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Lloyd's of London Coronakrise könnte Versicherungsbranche mehr als 200 Milliarden US-Dollar kosten

Der Londoner Versicherungsmarkt beziffert erstmals die Pandemie-Kosten. Lloyd’s-CEO Neal warnt: Die Branche könne die Summen nicht stemmen, die Firmen jetzt von ihr erwarteten.
14.05.2020 - 08:38 Uhr Kommentieren
Das Unternehmen stemmt sich gegen die Coronakrise. Quelle: Reuters
Der Chef von Lloyd's of London, John Neal

Das Unternehmen stemmt sich gegen die Coronakrise.

(Foto: Reuters)

London Die Coronakrise wird der Versicherungsbranche den größten Verlust ihrer Geschichte bescheren. Die Kosten könnten sich allein in diesem Jahr auf 203 Milliarden Dollar addieren, schätzt der Versicherungsmarkt Lloyd’s of London. Die Summe setzt sich zusammen aus 107 Milliarden Dollar an Versicherungsschäden und 96 Milliarden Dollar an Anlageverlusten. Der Versicherungsschaden allein entspricht ungefähr den Kosten der Hurrikan-Jahre 2005 („Katrina“, „Rita“ und „Wilma“) und 2017 („Harvey“, „Irma“ und „Maria“).

Die Coronakrise sei noch schlimmer, weil hier zur gleichen Zeit und rund um die Welt ein Versicherungsschaden und ein wirtschaftlicher Schaden zusammenfielen, sagte Lloyd’s-Chef John Neal dem Handelsblatt. Die Branche sei sehr gut aufgestellt, um mit Naturkatastrophen umzugehen.

Es sei aber extrem selten, solch eine Kombination von Schäden zu erleben. Die Schätzung basiert auf der Annahme, dass der Lockdown in weiten Teilen der Welt bis Ende Juni anhält und für den Rest des Jahres die Wirtschaft wegen der Kontaktbeschränkungen mit begrenzter Kapazität läuft. Neal prognostiziert, dass die Krise noch lange nachwirken wird. „Es wird zwei Jahre dauern, bis wir einen Strich unter Covid-19 ziehen können.“

Im eigenen Geschäft rechnet Lloyd’s zunächst mit Auszahlungen von bis zu 4,3 Milliarden Dollar bis Ende Juni. Jedes weitere Quartal mit Lockdown würde ein bis zwei Milliarden Dollar kosten, sagt Neal. Die Summe entspricht bisher ungefähr den Kosten der Terroranschläge vom 11. September 2001, die 4,7 Milliarden Dollar gekostet hatten.

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    Lloyd’s leidet laut Neal weniger als die Konkurrenz, weil die Firma im besonders stark betroffenen Geschäft mit Unternehmensversicherungen nur einen geringen Marktanteil hat. Die größten Posten auf dem Londoner Marktplatz sind Ausfallversicherungen und Sachversicherungen.

    Auch die Kreditversicherungen würden in den kommenden Monaten zunehmend zum Problem, erwartet Neal. Die Höhe könne man schwer vorhersagen. Nach dem Ende des Lockdowns und dem allmählichen Rückzug des Staates sei aber mit einer steigenden Zahl von Insolvenzen zu rechnen.

    Keine Rückkehr in die Vor-Corona-Zeit

    Viele Unternehmen weltweit pochen darauf, ihre Betriebsunterbrechungsversicherungen in Anspruch zu nehmen – auch wenn ein Pandemieschutz darin nicht vorgesehen ist. Auch Politiker machen Druck auf die Versicherer.

    Auf die Frage, ob Versicherer sich kulant gegenüber ihren Kunden zeigen sollten, winkt Neal ab. „Alles, was Versicherer tun können, ist, ihre Verpflichtungen zu erfüllen“, sagt er. „Sie können nicht einfach ihre Verträge zerreißen und die Forderungen zahlen, weil die Summen unglaublich groß sind.“

    Wenn man sich nur alle kleinen Unternehmen in den USA anschaue, rede man schon von Betriebsunterbrechungskosten von 300 Milliarden Dollar im Monat. Solche Summen könne kein Versicherer stemmen. Da seien die Regierungen gefragt. Als Beispiel führt er die Bundesregierung an, die kleinen Gastronomiebetrieben unter die Arme greife.

    Neal erwartet auch grundlegende Änderungen in der Organisation von Lloyd’s. Normalerweise bevölkern 5000 bis 7000 Versicherungsmakler den mehrstöckigen Underwriting Room des Marktplatzes, wo komplexe Versicherungen im persönlichen Gespräch vereinbart werden.

    Derzeit ist der Handelssaal geschlossen, alle Geschäfte laufen über die elektronischen Plattformen. Das laufe „supergut“, sagte Neal. Man habe keinen Rückgang an Volumen festgestellt. Im Gegenteil: In Krisenzeiten erhöhe sich sogar die Nachfrage.

    Eine Rückkehr zur Vor-Corona-Zeit sieht Neal nicht. Es sei zwar auch künftig sinnvoll, dass sich Broker und Underwriter, also Mitarbeiter, die die Risiken für die Versicherer zeichnen, persönlich treffen. Aber man werde stärker eine Mischung aus „virtuell und real“ sehen, sagt der Vorstandschef. Solange das „social distancing“ gelte, könne man den Underwriting Room nicht wieder aufmachen.

    Aktuell hält er eine Öffnung frühestens im August für möglich, dann allerdings nur mit deutlich reduziertem Personal. Es wird überlegt, dass nur die Underwriter anwesend sind und die Broker per Video zugeschaltet werden. Eine andere Option wäre, verschiedene Branchen wie Schifffahrt und Luftfahrt an verschiedenen Tagen zu behandeln. „Wir denken gerade über alle Optionen nach“, sagt Neal.

    Mehr: Lloyd’s of London – Wie sich eine 330 Jahre alte Versicherungsbörse mit Start-ups neu erfindet

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