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Rückversicherer Rendite für 255 Mrd gesucht: Neuer Investmentchef bei Munich Re

Seit März ist Nicholas Gartside als Chief Investment Officer bei der Munich Re an Bord. Sein Job: Das Riesen-Portfolio auf Rendite trimmen.
09.12.2019 - 14:08 Uhr Kommentieren
Munich Re: Neuer Investmentchef Gartside verantwortet Milliardenportfolio  Quelle: PR
Nicholas Gartside

Der ehemalige JP-Morgan-Manager ist jetzt CIO bei Munich Re.

(Foto: PR)

München Nicholas J. Gartside hat eine gewaltige Aufgabe. Ein Portfolio von rund 255 Milliarden Euro muss der neue oberste Vermögensverwalter der Munich Re managen.

Seit dem 18. März trägt der 44-Brite den offiziellen Titel „Chief Investment Officer“ beim Münchener Rückversicherer. Der Vorstand des Dax-Konzerns wurde dafür von acht auf neun Personen erweitert. Bis dahin hatte man den Investment-Bereich unter mehreren Vorstandsressorts aufgeteilt.

Am vorigen Donnerstag hat sich Gartside zum ersten Mal den Medien in seiner neuen Rolle präsentiert. Er hat dargelegt, wie er den Spagat zwischen Sicherheit und Rendite schaffen will. Und wie er das gewaltige Portfolio fit machen will für die Zukunft, in der die Anleger auch vermehrt ökologische und soziale Anforderungen an die Anlagepolitik eines Großinvestors stellen.

„Im Moment bewegen allerdings besonders der Handelskrieg und die Zentralbanken die Märkte“, antwortet Gartside darauf in feinstem Oxford-Englisch. Das dürfte auch im kommenden Jahr so weitergehen.

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    Die deutsche Sprache übt der Brite zwar fleißig, seitdem er in München lebt. Geht es um die Feinheiten der Anlagepolitik, zieht er sich jedoch lieber in seine Heimatsprache zurück.

    Gartside gilt als Spezialist für festverzinsliche Wertpapiere. Gerade in diesen Bereich investiert die Munich Re traditionell das meiste Geld. 213 Milliarden Euro vom Gesamtportfolio von insgesamt 255 Milliarden Euro sind in diesem Bereich angelegt.

    In seinen vorherigen Positionen bei den Investmenthäusern JP Morgan, Schroder, Merrill Lynch und Blackrock galt Gartside als ausgewiesener Experte auf diesem Gebiet. Genau deswegen haben sie ihn nach München geholt.

    Das milliardenschwere Portfolio der Munich Re erfordert tendenziell eine konservative Ausrichtung. Was in Zeiten, in denen die Zinsen seit fast einem Jahrzehnt auf niedrigem Niveau verharren, besonders herausfordernd ist.

    Erste Ergebnisse in der Bilanz

    In den knapp neun Monaten, in denen er inzwischen an Bord ist, hat Gartside aber bereits einiges bewegt. Das Portfolio wurde diversifiziert. Die Struktur wurde komplexer.

    Ein besonderes Augenmerk lag auf illiquiden Investments aus dem Infrastrukturbereich, aber auch in den Segmenten Private Equity, Immobilien und Rohstoffe. Deren Anteil am Gesamtportfolio liegt inzwischen bei zehn Prozent.

    In der Bilanz der Munich Re sind erste Ergebnisse bereits erkennbar. Im dritten Quartal erwirtschaftete der Rückversicherer ein Kapitalanlageergebnis von 2,131 Milliarden Euro, ein Jahr davor waren es rund 800 Millionen Euro weniger. An Rendite wurde diesmal 3,4 Prozent erzielt, vor einem Jahr waren es noch 2,8 Prozent.

    Für Gartside ist das ein erster Erfolg, auch wenn er betont, dass sein Job nicht von Renditevorgaben abhängt. Solche Vorgaben, wie sie andernorts durchaus vorkommen, dürfte auch schwer umzusetzen sein.

