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Rückversicherer Munich Re übertrifft ihr Gewinnziel 2019 trotz teurer Großschäden

Dank lukrativer Finanzgeschäfte und Währungsgewinne kletterte der Überschuss des Rückversicherers deutlich. Das Unternehmen will die Dividende erhöhen.
28.02.2020 Update: 28.02.2020 - 11:49 Uhr Kommentieren
Der weltgrößte Rückversicherer konnte die Erwartungen der Analysten übertreffen. Quelle: dpa
Die Statue „Walking Man“ vor der Zentrale der Munich Re in München

Der weltgrößte Rückversicherer konnte die Erwartungen der Analysten übertreffen.

(Foto: dpa)

Frankfurt Munich RE-Chef Joachim Wenning hatte im Herbst bereits die Erwartungen gebremst. Das vierte Quartal habe schadenhaltig begonnen, warnte er damals bereits. Den damaligen Trend bestätigte er am Freitag: „Das Quartal war außerordentlich durch Naturkatastrophen belastet.“

Die Monate von Oktober bis Dezember waren somit auch der Grund, warum das starke Wachstum der ersten drei Quartale im Schlussvierteljahr nicht durchgehalten werden konnte. Insgesamt hat die Munich Re im vergangenen Jahr einen Gewinn von 2,7 Milliarden Euro erzielt und damit 200 Millionen mehr als ursprünglich erwartet. Analysten hatten im Vorfeld ebenfalls mit einem Ergebnis in dieser Höhe gerechnet, obwohl nach neun Monaten bereits 2,49 Milliarden Euro erreicht waren.

Besonders das Schlussquartal zeigte damit einmal mehr, wie abhängig der Rückversicherer von der Entwicklung von Großschäden ist. So fiel in dieser Zeit die Belastung durch Großschäden von jeweils mehr als zehn Millionen Euro um zwei Drittel höher aus als im Vorjahreszeitraum. Einer Summe von 886 Millionen Euro aus dem Schlussquartal 2018 standen nun 1462 Milliarden Euro gegenüber.

Dabei ragten besonders die Schäden aus Naturkatastrophen heraus, die von 1,256 auf 2,053 Milliarden Euro anzogen. Besonders teuer waren die Taifune „Hagibis“ mit einem Gesamtschaden von 780 Millionen Euro und „Faxai“ mit 530 Millionen Euro.

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    Für Rückversicherer bedeuten solche Großschäden aber auch stets die Aussicht auf höhere Prämien in der Zukunft. Davon gehen sie nun auch bei der Munich Re aus. In der Karibik oder auch in der Luft- und Raumfahrt, wo es zuletzt zu größeren Belastungen kam, stiegen die Preise. In Europa, aber auch in Asien außerhalb von Japan blieben die Preise zuletzt dagegen konstant.

    Insgesamt haben die Münchener in der jüngsten Erneuerungsrunde im Januar ihr gezeichnetes Geschäft um 4,4 Prozent auf 10,6 Milliarden Euro gesteigert. Bei den nun anstehenden Erneuerungsrunden im April und Juli dürfte sich das Marktumfeld weiter verbessern, erwartet das Mangement um Konzernchef Wenning. Dann stehen viele Verträge in Japan zur Verlängerung an.

    Schaden-/Unfallsegment entwickelt sich auffallend positiv

    Deutlich zugelegt hat im Schlussquartal dagegen noch einmal die Erstversicherungstochter Ergo. Hier stieg der Gewinn im Gesamtjahr auf 440 Millionen Euro, im Vorjahr standen an dieser Stelle 412 Millionen Euro. Lange war nicht klar, ob diese Zahl wieder erreicht werden kann, nachdem nach drei Quartalen sogar ein leichter Gewinnrückgang auf 339 Millionen Euro zu Buche stand.

    Auffallend positiv hat sich jedoch das deutsche Schaden-/Unfallsegment entwickelt. Nach einem Gewinn von 45 Millionen Euro im Jahr 2018 hatte der sich nun auf 148 Millionen Euro mehr als verdreifacht. Das lag vor allem am deutlich verbesserten Schadenmanagement, hier zeigte sich die Schaden-Kosten-Quote von 96 Prozent auf 92,3 Prozent deutlich verbessert.

    Lange galt der Erstversicherer als Sanierungsfall. Ein fünfjähriges Restrukturierungsprogramm, das der damals neue Vorstandschef Markus Rieß bei seinem Amtsantritt einleitete und das jetzt in sein letztes Jahr geht, zeigt nur aber die erhofften Erfolge. „Unsere Produktivität ist heute größer als in den vergangenen zwölf Jahren“, sagt der Ergo-Chef jetzt.

