Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Naturkatastrophenbilanz für 2019 Rückversicherer rechnen mit steigender Zahl von Schäden und mehr Wetterturbulenzen

Naturkatastrophen führten im Jahr 2019 weltweit zu Schäden von rund 150 Milliarden Dollar. Künftig stellen sich die Rückversicherer auf deutlich höhere Summen ein.
08.01.2020 - 11:19 Uhr Kommentieren
Die anhaltenden Buschfeuer in Australien werden im Jahr 2020 nach aktuellem Stand die Schadenssumme nicht allzu sehr nach oben treiben. Quelle: AP
Buschfeuer in New South Wales

Die anhaltenden Buschfeuer in Australien werden im Jahr 2020 nach aktuellem Stand die Schadenssumme nicht allzu sehr nach oben treiben.

(Foto: AP)

München Seit September wüten in Australien verheerende Buschbrände. Eine Fläche von rund zehn Millionen Hektar ist im Südosten Australiens mittlerweile abgebrannt – das entspricht ungefähr der Größe von Bayern und Baden-Württemberg zusammen. Und ein Ende ist nicht in Sicht.

„Der aktuelle Zustand kann noch bis März oder April andauern, wir befinden uns schließlich erst in der Mitte des Sommers“, warnt Ernst Rauch, Klimaexperte des weltgrößten Rückversicherers Munich Re. Der Geowissenschaftler beobachtet schon seit gut drei Jahrzehnten die großen Naturkatastrophen weltweit.

Im Vergleich zu den Schadenssummen, die weltweit im vergangenen Jahr durch Stürme, Starkregen, Hitze und Feuer anfielen, dürften die versicherten Schäden in Australien dennoch gering ausfallen. Aktuelle Zahlen aus der Versicherungswirtschaft gehen von bisher rund 700 Millionen australischen Dollar aus (430 Millionen Euro). Denn es handelt sich vor allem um Buschfeuer in kaum besiedelten Gebieten.

Weltweit lagen die Schäden durch insgesamt 820 Naturkatastrophen im vergangenen Jahr nach Berechnungen der Munich Re bei rund 150 Milliarden Dollar. Als schwerstes Einzelereignis schlug dabei der Taifun Hagibis in Japan mit rund 17 Milliarden Dollar zu Buche, etwa zehn Milliarden davon waren versichert.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Dennoch spricht Klimaexperte Rauch für 2019 eher von einem Durchschnittsjahr. Im bisherigen Rekordjahr 2017 lag die weltweite Schadenssumme mit über 350 Milliarden Dollar mehr als doppelt so hoch.

    2019 war trotzdem ein außergewöhnliches Wetterjahr. So vergrößerte sich nach vielen Jahren erstmals wieder das sogenannte „Insurance Gap“. Mit dieser Zahl messen die Experten, welcher Anteil der Schäden versichert ist.

    Lagen in den 80er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts die unversicherten Schäden noch bei 75 Prozent, so war dieser Anteil über die Jahrzehnte bis zuletzt in Richtung 50 Prozent gesunken. Im vergangenen Jahr waren allerdings rund zwei Drittel der weltweit entstandenen Schäden unversichert: Nur 52 Milliarden Dollar bei rund 150 Milliarden Dollar an Schäden wurden durch Versicherungen abgedeckt.

    Das lag auch daran, dass etliche arme Länder betroffen waren. Der Zyklon Idai, der im März beispielsweise große Teile von Mosambik verwüstete, führte dort in der Hafenstadt Beira und im Hinterland zu Schäden von etwa 2,3 Milliarden Dollar. Versichert war davon allerdings so gut wie nichts. Während Industriestaaten solche Milliardensummen für den Wiederaufbau stemmen könnten, ist das für ein armes Land wie Mosambik im südlichen Afrika nicht möglich. Dort betrug die Schadenssumme gut ein Zehntel der Wirtschaftsleistung.

    Zahl an Todesopfern ist rückläufig

    Ähnlich dramatisch sind die Unterschiede zwischen Sturmereignissen und Überschwemmungen. Während die Absicherung gegenüber Sturmschäden zunehmend steigt, ist sie bei Überschwemmungen weiterhin schwach ausgeprägt. Als es im August in Indien und China zu starken Unwettern und Überschwemmungen kam, war ebenfalls kaum etwas versichert.

    Deutlich rückläufig ist dagegen die Zahl an Todesopfern. Kamen im Schnitt der vergangenen 30 Jahre noch jährlich 51.600 Menschen weltweit bei Naturkatastrophen um, so waren es im vergangenen Jahr noch 9000. Allerdings waren mehr als 1000 Opfer allein im Frühjahr in Mosambik zu beklagen.

