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Kommentar Eine Zwangsversicherung für alle kann nicht die Antwort auf die Flut sein

Nur sehr wenige Häuser stehen in gefährdeten Gebieten – und sind dort kaum mehr gegen Elementarschäden versicherbar. Dieser kleinen Gruppe muss der Staat gezielt helfen.
22.07.2021 - 04:01 Uhr Kommentieren
Die Quote der gegen Elementarschäden versicherten Gebäude liegt in Deutschland bei unter 50 Prozent. Quelle: imago images/blickwinkel
Trümmerberge nach der Flut im Ahrtal

Die Quote der gegen Elementarschäden versicherten Gebäude liegt in Deutschland bei unter 50 Prozent.

(Foto: imago images/blickwinkel)

Vielen erscheint der Blick in die Vergangenheit im Moment wie die Lösung eines großen Problems. Bis ins Jahr 1994 gab es in Baden-Württemberg die Pflicht für Hausbesitzer, sich neben Schäden durch Feuer, Leitungswasser, Sturm und Hagel auch gegen Überschwemmungen, Hochwasser und Starkregen zu versichern. Weil viele Hausbesitzer ihre sogenannte Elementarversicherung auch danach nicht kündigten, sind auch heute noch 94 Prozent der Häuser zwischen Odenwald und Schwarzwald gegen Flutkatastrophen versichert. 

Im Rest von Deutschland sieht das anders aus. Die Quote der gegen Elementarschäden versicherten Gebäude liegt – obwohl die Unwetter seit Jahren zunehmen – bei unter 50 Prozent. In den aktuell besonders betroffenen Bundesländern sieht es so aus: Nordrhein-Westfalen kommt auf 47 Prozent, in Bayern sind es 38 Prozent, in Rheinland-Pfalz 37 Prozent.

Die Idee, eine generelle Absicherung gegen schwere Unwetterschäden zur Pflicht zu erheben, wäre trotzdem falsch. Damals war die Prämie für jeden Hausbesitzer in Baden-Württemberg nahezu gleich, das individuelle Risiko spielte dabei keine Rolle. Fehlentwicklungen wie Neubaugebiete in der Nähe von hochwassergefährdeten Gebieten wurden so indirekt sogar unterstützt. Die schöne Lage zählte, das damit verbundene erhöhte Risiko zahlte die Allgemeinheit mit.

Würde die Elementarversicherung jetzt wieder zur Pflicht, beträfe das auch Hausbesitzer mit äußerst geringem Risiko einer Überflutung. Wer dazu zählt, lässt sich einfach im sogenannten Zonierungssystem für Überschwemmung, Rückstau und Starkregen erkennen, kurz ZÜRS.

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Standort erkennen

    Dieses bereits im Jahr 2001 eingeführte Geoinformationssystem für Naturgefahren zeigt, dass nach gegenwärtiger Datenlage über 92 Prozent der Adressen in Deutschland nicht von einem Hochwasser größerer Gewässer betroffen wären. Auf der Gegenseite befinden sich nur 0,4 Prozent der Adressen in der höchsten von vier Gefährdungsstufen und müssen einmal in zehn Jahren mit Hochwasser rechnen. Selbst eine Stufe tiefer sind nur 1,1 Prozent der Adressen betroffen, sie müssen alle zehn bis hundert Jahre mit Hochwasser im Gebäude rechnen.

    Gefährdungsstufen sind entscheidend

    Etwas anders ist die Entwicklung bei Starkregen. Hier befinden sich im Moment mehr als elf Prozent der Adressen in der höchsten Gefährdungsstufe. Ihr Gebäude liegt im Tal oder in der Nähe eines Bachs. Zwei Drittel der Gebäude in Deutschland liegen dagegen in einer Ebene oder im mittleren Hangbereich. Deren Besitzer nun bei begrenztem Risiko in eine Elementarversicherung zu zwingen wäre der falsche Weg. Auch wenn für sie nur überschaubare 50 bis 100 Euro an Mehrkosten zum bisherigen Schutz anfallen würden.

    Entscheidend sind nach den schlimmen Bildern der vergangenen Tage nun zuallererst die Gebäude, die in der höchsten Gefährdungsstufe liegen. Diese Gefährdung ist bekannt, sowohl den Eigentümern als auch den Versicherern.

    Die Versicherungsbeiträge sind dort zuletzt schon gewaltig gestiegen. Dieser Trend wird so weitergehen. Für diese Hausbesitzer ist zuallererst Unterstützung bei den Prämien nötig. Schon heute stehen sie vor dem Problem, dass sie sich eine Versicherung nicht mehr leisten können oder sie nur noch einen sehr eingegrenzten Schutz erhalten.

    Eine Deckelung der Prämien wäre ein gangbarer Weg, dafür könnte im Hintergrund eine staatliche Fondslösung stehen – speziell für diese besonders gefährdete Gruppe. Darüber wird mancherorts bereits diskutiert. Es wäre ein vernünftiger Ansatz.

    Eine Fondslösung wäre zielgerichtet

    Auch wenn solche Fondslösungen im Moment schnell hervorgeholt werden, ob zur Pandemie, zu Cybercrime oder zu Terrorgefahren: Eine Fondslösung wäre auf alle Fälle zielgerichteter als eine gesetzliche Verpflichtung für alle Hausbesitzer, in eine Solidargemeinschaft gegen mögliche Überschwemmungen einzutreten.

    Die Anreize für diejenigen Hausbesitzer, die noch nicht gegen Flutkatastrophen wie in der vergangenen Woche abgesichert sind, sollten von den Anbietern jedoch forciert werden. Neukunden sollten vonseiten der Versicherungsvertriebe intensiv für den wichtigen Zusatzbaustein in der Wohngebäudeversicherung sensibilisiert werden.

    Bei Altkunden sollten die Karteien durchforstet werden mit dem Ziel, ihnen attraktive Angebote mit einem gebündelten Gesamtschutz zu unterbreiten. Zudem könnte der Vorschlag aus der Branche, dass Hausbesitzer die Beiträge künftig vom steuerlichen Einkommen absetzen können, einen Anreiz für mehr Absicherung bilden.
    Das alles wären die richtigen Ansatzpunkte. Ganz im Gegensatz zu einer Zwangsversicherung für ein Produkt, das bisher die Mehrheit der Hausbesitzer nicht wollte.

    Mehr: Versicherungsbranche lehnt Pflichtversicherung gegen Elementarschäden ab.

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    Mehr zu: Kommentar - Eine Zwangsversicherung für alle kann nicht die Antwort auf die Flut sein
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