    Ein wesentlicher Grund dafür ist seiner Ansicht nach, dass alle wesentlichen Produkte vereinfacht und verschlankt wurden. Auch neue Geschäftsbereiche wie der Online-Versicherer Nexible, der bei seinem Start vor über zwei Jahren schwer in Tritt kam, haben inzwischen 62.000 Policen und damit 23 Prozent mehr als ein Jahr davor.

    Zuwachs durch Veräußerungsgewinne

    Spürbar höher fällt trotz anhaltender Niedrigzinsen das Kapitalanlageergebnis aus. Das lag im vergangenen Jahr bei 7,737 Milliarden Euro, nach 6,526 Milliarden Euro ein Jahr davor. Im vergangenen Jahr hatte die Munich Re dazu mit Nicholas Gartside extra den Vorstand um die Position für Vermögensverwaltung erweitert. Das zeigt nun erste Ergebnisse. Das Kapitalanlageergebnis von 3,2 Prozent ist solide, 2018 waren es nur 2,8 Prozent. Der jüngste Zuwachs kam jedoch vor allem durch Veräußerungsgewinne.

    Bei der Wiederanlage bleiben die Renditen jedoch weiter unter Druck. Sie liegen bei mageren 2,1 Prozent. „Wir können uns nicht freimachen von Niedrigzinsen“, sagte Finanzvorstand Christoph Jurecka. Man versuche deswegen zu diversifizieren und setze konsequent auf Derivate. Zwar ist der größte Teil des Portfolios von aktuell über 228 Milliarden Euro noch immer in festverzinslichen Wertpapieren angelegt, die Aktienquote wurde im vergangenen Jahr aber auf 6,4 Prozent von zuvor 5,2 Prozent aufgestockt.

    Wenig überraschend ist, dass wegen der guten Zahlen die Dividende weiter ansteigt. Bei der Munich Re hat das seit Jahrzehnten Tradition. Diesmal sollen 9,80 Euro je Aktie ausgeschüttet werden und damit 55 Cent mehr als ein Jahr davor. Analysten hatten im Vorfeld im Schnitt mit 9,70 Euro je Aktie gerechnet. Optimisten gingen gar erstmals von einer zweistelligen Ausschüttung aus. Die dürfte dann bei anhaltend guter Geschäftsentwicklung im kommenden Jahr folgen, erwarten die Experten. Für das laufende Jahr erwartet die Munich Re einen Gewinn von 2,8 Milliarden Euro.

    Die Blicke der Investoren richten sich bereits auf den Investorentag am 8. Dezember. Dann will der Konzern seine neue Mehrjahresstrategie vorstellen. Im Moment erarbeiten hier die einzelnen Bereiche Strategien, die dann bis zum Herbst schrittweise verfeinert werden. Am Freitag wollte Vorstandschef Joachim Wenning dazu nicht mal grobe Details nennen.

    Entwicklung des Coronavirus entscheidend

    Ohnehin steht momentan auch bei Munich Re vieles unter dem Vorbehalt, wie sich das Coronavirus ausbreiten wird und welche Konsequenzen sich daraus für das eigene Geschäft ergeben. Erst am Vormittag war bekannt geworden, dass beispielsweise in der Schweiz alle Großveranstaltungen abgesagt wurden, auch der Genfer Automobilsalon.

    Vorstand Torsten Jeworrek stellte klar: „Pandemien sind bei Veranstaltungsausfall nicht automatisch gedeckt.“ Das hänge vom Einzelfall ab, ob die Police entsprechende Absicherungen einschließt. In Asien gebe es bisher einige versicherte kleine und mittlere Veranstaltungen, bei denen der Schaden aber lediglich im einstelligen Millionenbereich ausfällt.

    Bei den Olympischen Spielen im August in Tokio sei man als Versicherer zwar mit dabei, über einen Ausfall sei es jedoch noch zu früh zu spekulieren. Generell erwartet die Munich Re jedoch im Moment keine großen Belastungen durch das Coronavirus. „Wir haben seit zwei bis drei Jahren versucht, Pandemiedeckungen zu verkaufen. Da war nicht viel Nachfrage“, sagte Jeworrek.

    Mehr: Wie Munich Re den Jahresgewinn auf drei Milliarden Euro steigern will.

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