt. Gleichzeitig gilt das Segment als besonders umkämpft.

Die Möglichkeit der Rundum-Identifizierung nennt auch Stefan Imme, CDO von Volkswagen Financial Services, als Grund, sich an Verimi zu beteiligen. „Das Fehlen von digitalen Identitäten ist ein klarer Wettbewerbs- und Standortnachteil“, sagt Imme, der auch Aufsichtsratsvorsitzender von Verimi ist.

Die neue Kooperation mit der Versicherungsbranche unterstreicht die Strategie von Verimi, sich als führende Identitätsplattform in hochregulierten Bereichen wie der Banken- und Versicherungswirtschaft sowie der öffentlichen Verwaltung etablieren zu wollen. Den Markt der digitalen Identitäten will Verimi nicht den großen Techkonzernen wie Google, Apple oder Facebook überlassen, die ebenfalls immer stärker als Identitätsprovider agieren.

Geschäftsführer Roland Adrian erhofft sich von der jüngsten Finanzierungsrunde insofern auch eine Signalwirkung für andere Branchen. Das Unternehmen möchte beweisen, dass es beispielsweise auch im Mobilitätssektor branchenweite Lösungen für Anwendungsfälle bieten kann, die über bisherige Leuchtturmprojekte hinausgehen.

Zusammenarbeit mit Behörden kommt nur schleppend voran

Adrian versichert, dass seine Plattform kein Data Mining zulässt und auch nicht für Werbezwecke verwendet wird. Die Verimi-Wallet erfülle bereits heute die Sicherheitsanforderungen gemäß Geldwäschegesetz (GWG), Telekommunikationsgesetz (TKG), eIDAS-Verordnung und Onlinezugangsgesetz (OZG). Das Geschäftsmodell von Verimi beruht darauf, dass nicht die Privatkunden, sondern die kooperierenden Unternehmen beziehungsweise Behörden für die Nutzung der Dienstleistung bezahlen. Die Nutzer sollen selbst entscheiden können, welche persönlichen Daten sie für welchen spezifischen Zweck weitergeben möchten.

Doch obwohl das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) der von Verimi eingesetzten Identifizierungslösung bereits im vergangenen Jahr das Vertrauensniveau „substanziell“ gemäß eIDAS-Verordnung zuerkannt hat, kommt die Zusammenarbeit mit Behörden nur schleppend voran. Zwar hat Thüringen 2019 als erstes Bundesland sein E-Government-Portal für Verimi geöffnet – seitdem können dort Bürger auf bestimmte Verwaltungsdienstleistungen mit einem Verimi-Account zugreifen – doch ein flächendeckender Einsatz scheiterte laut Adrian bislang an politischen Debatten, in welchem Umfang man einen privaten Anbieter überhaupt als Authentifizierungsdienstleister zulassen sollte.

Mit dem in der vergangenen Legislaturperiode beschlossenen Onlinezugangsgesetz (OZG) hat sich die Bundesregierung dazu verpflichtet, bis 2022 alle 575 Verwaltungsdienstleistungen in Deutschland digital anzubieten. „Der Fokus der Bundesländer ist es derzeit, ihre Prozesse überhaupt zu digitalisieren, weil es im Gesetz steht“, sagt Adrian. „Dass ein Bürger bequem darauf zugreifen kann, steht nicht im Gesetz. Deswegen ist das gerade nicht der Fokus“, klagt er.

Mehr: Identitätsplattform Verimi darf künftig mehr E-Government-Dienstleistungen anbieten

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