    Ganz anders würde zudem die weltweite Schadenssumme aussehen, hätte sich Hurrikan Dorian Anfang September nicht über Tage auf den Bahamas festgesetzt, um dann über das Meer nach Norden entlang der US-Ostküste abzuziehen. „Die USA hatten bei Hurrikan Dorian enormes Glück“, erklärt Munich-Re-Experte Rauch. „Wäre die Zugbahn 100 Meilen weiter westlich verlaufen, hätte das zu weitaus höheren Schäden geführt.“ So verursachte Dorian einen Gesamtschaden von 5,6 Milliarden Dollar, wovon rund vier Milliarden Dollar versichert waren.

    Zum Vergleich: Der bislang teuerste Hurrikan Harvey verursachte 2017 laut der Ratingagentur Moody’s einen Gesamtschaden von 133,5 Milliarden Dollar.

    Überhaupt gehen die Experten bei den großen Rückversicherern davon aus, dass der Trend zu einer steigenden Zahl von Schäden und immer mehr Wetterturbulenzen weiter zunehmen wird. Egal, ob es sich dabei um vermehrt lokale Überflutungen, sintflutartige Regenfälle, lange Trockenperioden, heftige Waldbrände oder andere Wetterextreme handelt.

    Hinzu kommen die fortschreitende Urbanisierung und die steigende Bevölkerungszahl gerade in Ballungszentren, ebenso in Küstengebieten und in den Randbereichen von Wäldern. Weil die Werte von Immobilien und deren Ausstattung dort kontinuierlich steigen, wachsen auch die Schadenssummen, selbst wenn das Ausmaß an Stürmen gleich bleibt. „Es ist deshalb überlebensnotwendig, dass wir uns dieser wachsenden Risiken bewusstwerden und unsere Städte widerstandsfähiger machen“, heißt es bei den Experten der Swiss Re, der Nummer zwei der Branche.

    350 Millionen Euro an Schäden an Pfingsten

    Das gilt auch für Deutschland. Hier fiel die versicherte Schadenssumme durch Sturm, Hagel und Starkregen im vergangenen Jahr zwar mit 3,2 Milliarden Euro niedriger aus als im langfristigen Durchschnitt (3,7 Milliarden Euro). Doch Wolfgang Weiler, Präsident des Branchenverbandes GDV, schränkt ein: „Insgesamt steht das Jahr 2019 für einige schwere Stürme, große Hitze und starke lokale Überschwemmungen und ist damit charakteristisch für Extremwetter auch in Deutschland.“

    Besonders deutlich machte sich das im Kfz-Bereich bemerkbar, in dem sich die Schäden im Vergleich zum Vorjahr durch Sturm, Blitz, Hagel und Überschwemmungen fast verdoppelten. Dabei ragten die Unwetterserie und der starke Hagel an Pfingsten, der besonders den Großraum München getroffen hatte, mit insgesamt rund 350 Millionen Euro an Schäden heraus.

    Generell glauben die Rückversicherer, dass der Klimawandel in der Form, wie er sich jetzt abzeichnet, zu managen ist. Auch wenn das Tempo der Veränderung alarmierend sei, wie es bei den Experten der Swiss Re heißt. Dafür müssten künftig Risikomodelle verbessert werden, mit denen Klimagefahren prognostiziert werden können.

    „Rückversicherer können zudem eine wichtige Rolle auf dem Weg in eine Welt mit weniger Kohlendioxid spielen, indem sie Lösungen für Risiken bei Großinvestments in neue Technologien und Innovationen entwickeln“, heißt es bei Swiss Re. Bei der Munich Re sieht Konzernchef Joachim Wenning mittlerweile in der Zusammenarbeit mit jungen Technologieunternehmen sogar den größeren Nutzen für sein Unternehmen als in der Übernahme eines Wettbewerbers.

    Generell gehen die Experten davon aus, dass das Jahr 2019 mit seinen eher durchschnittlichen Schäden bei Naturkatastrophen bald schon wieder übertroffen werden dürfte. Die anhaltenden Buschfeuer in Australien werden dabei nach aktuellem Stand die Schadenssumme allerdings nicht allzu sehr nach oben treiben.

    „Sollten die Feuer keine Großstadt erreichen, dann fallen die Schäden deutlich geringer aus als in den vergangenen Jahren in Kalifornien“, sagt Munich-Re-Experte Rauch. Wegen der deutlich dichteren Besiedlung dort lag der Gesamtschaden bei den großen Feuern im Jahr 2018 beispielsweise bei 24 Milliarden Dollar.

    Mehr: Der Klimawandel macht sich immer stärker bemerkbar – und trifft immer häufiger die großen Industrienationen. Ein Hauptleidtragender: Deutschland.

    Startseite
    Mehr zu: Naturkatastrophenbilanz für 2019 - Rückversicherer rechnen mit steigender Zahl von Schäden und mehr Wetterturbulenzen
    0 Kommentare zu "Naturkatastrophenbilanz für 2019: Rückversicherer rechnen mit steigender Zahl von Schäden und mehr Wetterturbulenzen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%