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Künftiger Cheflobbyist des GDV Wie Jörg Asmussen die Versicherungen durch die Coronakrise navigieren will

Der Ex-Notenbanker hat am 1. April seinen Job beim GDV angetreten. Die Coronakrise erforderte gleich eine außergewöhnliche Maßnahme.
17.04.2020 - 15:51 Uhr Kommentieren
Keine Zeit zum Einarbeiten blieb ihm im Präsidium des GDV. Quelle: imago/Jürgen Heinrich
Jörg Asmussen

Keine Zeit zum Einarbeiten blieb ihm im Präsidium des GDV.

(Foto: imago/Jürgen Heinrich)

Frankfurt Der Einstieg hätte turbulenter kaum sein können. Erst am 1. April hatte Jörg Asmussen seine neue Aufgabe im Präsidium des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) angetreten. Viel Zeit zur Einarbeitung blieb dem ehemaligen Politiker und Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank nicht.

Zu groß wurde in den vergangenen Tagen der Druck vor allem von Asmussens ehemaligen Kollegen aus der Politik. Die Versicherer – bekannt für ihre nach wie vor gut gefüllten Kassen – dürften sich nicht mit Verweis auf anders lautende Vertragsgestaltungen aus ihrer Verantwortung für die Wirtschaft stehlen, lauteten die Aussagen von Regierungen nicht nur in Deutschland.

Die Assekuranzen standen seither vor einem gewaltigen Imageproblem. Viele Kritiker sahen sich bestätigt in ihrer Ansicht, die Branche würde sich immer dann mit Verweis auf das Kleingedruckte zurückziehen, wenn teure Kosten entstehen. Die Versicherer schoben die Verantwortung an den Branchenverband GDV weiter, der solle nach einer einheitlichen Lösung suchen.

Für Jörg Asmussen war es die erste große Bewährungsprobe im neuen Umfeld. Auf dem 53-Jährigen lastete dabei erheblicher Druck, gerieten in den vergangenen Tagen doch selbst gesunde Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten.

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    Vor allem weil sich viele Geschäftspartner mit teils langen Handelsbeziehungen nicht mehr trauten und so der international abgesicherte Warenverkehr im In- und Ausland ins Stocken zu geraten drohte.

    Eine schnelle wie überraschende Lösung, an der auch Jörg Asmussen maßgeblich mitwirkte, kam am Donnerstag. Die Bundesregierung und die deutschen Kreditversicherer einigten sich da auf den Aufbau eines Schutzschirms in Höhe von 30 Milliarden Euro zur Absicherung des Warenverkehrs. So haben Lieferanten die Sicherheit, dass sie auch Geld erhalten, selbst wenn ihre Kunden in Zeiten knapper Kassen nicht zahlen können.

    Hoher Verlust ist programmiert

    Für Jörg Asmussen und die Versicherer war der Deal allerdings nicht umsonst. Sie verpflichten sich nicht nur, ihre bisherigen Kreditlimits von rund 400 Milliarden Euro weitgehend aufrecht zu halten, sie führen auch 65 Prozent ihrer Prämieneinnahmen in diesem Jahr an den Bund ab. Im vergangenen Jahr belief sich die Gesamtsumme auf beachtliche 817 Millionen Euro.

    Ein Verlust ist für die erfolgsverwöhnte Branche in diesem Jahr beinahe programmiert. Dennoch kommt Lob aus der Branche für das, was der Verband in kürzester Zeit ausgehandelt hat. „Außergewöhnliche Zeiten erfordern außergewöhnliche Maßnahme“, wertet Ron van het Hof den Deal von Asmussens Verband mit der Bundesregierung.

    Der Niederländer ist Vorstandschef von Euler Hermes im deutschsprachigen Raum und verweist gerade auf die eminente Bedeutung solcher Absicherungsketten für den deutschen Mittelstand. Mit einem Marktanteil von fast 50 Prozent ist die Allianz-Tochter, die für ihre Hermes-Kreditbürgschaften bekannt ist, der mit Abstand größte Kreditversicherer in Deutschland.

    Für Asmussen, dessen Weg beim GDV vom Präsidiumsmitglied zum Hauptgeschäftsführer zum 1. Oktober bereits vorgeplant ist, zeichnen sich so bereits ganz andere Prioritäten ab als er sie bei Bekanntwerden seines Einstiegs beim Verband im Januar formulierte.

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    Da betonte der studierte Ökonom, dass die Versicherer einen großen Beitrag bei der privaten Altersvorsorge und im Umgang mit Risiken wie dem Klimawandel und der Cybersicherheit leisten könnten. All diese Themen werden auch dann noch im Schatten der Coronakrise stehen, wenn Asmussen im Herbst die Geschäftsführung im Verband übernimmt.

    Dass er auch weiterhin für schnelle und manchmal auch außergewöhnliche Lösungen zu haben sein wird, daran besteht im Verband kein Zweifel. „Mit seiner umfangsreichen Erfahrung wird Herr Asmussen der deutschen Versicherungswirtschaft als zukünftiger Hauptgeschäftsführer eine gewichtige Stimme geben“, ist sich Wolfgang Weiler, der langjährige Chef der Huk-Coburg und jetzige Präsident des GDV, sicher.

    Dass der als Strippenzieher bekannte Asmussen keine lange Einarbeitungszeit dazu braucht, ist im Branchenverband spätestens seit dieser Woche auch bekannt.

    Mehr: Bund und Kreditversicherer sichern deutschen Handel ab

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