Ranking: Das sind die besten privaten Krankenvollversicherungen
Köln. Chefarztbehandlung, Ein-Bett-Zimmer im Krankenhaus und die nahezu vollständige Erstattung für Zahnersatz – private Krankenvollversicherungen machen es möglich.
Rund zehn Prozent der Deutschen haben eine private Krankenvollversicherung abgeschlossen. Der Großteil ist weiterhin gesetzlich versichert, wo sich die Beiträge nach dem Einkommen richten. Bei privaten Anbietern hingegen hängen die Prämien vom Alter, Gesundheitszustand und gewünschten Leistungen ab.
Zugang zur privaten Krankenversicherung haben Angestellte mit einem Jahreseinkommen über der sogenannten Jahresarbeitsentgeltgrenze – 2025 liegt diese bei 73.800 Euro. Für Selbstständige entfällt diese Grenze. Ein entscheidender Unterschied zur gesetzlichen Kasse: Privatversicherte können den Leistungsumfang individuell festlegen.
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Versicherer bieten Tarife für jeden Anspruch
Das Angebot ist vielfältig. Orientierung bietet ein aktuelles Ranking der Ratingagentur Franke und Bornberg im Auftrag des Handelsblatts. Die Experten unterscheiden zwischen Komfort- und Premiumschutz. Die monatlichen Prämien schwanken je nach Tarif erheblich.
„Wer sich privat versichern will, sollte die langfristige Finanzierbarkeit prüfen“, sagt Michael Franke, Geschäftsführer der Ratingagentur. „Ein späterer Wechsel zurück in die Gesetzliche Krankenversicherung ist in der Regel nicht mehr möglich.“
Die besten Tarife in der Kategorie Premiumschutz bieten höchsten Komfort – ambulant wie stationär. Die Behandlung vom Chefarzt im Krankenhaus und die Unterbringung im Ein-Bett-Zimmer gehören dazu. Insgesamt wurden elf Tarifkombinationen mit der Höchstnote „sehr gut“ ausgezeichnet. Im Musterfall einer Person im Alter von 36 Jahren liegt die monatliche Prämie zwischen 671,60 Euro und 849,74 Euro.
Beispielhaft ist die Tarifkombination „NK.select XL Bonus, URZ, PVN“ der Halleschen Krankenversicherung. „ Es gibt keine Begrenzung auf die Höchstsätze der Gebührenordnung für Ärzte“, sagt Wiltrud Pekarek, Vorständin der Halleschen Krankenversicherung. Beim Zahnersatz übernimmt die Hallesche 90 Prozent der Kosten – etwa für Kronen, Brücken oder Implantate. Kieferorthopädische Leistungen sind ebenfalls eingeschlossen. Vorsorgeuntersuchungen und Schutzimpfungen werden nicht auf Selbstbehalt oder Beitragsrückerstattung angerechnet.
Ebenfalls mit der Höchstnote wurde die Tarifkombination der Bayerischen Beamtenkrankenkasse ausgezeichnet. „Wir haben bei der Entwicklung gezielt auf die Bedürfnisse verschiedener Lebensphasen geachtet – von präventiver Gesundheitsförderung über hochwertige ambulante und stationäre Versorgung bis hin zu Unterstützungsleistungen im Alltag“, sagt Martin Fleischer, Vorstandsmitglied der Personenversicherung im Konzern Versicherungskammer. „Die Produkte sind modular aufgebaut, enthalten keine versteckten Ausschlüsse und bieten echte Wahlfreiheit.“
Die zahnmedizinische Versorgung geht über die Standards der Gesetzlichen Krankenversicherung hinaus. „Deshalb decken unsere Tarife Zahnbehandlungen zu 100 Prozent ab, Zahnersatz in der Regel bis zu 90 Prozent – inklusive moderner Materialien und Leistungen“, sagt Fleischer. Zudem würden präventive Maßnahmen wie professionelle Zahnreinigungen nicht auf den Selbstbehalt angerechnet. „Im ambulanten Bereich ermöglichen wir unter anderem die freie Arztwahl, inklusive Spezialisten und Privatärzten, sowie die Abdeckung alternativer Heilmethoden“, fügt er hinzu.
Wachsende Ansprüche an Gesundheitsschutz
Menschen werden bei der Gesundheit anspruchsvoller: „Die Nachfrage verschiebt sich zunehmend zu Premiumtarifen mit klarer Leistungsdefinition und nachvollziehbarem Nutzen“, sagt Fleischer. Kunden wünschten keine Maximalabsicherung auf dem Papier, sondern erlebbare Sicherheit. „Wir sehen außerdem eine stärkere Nachfrage nach Zusatznutzen wie Gesundheitscoaching, Familienservices und digitalen Helfern.“
Krankenversicherer würden immer stärker zu ganzheitlichen Gesundheitsbegleitern. „Wir verstehen uns als Gesundheitspartner, nicht als reiner Kostenerstatter“, sagt Fleischer. Einen Trend zu leistungsstarken Tarifen sieht auch Wiltrud Pekarek von der Halleschen Krankenversicherung. Eine weitere Entwicklung: „Digitale Angebote wie zum Beispiel Apps, Videosprechstunden und digitale Gesundheitsanwendungen werden wichtiger.“
Künstliche Intelligenz auf dem Vormarsch
Immer stärker kommt auch in der privaten Krankenversicherung Künstliche Intelligenz (KI) zum Einsatz: „Wir pilotieren aktuell unterschiedliche Anwendungen, so zum Beispiel einen Voicebot in der Telefonie“, sagt Pekarek. Die Mitarbeiter würden KI auch nutzen, um Schreiben und Berichte zu formulieren. Das gilt auch für Übersetzungen, schließlich sind private Krankenversicherungen in der Regel weltweit gültig. Auch beim Recherchieren von Themen hilft die KI, Informationen strukturiert aufzuarbeiten und komplexe Inhalte verständlich und transparent zusammenzufassen.
„Künstliche Intelligenz ist für uns ein strategisches Werkzeug zur Effizienzsteigerung und Qualitätssicherung“, sagt Fleischer. Der Versicherer hat insgesamt 120 Anwendungen für KI identifiziert, von denen bereits einige im Einsatz seien. So prüfen zum Beispiel KI-Systeme Krankenhausrechnungen auf Plausibilität, erkennen Abrechnungsfehler. „Doch bei aller Technik: Für uns bleibt klar – ein digitales Tool ersetzt nie das persönliche Gespräch.“ Deswegen bleibt der Versicherer mit 4800 Beratungsstellen in ganz Deutschland präsent.