Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Rückversicherer Ergo-Chef Rieß verdient mehr als Munich-Re-Chef Wenning

Die Vorstände der Munich Re profitieren finanziell vom guten Ergebnis des vergangenen Jahres. Dabei gibt es eine große Überraschung.
18.03.2020 - 11:24 Uhr Kommentieren
Der Ergo-Chef verdiente im Jahr 2019 mehr als 4,6 Millionen Euro. Quelle: dpa
Markus Rieß

Der Ergo-Chef verdiente im Jahr 2019 mehr als 4,6 Millionen Euro.

(Foto: dpa)

München Das hohe Jahresergebnis des vergangenen Jahres macht sich bei der Munich Re auch beim Gehalt der insgesamt neun Vorstände positiv bemerkbar. Sieben von ihnen haben mehr verdient als 2018. Das geht aus dem Geschäftsbericht der Munich Re für 2019 hervor, der am Mittwochvormittag veröffentlicht wurde. Bei Finanzvorstand Christoph Jurecka und dem neuen Investmentvorstand Nicholas Gartside fehlen die Vergleichsgrößen, weil sie erst im Januar beziehungsweise März vergangenen Jahres hinzugekommen waren.

Insgesamt mehr als 2,7 Milliarden Euro hatte der Erst- und Rückversicherer im abgelaufenen Jahr verdient. Das waren 200 Millionen Euro mehr als ursprünglich erwartet. Davon profitierten auch die Vorstände, deren Gehalt bei der Munich Re traditionell jeweils zur Hälfte einen fixen und einen variablen Bestandteil enthält.

Konzernchef Joachim Wenning erhielt so insgesamt für 2019 knapp über 3,9 Millionen Euro nach rund 3,6 Millionen Euro ein Jahr davor. Das lag zum einen am deutlich gestiegenen Jahresbonus, er fiel um rund 170.000 Euro höher aus als im Jahr 2018. Zum anderen stieg die Prämie für die Mehrjahresperformance um knapp 130.000 Euro.

Im variablen Teil der Munich Re gehen jeweils zu 30 Prozent der Jahresbonus ein, die verbleibenden 70 Prozent kommen vom Mehrjahresbonus. Er misst die Performance über fünf Jahre gegenüber einer Vergleichsgruppe aus den Wettbewerbern Allianz, Axa, Generali, Hannover Rück, Scor, Swiss Re und Zurich.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Waren die Gehaltssteigerungen bei den meisten Vorständen der Munich Re erwartbar, so überrascht das Gehalt von Markus Rieß, dem Chef Munich-Re-Tochter Ergo. Dessen Gesamtbezüge liegen bei mehr als 4,6 Millionen Euro. Das sind über 1,2 Millionen Euro mehr als im Jahr 2018. Gut 3,3 Millionen Euro stammen aus seiner Tätigkeit als Ergo-Chef, den Rest erhielt er für die Vorstandsposition bei der Munich Re.

    Positive Entwicklung bei Ergo

    Damit hat Markus Rieß mehr verdient als Konzernchef Wenning. Die Gründe dafür liegen ebenfalls im variablen Teil der Vergütung. Die Prämie für die Mehrjahresperformance über fünf Jahre fiel mit knapp 1,7 Millionen Euro um rund 1,2 Millionen Euro höher aus als im Jahr 2018.

    Das liegt vor allem an der sehr guten Entwicklung der Ergo über die vergangenen Jahre. Lange galt der Düsseldorfer Erstversicherer als Sanierungsfall. Ein fünfjähriges Restrukturierungsprogramm, das Rieß bei seinem Amtsantritt einleitete und das jetzt in sein letztes Jahr geht, zeigt nur aber die erhofften Erfolge.

    „Unsere Produktivität ist heute größer als in den vergangenen zwölf Jahren“, sagte der Ergo-Chef vor wenigen Wochen bei der Bilanz-Pressekonferenz in München. Ein wesentlicher Grund dafür ist seiner Ansicht nach, dass alle wesentlichen Produkte vereinfacht und verschlankt wurden. Auch neue Geschäftsbereiche wie der Online-Versicherer Nexible, der bei seinem Start vor über zwei Jahren schwer in Tritt kam, haben inzwischen 62.000 Policen und damit 23 Prozent mehr als ein Jahr davor.

    Im abgelaufenen Jahr hatte Ergo vor allem im Schlussquartal noch einmal deutlich zugelegt. Hier stieg der Gewinn im Gesamtjahr auf 440 Millionen Euro, 2018 standen an dieser Stelle 412 Millionen Euro.

