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Rückversicherer Munich Re im Bilanzcheck: Wie sich die Coronakrise auf den Dax-Konzern auswirkt

Der Rückversicherer hatte zurück in die Spur gefunden. Doch die wirtschaftlichen Folgen der Krise verdüstern den Ausblick von Munich Re. Die Dividende soll bleiben.
28.04.2020 - 13:06 Uhr Kommentieren
Die Coronakrise macht Pläne des CEO zunichte. Quelle: imago images/Sven Simon
Joachim Wenning, Vorstandsvorsitzender der Munich Re

Die Coronakrise macht Pläne des CEO zunichte.

(Foto: imago images/Sven Simon)

München, Frankfurt Es wird eine Hauptversammlung, wie es in der 140-Jährigen Geschichte des Rückversicherers bisher keine gab. Ursprünglich hatte Munich Re das weite Rund der Münchener Messehallen für das diesjährige Aktionärstreffen vorgesehen, zu dem sich in der Regel rund 3.000 Anleger einfinden.

Doch nun wird sich das Management um Vorstandschef Joachim Wenning am Mittwoch in einem Beratungszimmer in der von Jugendstil und Klassizismus geprägten Zentrale des Dax-Konzerns vor eine Videokamera setzen - und die eingereichten Fragen der Aktionäre im Livestream beantworten.

Der Konzern macht damit von der gesetzlichen Neuregelung Gebrauch, das Aktionärstreffen zur Vermeidung einer großen Anzahl von Menschen als virtuelle Hauptversammlung abzuhalten. Damit soll vor allem sichergestellt werden, dass die Munich Re - wie ursprünglich geplant - ihren Dividendenvorschlag beschließen kann, der für viele Anleger große Bedeutung hat. Denn die Münchener wollen für das abgelaufene Geschäftsjahr die im Dax mit Abstand höchste Einzeldividende ausschütten: 9,80 Euro je Aktie.

Die Munich Re möchte so ihre Aktionäre an einem Geschäftsjahr teilhaben lassen, in dem der Rückversicherer erneut seinen Gewinn deutlich steigern konnte. So übertrafen die Münchener ihre Erwartungen trotz teurer Naturkatastrophen im vergangenen Jahr und hielten das Unternehmen das zweite Jahr in Folge auf Wachstumskurs, nachdem zuvor lange Zeit das Ergebnis erodiert war.

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    Der Nettogewinn stieg im abgelaufenen Jahr auf 2,7 (2018: 2,3) Milliarden Euro und lag damit über den angepeilten 2,5 Milliarden Euro. „Auf unserem Weg, Munich Re profitabler, schlanker und digitaler zu machen, sind wir 2019 einen großen Schritt vorangekommen“, betonte Vorstandschef Wenning bei der Vorlage der Zahlen im Februar.

    Bedenken wegen Coronakrise

    Die meisten Anleger, die am Mittwoch über das Internet das virtuelle Aktionärstreffen des Dax-Konzerns verfolgen, werden den Ziffern für das abgelaufene Jahr jedoch wohl keine große Aufmerksamkeit beimessen.

    Sie dürfte ein anderes Thema dagegen brennend interessieren. Wie gut ist der Konzern für die Coronakrise gewappnet? Und kann sich das Unternehmen die Anhebung der Ausschüttung von 9,25 auf 9,80 Euro je Aktie überhaupt noch leisten?
    Wie groß die Bedenken sind, zeigte sich jüngst, als die europäische Versicherungsaufsicht Eiopa die Assekuranzen in Europa generell aufforderte, eine Pause bei Dividenden und Aktienrückkäufen einzulegen.

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    Doch die deutsche Finanzaufsicht Bafin, die für diese Frage in Deutschland zuständig ist, machte nach Gesprächen mit der Munich Re schließlich den Weg für die Ausschüttung frei. Bei der Frage, ob es eine Dividende gebe und, wenn ja, wie hoch sie ausfalle, müssten die Versicherer und ihre Risikotragfähigkeit individuell betrachtet werden, begründete Bafin-Exekutivdirektor Frank Grund den Schritt.

    Wie solide ist also die Finanzlage der Munich Re? In einem Bilanzcheck versucht das Handelsblatt im Folgenden, erste Hinweise auf diese wichtige Frage zu finden. Die Bilanzziffern beziehen sich zwar dabei jeweils auf das abgelaufene Geschäftsjahr. Dennoch lassen sich auf dieser Grundlage erste Erkenntnisse über die finanzielle Stabilität und Kraft des Unternehmens ableiten, das wegen der Coronakrise seine bisherige Gewinnprognose von 2,8 Milliarden Euro für das laufende Jahr bereits über Bord geworfen hat.

    So ist eine entscheidende Richtgröße für die finanzielle Stabilität der Versicherer seit der Einführung des neuen Regelwerks Solvency II die sogenannte Solvabilitätsquote. Die Quote gibt dabei an, wie das Verhältnis zwischen Eigenmitteln und Risiko ausfällt, 100 Prozent ist in diesem Fall das Minimum. Sie gilt allgemein als ein Gradmesser für die finanzielle Wetterfestigkeit.

    Quote bleibt im „komfortablen Bereich“

    Bei der Munich Re lag diese Solvabilitätsquote mit 237 Prozent auf sehr gutem Niveau, was finanzielle Flexibilität gibt. Zum Vergleich: Die Hannover Rück brachte es 2019 auf eine Solvabilitätsquote von 252 Prozent, der Schweizer Rivale Swiss Re auf 251 Prozent.

