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  5. Generali entlässt Oppositions-Kandidaten Luciano Cirina für Chef-Posten

Italienischer VersichererVersicherungskonzern Generali wirft Topmanager raus

Der Führungsstreit bei den Italienern eskaliert: Kurz vor der Hauptversammlung muss mit Luciano Cirinà der Konkurrent von CEO Philippe Donnet gehen. Der hofft weiter auf seine dritte Amtszeit.Christian Wermke 28.03.2022 - 18:30 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Das Generali-Urgestein war 33 Jahre lang im Konzern, bevor ihm vor einem Monat gekündigt wurde.

Foto: Reuters

Rom. Genau einen Monat vor der Hauptversammlung erreicht der Führungsstreit bei Generali eine neue Stufe: Topmanager Luciano Cirinà wurde am Montag entlassen. Der 57-Jährige war beim italienischen Versicherer nicht nur Chef für Österreich und Osteuropa und einer von sechs Leuten in der Führungsriege, die direkt an den Vorstandschef berichten. Cirinà war auch der Gegenkandidat für den CEO-Posten.

Am 27. April will Vorstandschef Philippe Donnet sich gern für eine dritte Amtszeit bestätigen lassen, wird dabei vor allem vom größten Aktionär, der italienischen Bank Mediobanca (17,2 Prozent der Stimmrechte) unterstützt. Doch unter den Anteilseignern hat sich in den vergangenen Monaten eine mächtige Gruppe gebildet, die genau das verhindern will – und Cirinà war ihr Kandidat. Ende vergangener Woche legten die Großaktionäre Francesco Gaetano Caltagirone und Leonardo del Vecchio ihre alternative Liste mit Cirinà an der Spitze und dem Privatbanker Claudio Costamagna als Verwaltungsratschef vor.

Für Generali und Donnet ein klarer Vertrauensbruch. Schon am Freitag wurde Cirinà suspendiert. Der Konzern wirft ihm in einer Mitteilung „die Verletzung der Treuepflicht und den schwerwiegenden Bruch persönlicher Verpflichtungen aus seinem Arbeitsvertrag“ vor. Interimsmäßig soll nun Deutschlandchef Giovanni Liverani die Aufgaben übernehmen.

Rückschlag für die meuternden Milliardäre

Für den Aktionärspakt der Milliardäre ist das ein klarer Rückschlag. Caltagirone ist mit rund acht Prozent größter Einzelaktionär bei Generali, ihm gehört ein Medienimperium mit mehreren Zeitungen. Del Vecchio hält 6,6 Prozent, gründete einst den Brillenkonzern Luxottica, der mittlerweile mit der französischen Essilor zu Essilor-Luxottica verschmolzen ist.

Seit Monaten wettern die beiden gegen Donnet und dessen weitere Strategie für den „Löwen aus Triest“, wie der Konzern wegen seines Logos genannt wird. „Risveglia il leone“, den Löwen wiedererwecken, haben Caltagirone und Co. ihr Alternativprogramm genannt. Darin fordern sie deutlich mehr Geld für Übernahmen als bislang vorgesehen. Sieben Milliarden Euro sollen nach ihrem Willen dafür bereitgestellt werden, Donnets Plan für die kommende Amtszeit sieht nur drei Milliarden Euro vor.

Durch das stärkere Wachstum soll der Gewinn nach dem Willen der Kritiker bis 2024 um bis zu 14 Prozent pro Jahr steigen. Das wäre doppelt so stark wie bislang vorgesehen. Der Konzern habe in den vergangenen Jahren „zunehmend und unerbittlich“ an Boden auf die europäische Konkurrenz verloren, kritisierten die Donnet-Gegner am Freitag.

Beim Investorentag im Dezember sah sich Donnet für seinen Kurs bestätigt. Man habe alle Ziele für das Jahr 2021 erfüllt oder übertroffen, erklärte der 61-Jährige damals. Seit 2016, als der Franzose den Konzern übernahm , habe die Aktienrendite bei 111 Prozent gelegen. Ein besserer Wert als etwa bei der deutschen Allianz oder der französischen Axa. Mitten in der Pandemie, im Jahr 2020, sorgte Donnet mit 5,2 Milliarden Euro sogar für das beste operative Ergebnis der Unternehmenshistorie, vergangenes Jahr übernahm er obendrein die Mehrheit am italienischen Konkurrenten Cattolica.

Analysten kritisieren Alternativplan

Rund 35 Prozent der Generali-Aktien sind in den Händen internationaler Investoren, 23 Prozent liegen bei Kleinanlegern. Der Kurs des Papiers ist zuletzt stark gestiegen und legte innerhalb eines Monats mehr als 15 Prozent zu. Grégoire Hermann vom Analysehaus Alphavalue bewertet den Anstieg als „Zeuge eines Titanen-Kampfes der Aktionäre“, der eine Spekulationswelle ausgelöst habe. Den am Freitag vorgestellten Alternativplan bewertet er als „nicht glaubwürdig“ und „zu vage“.

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Die Aktionäre sieht er als „Opfer sinnloser Machtkämpfe“. Die derzeitige Instabilität sei einer großen Versicherung nicht würdig. Investoren empfiehlt er, die Assets derzeit nicht in Generali zu stecken. Berenberg-Analyst Michael Huttner sieht in dem Alternativplan „ein höheres finanzielles Risiko, da die Leverage Ratio steigen soll“, um mehr Übernahmen zu finanzieren.

Generali liegt bei den Erstversicherern in Deutschland auf Platz zwei, hinter der Allianz. Bei den Direktversicherern ist die Tochter Cosmos Direkt, die vor allem Auto-, Haftpflicht- und Hausratsversicherungen anbietet, sogar Marktführer. In Deutschland will Donnet stark wachsen und die Allianz von der Spitze verdrängen, wie er im Dezember ankündigte.

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