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Private Krankenversicherung PKV-Neugeschäft lahmt: Versicherer profitieren nur noch von Beitragssteigerungen

Krankenversicherungsunternehmen gewinnen mit den gestiegenen Beiträgen kaum noch Neukunden. Nettowachstum ist nur noch mit einer Zielgruppe möglich.
15.06.2021 - 19:01 Uhr 3 Kommentare
Im Jahr 2021 mussten viele Privatversicherte hohe Beitragsanpassungen hinnehmen. Quelle: Getty Images
Patient im MRT

Im Jahr 2021 mussten viele Privatversicherte hohe Beitragsanpassungen hinnehmen.

(Foto: Getty Images)

Frankfurt Hohe Beitragsanpassungen in der privaten Krankenversicherung (PKV) sind für viele Versicherte ein Ärgernis. In diesem Jahr trifft es vor allem Kunden in der Krankenvollversicherung, in der Pflegepflichtversicherung und im Standardtarif.

Der Anpassungsdruck bleibt auch künftig bestehen: „Nachhaltige Ruhe an der Beitragsfront ist vorerst nicht in Sicht,“ sagte Reiner Will, Geschäftsführer der Ratingagentur Assekurata, bei einer Online-Pressekonferenz am Dienstag.

Die Beitragsanpassungen sind laut Will auf die anhaltende Niedrigzinsphase zurückzuführen, die steigenden Pflegekosten und die für die nächste Legislaturperiode zu erwartende Reform der Gebührenordnung für Ärzte. „Bereits zu Beginn des Jahres hatten die Gesellschaften die Beiträge in der Vollversicherung marktweit so stark angepasst wie seit 2010 nicht mehr“, sagt Gerhard Reichl, Fachkoordinator Krankenversicherung bei Assekurata.

Im Durchschnitt erhöhten sich die Bestandsbeiträge im Beihilfesegment, das im Wesentlichen die Krankenversicherung der Beamten umfasst, um 5,7 Prozent und im Nicht-Beihilfebereich um 7,7 Prozent. Zusätzlich werden zum 1. Juli auch die Beiträge im sogenannten Standardtarif, der in etwa die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung abdeckt, sowie die Beiträge für Beamte in der Pflegepflichtversicherung angehoben.

Nicht zuletzt wegen der Beitragserhöhungen haben die Versicherer 2020 unter dem Strich erneut leicht Kunden verloren. Gut verdienende Angestellte und Selbstständige wechseln deutlich weniger von der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) in die PKV als noch vor zehn Jahren. Nettowachstum ist also nur noch mit Beamten möglich.

Die Beihilfe profitiert davon, dass die Beschäftigtenzahlen im öffentlichen Dienst zunehmen. Marktführer bleibt die Debeka, die hier einen guten Zugang hat, gefolgt von Axa, DKV und Signal Iduna. Insgesamt sei es für die Versicherer nicht einfach, in einem schrumpfenden Markt die Position zu verteidigen, meint Reichl.

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Durch die Anpassungen geht die Assekurata dennoch davon aus, dass die Krankenversicherer ihre Beiträge in diesem Jahr um 2,5 Milliarden auf insgesamt 45,3 Milliarden Euro steigern können. Auch ertragsseitig dürfte 2021 ein positives Jahr für die Branche werden. Bereits im vergangenen Jahr kletterte das versicherungsgeschäftliche Ergebnis der Branche von 4,9 Milliarden auf rund 5,7 Milliarden Euro.

Dazu hatten auch die Beitragsanpassungen in der Pflegepflichtversicherung beigetragen. Seit der Umsetzung des zweiten Pflegestärkungsgesetzes 2017 sind die Beiträge deutlich gestiegen, da es deutlich mehr Anspruchsberechtigte gibt und die Leistungsausgaben kräftig steigen. Die beschlossene Pflegereform führe zu weiterem Kostendruck, was aber neben den Privatversicherten auch Kunden der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) treffen dürfte, so Reichl.

Zudem stiegen die Leistungsausgaben der Versicherer im Jahr 2020 mit einem Plus von 2,1 Prozent auf 30,7 Milliarden Euro deutlich moderater an als in den beiden Vorjahren. Da hatten die Kostensteigerungen noch jeweils über vier Prozent betragen. Pandemiebedingt ging nun die Zahl an Arztbesuchen und Krankenhausaufenthalten zurück. Am Kapitalmarkt hinterließ die Corona-Pandemie dagegen deutliche Spuren im Anlageergebnis, wodurch auch das Rohergebnis nach Steuern marktweit gesunken ist.

