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Lloyd's of London Wie sich eine 330 Jahre alte Versicherungsbörse mit Start-Ups neu erfindet

Der traditionsreiche Versicherungsmarkt Lloyd’s of London muss sich digitalisieren und hat vor Kurzem ein Labor für Start-ups eingerichtet. Die erste Bilanz ist positiv.
23.02.2019 - 12:52 Uhr Kommentieren
Das Traditionsunternehmen geht mit der Zeit und richtet Platz für Start-Ups ein. Quelle: Lloyd's Labs
Lloyd’s Lab

Das Traditionsunternehmen geht mit der Zeit und richtet Platz für Start-Ups ein.

(Foto: Lloyd's Labs)

London Es riecht immer noch neu hinter der Glastür auf der vierten Etage. Hier im futuristischen Lloyd’s-Hochhaus von Stararchitekt Richard Rodgers residiert seit letztem Herbst das Lloyd’s Lab, ein hausinterner Spielplatz für Start-ups aus der Versicherungsbranche. Bildschirme am Eingang fordern die Mitarbeiter der Assekuranzen und Makler auf, einzutreten und sich die Ideen der sogenannten „Insurtechs“ näher anzusehen.

Wie viele Traditionsunternehmen muss sich der 330 Jahre alte Versicherungsmarkt im Londoner Finanzdistrikt neu erfinden oder zumindest an die Zeit anpassen. Keine leichte Aufgabe, denn Versicherer und Broker sind eher konservativ, wenn es um digitale Technologien geht. Ihr Alltag ist noch immer papierlastig und vom persönlichen Gespräch geprägt. Nicht zufällig hängt im Atrium die Schiffsglocke der im 18. Jahrhundert gesunkenen Fregatte HMS Lutine, deren Goldschatz bei Lloyd‘s versichert war.

Das Geschäft läuft im Prinzip heute so wie damals: Herren in Anzügen tragen geschäftig Aktenmappen hin und her und verhandeln Versicherungspolicen. Man ist stolz darauf, jedes denkbare Risiko abzusichern. Dafür braucht es Zeit und individuelle Beratung, denn einzigartige Risiken verlangen maßgeschneiderte Lösungen.

Doch die allermeisten Risiken sind nicht einzigartig, und neue Technologien verändern die Branche. Elektronische Plattformen machen Abschlüsse und Abwicklung viel schneller, effizienter und kostengünstiger. „Die nächste Generation der Kunden und Mitarbeiter erwartet, dass die Dinge anders laufen“, sagt Trevor Maynard, Innovationschef bei Lloyd‘s.

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    Um die mitunter behäbige interne Kultur zu ändern, lädt sich der Konzern nun Start-ups von außen ein. Von Oktober bis Dezember arbeiteten die ersten zehn Start-ups aus dem Versicherungsbereich im Lloyd’s Lab.

    Mentoren führten sie herum, die Gäste konnten sich mit Versicherern und Brokern austauschen, ihr Produkt vorstellen und gemeinsam über Verbesserungen nachdenken. „Der Vorteil an Lloyd’s ist, dass Sie nicht nur mit einer Versicherungsfirma in Kontakt kommen, sondern mit einem ganzen Marktplatz“, sagt Maynard. Zu Lloyd‘s gehören 95 Versicherungssyndikate und 287 Broker.

    Maynards Bilanz der ersten Runde fällt positiv aus. Es habe keinen Kulturschock zwischen den „Techies“ und den „Suits“, den Anzugträgern, gegeben, sagt er. Die Versicherer hätten sehr bereitwillig die Mentorenrolle übernommen. Einige Teilnehmer haben auch gleich Aufträge an Land gezogen: So wollen sechs Syndikate, darunter Axa und Beazley, mit dem amerikanischen Start-up Parsyl zusammenarbeiten.

    Die Firma hat eine Technologie entwickelt, um zu jedem Zeitpunkt die Transporttemperatur in einer Lieferkette nachverfolgen zu können. Das ist entscheidend bei der Versicherung temperaturempfindlicher Waren wie Impfstoffen, Lebensmitteln oder einigen Hightech-Produkten.
    Zasti, eine Plattform für Künstliche Intelligenz, zeigte den Versicherern, was sich alles aus ihren Daten holen lässt. Das Internet der Dinge werde die Branche radikal verändern, prognostiziert Maynard. Smarte Geräte lieferten Unmengen an Informationen über Versicherungsnehmer. Risiken und die daraus resultierenden Versicherungsprämien ließen sich viel präziser einschätzen.

    Auch bei Anwendungen aus dem Bereich virtueller Realität sieht der Innovationschef großes Potenzial. „Dank der virtuellen Realität können Sie einen Ingenieur an jeder Maschine ausbilden, die je gebaut wurde“, sagt er. „Das verändert das Risikoprofil der Welt.“

    Die erste Kohorte der Start-ups kam aus Großbritannien, den USA, den Niederlanden und Indien. Die Auswahl der zehn Finalisten lief in mehreren Stufen. Aus 200 Bewerbungen haben Unternehmensberater 60 ausgewählt. Von dieser Liste haben Lloyd’s-Versicherer 20 zum Pitch in die Zentrale eingeladen. Am Ende blieb die Hälfte übrig. Die Auswahl der zweiten Kohorte läuft gerade, sie wird Ende April für zehn Wochen ins Lloyd’s Lab ziehen.

    Künftig sähe Maynard ebenfalls gern Bewerbungen aus Deutschland. Technologie wird auch eine zentrale Rolle spielen, wenn der neue CEO von Lloyd‘s, John Neal, Ende März seine Strategie vorstellt. „Wir müssen die technologisch fortgeschrittenste und kosteneffizienteste Plattform sein“, verkündete er kürzlich in einem Interview mit der „Financial Times“.

    Lloyd‘s hat mehrere schwierige Jahre hinter sich, 2017 fuhr die Firma einen Verlust von zwei Milliarden Pfund ein. 2018 scheint sich das Geschäft wieder erholt zu haben, im ersten Halbjahr gab es einen Gewinn von 600 Millionen Pfund. Doch die Kosten sind weiterhin viel zu hoch.
    Wie schon seine Vorgängerin Inga Beale will Neal daher die Digitalisierung des Marktes vorantreiben. Um widerwillige Broker dazu zu bringen, die elektronische Plattform zu nutzen, gibt Lloyd‘s nun Digitalziele vor. Wer die Ziele verfehlt, muss Strafe zahlen. Zu den digitalen Pionieren zählt der Versicherer Beazley. „Die elektronische Plattform läuft gut“, sagt COO Ian Fantozzi. „Wir wickeln inzwischen echtes Volumen darüber ab, während das Geschäft in früheren Jahren nie richtig in die Gänge kam.“

    Die Plattform spare Kosten und sei sehr viel schneller, bemerkt der Manager. Die Reaktionszeit auf Anfragen habe sich schon verbessert. Die Präsenz der Start-ups in der vierten Etage soll das Umdenken noch beschleunigen, gibt sich Maynard zuversichtlich: Das Lab sei ein „guter, kostengünstiger Weg“, Innovation und Wandel voranzutreiben.

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