Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

LV 1871, Allianz und Ideal Neue Produkte: Lebensversicherer ermöglichen flexible Einzahlungen und sogar Auszahlungen

Lebensversicherer werben mit neuen Produkten, flexiblen Einzahlungen und möglichen Auszahlungen. Umsonst ist dieser Service allerdings nicht.
16.10.2018 - 05:59 Uhr Kommentieren
Allianz und LV 1871: Wie Lebensversicherer junge Menschen locken Quelle: dpa
Familienbild auf einer Berliner Hauswand

Starre Lebensversicherungen passen nicht mehr zu den Lebensverhältnissen junger Menschen.

(Foto: dpa)

München Der angegraute Herr im brombeerfarbenen Dreiteiler sieht ein bisschen aus der Zeit gefallen aus. „Wirkt angestaubt, wird aber ihr Leben rocken“, lautet der Werbespruch dazu. Einen Hang zur Selbstironie wie bei den neuen Botschaften des Münchener Versicherers LV 1871 braucht es inzwischen immer mehr, wenn junge Menschen vom Massenprodukt Lebensversicherung überzeugt werden sollen.

„Zu starr, zu unflexibel“, lautet die Kritik. Längst nicht mehr zu den Lebensverhältnissen junger Menschen passend, zu denen vermehrt Brüche im Lebenslauf gehören. Und für die es kaum mehr möglich ist, wegen der vielen neuen Anforderungen im Beruf über Jahrzehnte hinweg zu planen, wie das noch in Zeiten ihrer Eltern möglich war.

Nach der jüngsten Erhebung des Branchendienstes Map-Report gab es in Deutschland zuletzt 83,5 Millionen Lebensversicherungsverträge. Allein 4,9 Millionen Neuverträge sind im vergangenen Jahr abgeschlossen worden. „Unter den gegebenen Umständen ist das ein Erfolg, auch wenn es der Branche seit 2004 nicht mehr gelingt, den Abrieb in den Beständen durch ausreichendes Neugeschäft zu kompensieren“, mahnen die Experten aber auch.

Mit der LV 1871 stellt nun der zweite Versicherer innerhalb weniger Wochen seine Produktwelt um. Unter dem Namen „Startklar“ geht dieser Tage eine relativ einfach gehaltene Lebensversicherung mit Garantie an den Start, bei der Beiträge erhöht, gesenkt oder auch ausgesetzt werden können. Beim höher ausgestatteten Produkt „Mein Plan“ kann dazu zwischen Fondsvarianten gewechselt werden, auch eine Auszahlung ist möglich.

Ende Juli hatte der Branchenführer Allianz seine neue Variante „Fourmore“ an den Markt gebracht. Dabei sollen Kunden flexibel zuzahlen oder pausieren können. Sogar die Auszahlung von Beiträgen soll möglich sein. Vorreiter dieser Entwicklung war im Jahr 2015 schon die Berliner Ideal Lebensversicherung, die damals mit dem Produkt „Universal Life“ für Aufsehen am Markt sorgte.

Weil von Kundenseite die Nachfrage nach Flexibilität immer größer wird, dürften bald weitere Versicherer nachziehen. „Der Kundentrend bei Lebensversicherungen heißt: Wir wollen es wieder einfach haben“, bringt Hermann Schrögenauer, Vorstand bei der LV 1871, die aktuelle Stimmung im Vertrieb auf den Punkt.

Zur DKM, der Leitmesse für die Versicherungs- und Finanzwirtschaft Ende des Monats in Dortmund, soll Einfachheit quer durch alle Produktbereiche ein großes Thema sein, heißt es aus der Branche. Was beim erklärungsbedürftigen Thema Altersvorsorge gar nicht so einfach ist. Vor allem, wenn die jüngere Generation dafür begeistert werden soll. „Sie hat wenig Geld, wenig Zeit und andere Interessen“, hat Schrögenauer festgestellt.

Treiber hin zu flexibleren Produkten ist wie überall die Digitalisierung. Wer in vielen Bereichen des täglichen Lebens an den Umgang mit Smartphone und Internet gewohnt ist, der tut sich beim bislang noch starren Produkt Lebensversicherung von Haus aus schwer.

Deutschland hängt in der Entwicklung hinterher

Der Umdenkprozess bei den Lebensversicherern hat deshalb ganz pragmatische Gründe. „Wir erreichen damit nun eine Zielgruppe, die wir bislang nicht systematisch erreicht haben“, beobachtet Volker Priebe, Produktvorstand bei der Allianz Leben in Stuttgart.

Zum eher traurigen Teil der Realität gehört aber auch, dass Deutschland bei dieser Entwicklung hinter anderen Regionen der Welt zurückliegt. In den USA beispielsweise gehören flexible Lebensversicherungen seit Jahrzehnten zum Standard.

Damit eine Gesellschaft diese aber anbieten kann, braucht es eine moderne und leistungsstarke Technik. Einzahlungen, die mal höher oder niedriger ausfallen können, müssen intern schnell und fehlerfrei verwaltet werden können. Das gilt auch für Auszahlungen oder den Wechsel in einen anderen Tarif, was mit den neuen Produkten nun möglich ist. Das Entwickeln des Produkts selbst gehört dagegen eher zu den einfacheren Aufgaben. Bei der LV 1871 dauerte es lediglich neun Monate.

Gerade beim Thema IT hapert es jedoch vielerorts. Deswegen ist in der Branche der Wunsch nach flexiblen Produkten zwar groß, die interne Umsetzung dagegen oftmals die Problemzone.

Wichtig für die Kunden: Die neue Flexibilität gibt es nicht umsonst. Bei der LV 1871 liegt die Gebühr bei Startklar bei acht Prozent auf den Beitrag und jährlich 0,2 Prozent auf das Vermögen. Beim flexibleren Produkt Mein Plan wird es komplexer. Hier gibt es vier Vergütungsmodelle für Vermittler. Im Schnitt müssen Kunden mit einer Gebühr von zehn Prozent auf den Beitrag und jährlich 0,22 Prozent auf das Vermögen rechnen.

Bei der Allianz werden beim Produkt Fourmore vier Prozent zu Anfang als Kosten entnommen, hinzu kommen jährlich 0,8 Prozent für die Verwaltung des Vertrags und 0,18 Prozent für das Management der Kapitalanlage. Zum Ende der Laufzeit bekommt der Kunde bei jedem Anbieter mindestens die eingezahlten Beiträge garantiert. Bei Produkten, die bisher angeboten wurden, fielen in der Regel aber weniger Gebühren an.

Vor Vertragsabschluss sollten sich die Kunden somit unbedingt das sogenannte Produktinformationsblatt, kurz PIB, aushändigen lassen. Dort sind Abschluss- und Vertriebskosten sowie die jährlichen Verwaltungskosten genau aufgeschlüsselt. Außerdem wird dort die Effektivkostenquote genannt, die die Vertragskosten als Renditeminderung darstellen.

Startseite
0 Kommentare zu "LV 1871, Allianz und Ideal: Neue Produkte: Lebensversicherer ermöglichen flexible Einzahlungen und sogar Auszahlungen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%