Gutverdienende Angestellte und Selbstständige wechseln weniger in die PKV

Wichtig ist für die Versicherer die Transformation weg vom reinen Kostenerstatter hin zu einem Gesundheitsdienstleister. Serviceleistungen wie beispielsweise eine Unterstützung bei der Facharztsuche oder bei der Einholung einer Zweitmeinung sind für viele Versicherungskunden interessant. „Doch es besteht noch viel Luft nach oben, solche Services überhaupt bekanntzumachen“, so Reichl.

Positiv werten die Experten die Entwicklung in den Sozialtarifen. Gerade zu Beginn der Corona-Pandemie wurde befürchtet, dass sich viele Privatversicherte ihre Krankenversicherungsbeiträge nicht mehr leisten können. Dennoch kam es 2020 nur zu leichten Anstiegen der Versichertenzahlen im Basis- und im Standardtarif. Die Zahl der Notlagentarifversicherten war sogar rückläufig.

Reichl führt das darauf zurück, dass viele Versicherte während der Pandemie darauf geachtet haben, ihren Versicherungsschutz nicht zu verlieren. Zudem seien die Versicherer häufig entgegenkommend gewesen, wenn es darum ging, Versicherungsbeiträge zu stunden und die Kunden in günstigere Verträge wechseln zu lassen – mit einem Rückkehrrecht in ihren alten Tarif. Insgesamt seien Tarifwechsel zudem nach wie vor kein Massenphänomen.

Hart hat es unterdessen die Pflegezusatzversicherung getroffen. Das Neugeschäft ging 2020 um rund 30 Prozent zurück, der Storno stieg um 70 Prozent. Unter dem Strich ist der Vertragsbestand gegenüber dem Vorjahr aber nahezu konstant geblieben. Ein Lichtblick bleibt die Zahnzusatzversicherung, die weiterhin ein Verkaufsschlager sei, so Assekurata. Als ein zukunftsträchtiges Feld betrachten die Experten zudem die betriebliche Krankenversicherung. Hier ist die Zahl der Versicherten auf über eine Million gestiegen.

Mehr: Private Krankenversicherungen investieren 100 Millionen Euro in digitale Gesundheitstechnologien

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3 Kommentare zu "Private Krankenversicherung: PKV-Neugeschäft lahmt: Versicherer profitieren nur noch von Beitragssteigerungen "

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  • Wie hoch wird die PKV Prämie in 40 Jahren sein ?

    „Premium Tarif Continental, günstigster Versicherer. Handelsblatt Test vom 19.5.21.
    Die monatliche Prämie beträgt 545,06 Euro und schließt eine Selbstbeteiligung von 20 Euro je Leistung ein, die aber bei 500 Euro pro Jahr gedeckelt ist“

    Premiumtarif 545,06 zuzüglich Selbstbeteiligung 500,- /12 = monatlich 41,66 Gesamtprämie = 586,72 monatlich. Eintritts Alter 35 Jahr.

    Premium Tarif Conti. ungefähr vergleichbar mit meinem Tarif aus 1980. Mein Eintrittsalter 33 Jahre.

    Selbstbeteiligung ist immer eine verdeckte Prämie, nur dann von Vorteil wenn lebenslang keine Gesundheitskosten anfallen. Also muss man von einer Prämie von 586,72 incl. Selbstbeteiligung ausgehen.

    Wie hoch wird die Prämie in 40 Jahren sein, oder sogar noch später.

    Auf Grundlage meiner Prämienentwicklung seit 1980, Steigerung um 535%, wäre die Prämie in 40 Jahren.

    545,06 zuzüglich 535 % = 3461,06 monatlich, zuzüglich Selbstbeteiligung 41,66 monatlich, zuzüglich Pflegeversicherung.

    Vorausgesetzt die Versicherung erhöht in den nächsten 40 Jahren den Selbstbehalt nicht.

    Bei dieser Berechnung muss der Versicherte nach ca. 20 Jahren eine Tarifreduzierung auf einen abgespeckten Tarif vornehmen, nur dann ist die Steigerung mit meiner Steigerung vergleichbar, sonst wird die Prämie um einiges höher sein.