    Lange war nicht klar, ob diese Zahl wieder erreicht wird, nachdem nach drei Quartalen sogar ein leichter Gewinnrückgang auf 339 Millionen Euro zu Buche stand. Auffallend positiv hat sich dabei das deutsche Schaden- und Unfallsegment entwickelt. Nach einem Gewinn von 45 Millionen Euro im Jahr 2018 hatte der sich nun auf 148 Millionen Euro mehr als verdreifacht. Das lag vor allem an den deutlich verbesserten Schadenmanagement, hier zeigte sich die Schaden-Kosten-Quote von 96 Prozent auf 92,3 Prozent deutlich verbessert.

    Rückversicherung bleibt Kerngeschäft

    An dritter Stelle in der Gehaltsrangliste der Munich Re-Vorstände steht Rückversicherungschef Torsten Jeworrek. Er brachte es auf Gesamtbezüge von knapp 3,3 Millionen Euro nach über drei Millionen Euro im Jahr 2018. Auch bei ihm waren ein höherer Jahresbonus sowie die bessere Mehrjahresperformance dafür verantwortlich.

    Die Rückversicherung ist nach wie vor das Kerngeschäft der Munich Re. Gerade hier machen sich Großschäden besonders in der Bilanz bemerkbar. Waren es in der Vergangenheit vor allem schwere Wirbelstürme und Waldbrände, so dürfte im laufenden Jahr das Coronavirus deutliche Spuren in der Bilanz hinterlassen. „Je stärker sich die Viruswelle ausweitet, desto stärker könnte auch Munich Re betroffen sein", heißt es nun im Geschäftsbericht.

    Im schlimmsten Fall könnte die Pandemie den Konzern in der Lebens- und Gesundheits-Rückversicherung maximal 1,4 Milliarden Euro kosten. Das hatte Rückversicherungsvorstand Jeworrek bereits Ende Februar bei der Bilanzpressekonferenz angekündigt. Allerdings müsste dann der Katastrophenfall von Hunderttausenden von Toten weltweit eintreten.

    Auch bei Großveranstaltungen drohe durch deren Ausfall ein mittlerer bis hoher dreistelliger Millionenbetrag für die Schaden- und Unfallsparte. Auch von einer möglichen Absage der Olympischen Sommerspiele im August in Tokio wäre Munich Re betroffen. Generell wären die Summen für den Rückversicherer aber gut zu stemmen.

    Das gilt auch für die Schäden bei Industriekunden. Von ihnen sind nur wenige bei der Munich Re gegen eine weltweite Pandemie versichert. Eine vor geraumer Zeit speziell geschaffene Einheit mit dem Namen Epidemic Risk Solutions war laut Jeworrek vor Ausbruch der Corona-Pandemie nicht auf großes Interesse bei Kunden gestoßen. Das sei jetzt anders, allerdings lasse sich die jetzige Krankheitswelle nicht mehr in neue Policen aufnehmen.

    Coronavirus bedroht Anlageportfolio

    Konsequenzen könnte das Coronavirus auch für das mehr als 230 Milliarden Euro schwere Anlageportfolio der Munich Re haben. Zwar hielten sich die Auswirkungen auf das Ergebnis bisher in Grenzen, heißt es im Geschäftsbericht. Sollte es jedoch zu noch schwerwiegenderen Verwerfungen an den Kapitalmärkten komme, müsse mit größeren Folgen für das Ergebnis gerechnet werden. Derzeit gehe der Konzern aber nicht von einer weltweiten Rezession in diesem Jahr aus.

    Mit dem Briten Nicholas Gartside hatte die Munich Re im vergangenen Jahr extra einen Spezialisten für die Vermögensverwaltung geholt und damit das Vorstandsgremium auf neun Personen erweitert. Das zeigte in der Bilanz für 2019 bereits erste positive Ergebnisse. Das Kapitalanlageergebnis stieg auf 7,7 Milliarden Euro, nach 6,5 Milliarden Euro im Jahr 2018.

    Dazu trugen jedoch auch Veräußerungsgewinne bei, die Verzinsung bei der Neuanlage betrug lediglich noch magere 2,1 Prozent. Nach den jüngsten Zinssenkungen der großen Notenbanken rechnen Analysten damit, dass ein solches Ergebnis in diesem Jahr wohl kaum mehr zu erreichen ist.

    Mehr: Allianz, Munich Re und Hannover Rück - Krisenanker oder Geldvernichter?

    Startseite
    0 Kommentare zu "Rückversicherer: Ergo-Chef Rieß verdient mehr als Munich-Re-Chef Wenning "

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%