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Munich Re Gewinn bricht nach Tianjin um ein Drittel ein

Munich Re hat ein wortwörtlich katastrophales Quartal hinter sich. Der Gewinn des Rückversicherungsriesen brach um 29 Prozent ein. Grund dafür ist sind Turbulenzen am Finanzmarkt und eine chinesische Umweltkatastrophe.
05.11.2015 Update: 05.11.2015 - 15:24 Uhr
Nicht nur in den Boden von Tianjin hat die Explosion Löcher gerissen. Auch die Quartalsbilanz von Munich Re ist dadurch verhagelt. Quelle: dpa
Huge explosion rocks Chinese port city of Tianjin

Nicht nur in den Boden von Tianjin hat die Explosion Löcher gerissen. Auch die Quartalsbilanz von Munich Re ist dadurch verhagelt.

(Foto: dpa)

Frankfurt Der Gewinneinbruch im dritten Quartal soll für die Münchener Rück ein einmaliger Ausrutscher bleiben. Finanzchef Jörg Schneider hält in diesem Jahr einen Überschuss von "leicht über" den angepeilten drei Milliarden Euro weiterhin für erreichbar. "Wir brauchen eigentlich nur ein normales Quartal", sagte er am Donnerstag. Bisher sehe es auch danach aus. Nach neun Monaten lag der Nettogewinn des weltgrößten Rückversicherers mit 2,4 Milliarden auf Vorjahresniveau, obwohl Fehlschläge an den Kapitalmärkten im Sommer tiefe Spuren in den Zahlen hinterließen. Verluste mit Derivaten etwa zur Absicherung gegen Inflationseffekte, der verlustträchtige Verkauf von Wertpapieren sowie Abschreibungen auf Aktienbestände schlugen ins Kontor.

Die im Dax notierte Münchener-Rück-Aktie grenzte ihre Verluste rasch wieder ein. Analysten sprachen von Einmaleffekten, die den Gewinn im Quartal überraschend stark um 29 Prozent auf 525 Millionen Euro sinken ließen. "Das Ziel für 2015 ist gut erreichbar, aber auch nicht extrem konservativ", schrieb DZ-Bank-Analyst Thorsten Wenzel. So lange die Zinsen niedrig blieben, könne die Münchener Rück die Anleger mit Kapitalmaßnahmen wie Aktienrückkäufen über die schwächeren Ergebnisse hinwegtrösten, glaubt Bernstein-Analyst Thomas Seidl. Schneider bekräftigte, dass die Dividende auch in diesem Jahr leicht steigen soll. "2015 gibt uns keinen Anlass, davon abzuweichen." Mit einem eine Milliarde Euro schweren Aktienrückkauf ist die Münchener Rück erst halb durch.

So heftig belastet die Tianjin-Explosion Versicherungen
Riesiger Krater, zerstörte Gebäude, Container und Häuser
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Im August 2015 hatten zwei riesige Explosionen ein Industriegebiet im Hafen der chinesischen Stadt Tianjin verwüstet. Offiziellen Angaben zufolge 173 Menschen ums Leben.
Für Versicherungen in aller Welt hat das große Auswirkungen, wie bei der Vorlage der Quartalszahlen für das dritte Quartal 2015 klar wird.

(Foto: Reuters)
Unglaubliche Druckwelle
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Den Gesamtschaden für die Versicherungsbranche hatte der Rückversicherer Munich Re auf bis zu drei Milliarden Euro geschätzt. Auch der globale Marktführer aus München musst selbst tief in die Tasche greifen.

(Foto: ap)
Aufräumarbeiten im September
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Für Munich Re selbst war die Explosion der größte Einzelschaden im dritten Quartal. Kostenpunkt: 175 Millionen Euro.

(Foto: ap)
Chemikalien am Unglücksort
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Die Explosion hatte in einem Lagerhaus für Chemikalien den Ausgang genommen, was die Aufräumarbeiten erschwerte.

Auch für die Hannover Rück ist der Fall der größte Einzelschaden im betroffenen Quartal. Das Unternehmen hat dafür bislang 96 Millionen Euro zurückgestellt.

(Foto: Reuters)
Prosecutors target 11 Tianjin officials for fatal blasts
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Einer Logistikfirma wurde von chinesischen Behörden vorgeworfen, verbotenerweise große Mengen an Chemikalien gelagert zu haben.

Die Schadenzahlungen für die Tianjin-Katastrophe veranschlagt der Rückversicherer Swiss Re für das eigenen Unternehmen auf umgerechnet 220 Millionen Euro.

(Foto: dpa)
Tausende zerstörte Fahrzeuge
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Unter anderem brannten viele Volkswagen-Neufahrzeuge nach der Explosion aus: ein teures – und versichertes – Gut.

Für den Schweizer Versicherungskonzern Zurich hat die Katastrophe Kosten in Höhe von 245 Millionen Euro.

(Foto: ap)
Ausgebrannte VW Beetle
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Der Verband der Schifffahrtsversicherer, IUMI, schätzt die in Tianjin allein an Fahrzeugen entstanden Schäden, auf mehr als 250 Millionen Euro.

(Foto: ap)

Die Rückversicherungsbranche steht wegen des Preisdrucks vor allem im Naturkatastrophen-Geschäft und wegen der schwindenden Renditen für sichere Finanzanlagen doppelt unter Druck. Die Münchener Rück könne ihr Geld derzeit im Schnitt gerade noch für 1,9 Prozent neu anlegen, sagte Schneider. "Um die 1,9 Prozent zu erreichen, müssen wir schon ein gewisses Risiko gehen." Für das laufende Jahr rechnen die Münchner nun nur noch mit einer Anlagerendite von 3,0 Prozent, obwohl bis Ende September noch 3,3 Prozent zu Buche standen. "Die Kapitalmarktturbulenzen haben ihre Spuren im Kapitalanlageergebnis hinterlassen", erklärte der Finanzvorstand. Und die Erosion halte an.

Operativ profitierte der Rückversicherer von einer geringen Zahl an Naturkatastrophen und anderen Großschäden. Im dritten Quartal war die Explosion in der chinesischen Hafenstadt Tianjin mit 175 Millionen Euro der größte Einzelschaden. Im Gegenzug konnte die Münchener Rück Rückstellungen für alte Schadenfälle von rund 200 Millionen Euro auflösen. Ohne einen Steuerertrag von gut 100 Millionen Euro wäre das Ergebnis noch schlechter ausgefallen.

Die Bruttobeiträge kletterten im abgelaufenen Quartal nur wegen des schwachen Euro um 3,6 Prozent auf 12,5 Milliarden Euro. Ohne Währungseffekte wären sie um 1,5 Prozent gesunken, in der Rückversicherung sogar um drei Prozent. Für das Gesamtjahr rechnet die Münchener Rück nun mit Beitragseinnahmen von rund 50 (2014: 48,8) Milliarden Euro, das liegt in der Mitte der bisher genannten Spanne.

Bei der Erstversicherungstochter Ergo hat sich der operative Gewinn im dritten Quartal halbiert. Der neue Ergo-Chef Markus Rieß, der im September vom Rivalen Allianz gekommen war, kündigte für das Frühjahr 2016 eine neue Strategie an. "Um Ergo zukünftig in allen Bereichen wettbewerbsfähig aufzustellen, werden wir die gesamte Wertschöpfungskette überprüfen", sagte er.

  • rtr
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