    An obiger Berechnung kann man sehen, wie katastrophal das PKV System in Wirklichkeit ist, und man mit der PKV ein unkalkulierbares Kosten Risiko eingeht, das bei vielen Rentnern in die Verarmung führen wird.

    In der GKV kann man ganz sicher sein, seine Prämie in Rente noch bezahlen zu können.

  • „Gutverdienende Angestellte und Selbstständige wechseln weniger in die PKV.“

    So langsam spricht sich rum, dass viele PKV Versicherte Rentner wegen Ihrer explodierenden PKV Prämien ein sehr hohes Verarmungsrisiko tragen.

    Entwicklung in der GKV :
    BBG : jährlich Beitragsbemessung der GKV 1980 = 19389,-€, GKV 2021 = 58050,-
    Erhöhung 38661,- Steigerung um 199 % ,
    die Beitragsbemessungsgrenze ist im Zeitraum 1980 bis 2021 in 41 Jahren um 199% gestiegen.

    GKV Beitragssatz : 1980 11,4 %, heute 14,6 % zuzüglich Zusatzbeitrag (ca. 16% incl. Zusatzbeitrag). Steigerung in 41 Jahren um gerade mal 40 %,
    davon können PKV Versicherte nur träumen.

    In der GKV beitragsfrei mitversichert : beitragsfreie Familienversicherung, 19,5 Monate Krankengeld ab der 6. Woche, Kuren und Reha und noch einiges mehr. In der PKV müssen diese existenziellen Bausteine zusätzlich versichert werden, natürlich gegen entsprechende Prämienzahlungen.

    Fazit : Meine (und da bin ich ganz sicher nicht der Einzige im PKV Tariflabyrinth) PKV Beitragsentwicklung (+ 535% seit 1979 - 1980) ist um ein Vielfaches mehr gestiegen als es bei der GKV möglich gewesen wäre, die Leistungen in der PKV rechtfertigen auf keinen Fall diese Beitragsexplosion.

    Als Coronakranker wird man als PKV Versicherter nicht schneller gesund, man bekommt nur eine höhere Rechnung.

    Als langjährig PKV Versicherter kann ich nur jedem empfehlen, Finger weg von der PKV.

    Die Bürgerversicherung ist einfach alternativlos.

  • „Der Anpassungsdruck bleibt auch künftig bestehen: Nachhaltige Ruhe an der Beitragsfront ist vorerst nicht in Sicht, und wird auch nie kommen“

    Seit 1979 PKV versichert ,jetzt Rente früher selbstständig. Anfangstarif : Zweibettz., Chefarzt, ohne Selbstbeh., Zahnbeh. 100 %, Zahners. 80 %.

    Tarif 2021 (letzter Tarifwechsel in 2006) : allgemeine Krankenhausleistung, 100% Zahn, 50 % Zahnersatz, 1000,- Selbstbehalt. (Selbstbehalt ist lediglich eine verdeckte Prämie)

    Meine PKV Beitrag ist von 1979/1980 bis 2021 über alle Tarifwechsel hinweg um sagenhafte 535 % gestiegen, auf Basis Anfangsprämie 1979.

    Beitragssteigerung um 535 % obwohl ich 2006 einen Tarifwechsel auf einen enorm abgespeckten Tarif hatte, sonst wäre mein Beitrag heute einen gewaltigen Betrag höher und trotz 41 Jahre Altersrückstellungen.

    Hier ein Teilausschnitt meiner Prämienhistorie. 2006 letzter Tarifwechsel.
    1.1.08) + 29,97 %
    1.1.09) + 32,82%
    1.1.11) + 18,78%
    1.1.15) + 10%
    1.1.16) + 23,7%
    1.1.18) + 37,24%
    Zum 1.1.2021) + 23,73 %

    Meine PKV Prämie bezogen auf die Anfangsprämie 2006 ist um sagenhafte 373 % gestiegen.

    Wie hoch wird wohl mein PKV Beitrag sein, bis ich versterbe ?

    Die jährliche Rentenerhöhung gleicht die Prämienexplosion der PKV Prämie nicht aus, zusätzlich wird die Rente durch Inflation immer weniger Wert, hier ist ganz klar zu erkennen, dass zwangsläufig viele PKV Versicherte Rentner, je älter Sie werden, verarmen werden.

    Wir brauchen die Bürgerversicherung, hier wird die Prämie nach Einkommen berechnet, wer viel verdient zahlt viel, wer wenig verdient zahlt wenig. Das ist dann die einzig richtige Versicherungsform.

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