    Auch der Corona-Schock hat daran nichts grundlegend geändert. Trotz der voraussichtlichen Abschreibungen auf Investments in Aktien und Anleihen als Folge der Talfahrt an den Kapitalmärkten bewege sich die Solvabilitätsquote „im komfortablen Bereich zwischen 175 und 220 Prozent“, wie der Konzern mitteilte, als er Mitte April die Prognose für das laufende Jahr kassierte.

    Denn die Munich Re verfügt als großer Rückversicherer über beträchtliche Kapitalreserven. Konzerne wie Munich Re springen nämlich ein, wenn es für die Kunden mal richtig teuer wird. Der Spezialist arbeitet quasi als die Versicherung der Versicherer.
    So deckt Munich Re weltweit die Schadensrisiken von mehr als 5000 Assekuranzen gegen Großschäden ab. Die Finanzstärke des Rückversicherers ist vor diesem Hintergrund ein wichtiger Wettbewerbsfaktor.

    So hatte das Traditionshaus Ende 2019 zum Bilanzwert mehr als 228 Milliarden Euro Kapital an den Märkten angelegt - und verfügt damit über ein dickes Finanzpolster. Gut die Hälfte des Zinsträger-Portfolios ist dabei – auch wegen der strengen Auflagen bei der Geldanlage für Versicherer – in festverzinslichen Papieren angelegt. Die Aktienquote belief sich im abgelaufenen Jahr lediglich auf 6,4 Prozent. Die Einbrüche am Aktienmarkt treffen den Konzern deshalb unterdurchschnittlich.

    Dennoch ist der Konzern gegen die Auswirkungen von Corona nicht immun. Die Verschiebung der Olympischen Spiele in Tokio wegen der Lungenkrankheit und die Absage anderer Großveranstaltungen bringen den Rückversicherer dieses Jahr operativ aus der Spur.

    Im ersten Quartal werde nur ein niedriger dreistelliger Millionenbetrag als Gewinn übrig bleiben, verkündete der Konzern bereits. Im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen noch 633 Millionen Euro verdient. Die 2,8 Milliarden Euro Gewinn, die sich der Konzern für das Gesamtjahr 2020 vorgenommen hatte, seien nicht mehr zu erreichen. Auch das Ende Februar angekündigte Aktienrückkaufprogramm über eine Milliarde Euro wurde ausgesetzt.

    „Je stärker sich die Viruswelle ausbreitet, desto stärker könnte auch die Munich Re betroffen sein“, warnte das Unternehmen im Geschäftsbericht. Allein in der Schadens- und Unfallsparte drohe insgesamt ein mittlerer bis hoher dreistelliger Millionenbetrag an finanzieller Belastung, vor allem, weil viele Großveranstaltungen ausfallen. An der Police der Olympischen Spiele ist der Versicherer beispielsweise mit einer dreistelligen Millionensumme beteiligt.

    Auswirkungen der Krise weiter unsicher

    In der Lebens-Rückversicherung könnte sich der Schaden auf maximal 1,5 Milliarden Euro belaufen, sagte Vorstand Torsten Jeworrek im Februar. Dafür müsste die Zahl der Corona-Toten jedoch Größenordnungen erreichen wie einst bei der Spanischen Grippe, an der Millionen Menschen starben.

    Was bedeutet das unter dem Strich? Die Auswirkungen der Coronakrise auf die Kapitalanlagen und auf das Versicherungsgeschäft des Konzerns sind weiterhin unsicher. Munich Re ist indes mit einer starken Bilanz gut aufgestellt, um die gegenwärtige Krise zu meistern. Die Coronakrise wird die Munich Re zwar in der Lebens(rück)versicherung, in Schaden/Unfall und insbesondere über die Kapitalanlagen treffen.

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    Aber sowohl in der Rückversicherung als auch bei der Düsseldorfer Erstversicherungstochter Ergo war der Rückversicherer bis vor der Krise auf gutem Kurs unterwegs.

    Die Kapitalausstattung der Münchener hat sich zwar wegen der Pandemie verschlechtert. Sie ist aber noch immer sehr gut. Daher kann sich Munich Re auch künftig eine hohe Dividende leisten, was für viele Anleger wichtig ist. Denn die Munich Re gehört zu den Dividenden-Aristokraten im Dax, die beständig ihre Investoren mit hohen Ausschüttungen umgarnen. Seit 1969 wurde die Ausschüttung nicht mehr gekürzt, sondern regelmäßig erhöht.

    Die Investoren goutieren das. Die Aktie der Munich Re ist zwar inzwischen weit von ihrem Mehrjahres-Hoch bei 282,60 Euro aus dem Februar dieses Jahres entfernt. Aber nach einem Sturz bis auf 147 Euro hat sich das Papier inzwischen etwas erholt und bewegt sich wieder um die Kurslinie von 200 Euro.

    Vorstandschef Wenning ist zumindest von der Perspektive des Konzerns überzeugt. Mitten im Absturz im Monat März kaufte er für mehr als eine halbe Million Euro Aktien des eigenen Unternehmens. Ein Treuebekenntnis, das sich für den Topmanager bereits gelohnt hat: Sein Investment liegt inzwischen mit mehr als 150.000 Euro im Plus.

    Die übrigen Aktionäre dürften hoffen, dass Wenning in diesem Jahr operativ ein ähnlich sicheres Händchen beweist.

    Mehr: Versicherer rufen nach staatlicher Hilfe.

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