    Geht der Brite, der in Worrington zwischen Liverpool und Manchester aufgewachsen ist, doch davon aus, dass die Herausforderungen für Großinvestoren wie die Munich Re in Zukunft weiteraus größer sein werden als derzeit schon.

    Denn während die Branche im Moment noch im Schnitt mit Renditen von rund 1,5 Prozent rechnen kann, geht Gartside künftig von Schwankungen aus, die auch zwischen minus eins und plus zwei Prozent ausfallen können.

    Hinzu kommen neue strukturierte und hochkomplexe Produkte. Sie dienen zur Absicherung wie als Renditetreiber. „Die Komplexität der Risiken wird sehr viel größer“ so Gartside.

    Allerdings erfüllt der Brite schon nach einem knappen Dreivierteljahr im Amt die Erwartungen, die besonders Konzernchef Joachim Wenning in ihn gesetzt hat. Die Optimierung des Rendite-Risiko-Profils im Portfolio der Munich Re war das Ziel, als die Personalie zu Beginn dieses Jahres bekannt wurde.

    Gartside hat dafür einiges umgeschichtet. Im Bereich Anleihen hat der Dax-Konzern seither den Anteil an Unternehmensanleihen erhöht, ebenso wurde die Aktienquote hochgefahren. Lag die zum Jahreswechsel noch bei 5,2 Prozent des gesamten Anlageportfolios, so waren es neun Monate später 6,1 Prozent.

    Auch wagt der Rückversicherer nun mehr über Derivate, die auf Annahmen zu künftigen Kursentwicklungen basieren. Wurden dabei vor einem Jahr 56 Millionen Euro erzielt, so hat sich der Anteil seither auf 121 Millionen Euro beinahe verdoppelt. „Vor allem die taktische Asset Allokation wollen wir stärken“ sagt Gartside dazu.

    Dass hierbei weitere Anstrengungen nötig sind, ist offensichtlich. Jedes festverzinsliche Wertpapier, das ausläuft, kann heute nicht mehr zu dem Zins angelegt werden wie dies noch vor Jahren beim Kauf der Fall war.

    Bei bescheidenen 2,1 Prozent lag die Wiederanlagerendite der Munich Re zuletzt. Für Gartside ist das kein Anlass zur Sorge: „Niedrige Zinsen bedeuten keine Stagnation und machen uns deshalb auch keine Sorgen..“. Anders sieht es bei negativen Zinsen aus, die in diesen Jahren vielerorts zu beobachten waren. Dann werde es auch mit einer vernünftigen Asset Allokation schwer.

    Der richtige Zeitpunkt entscheidet

    Überall lastet somit großer Druck auf den Investoren. Zumal die Aussicht auf eine Zinswende bei den Notenbanken gering ist. „Es herrscht eine regelrechte Jagd von einer zur nächsten Kapitalanlage“, sagte Munich Re-Chef Joachim Wenning erst vor wenigen Tagen.

    Das gilt auch für den Bereich Infrastruktur, in dem die Münchener über ihre Tochter MEAG zuletzt in Energienetze, Autobahnabschnitte oder Parkhäuser investiert haben.

    „Hier würden wir gerne mehr machen, aber das wäre zu riskant", sagt Gartside. Weil die Nachfrage das Angebot bei weitem übertrifft, steigen die Preise.

    Gartside will das Thema dennoch verstärkt angehen. Auch wenn die Konkurrenz in diesem Segment groß ist und die Preise vielerorts als teuer gelten. „Generell sind illiquide Anlagen wie Infrastruktur leichter zu managen als liquide Papiere wie Anleihen und Aktien“, so Gartside. Es gehe nur darum, den richtigen Zeitpunkt zum Einstieg zu finden.

    Positiv reagiert hat bereits auch die Aktie der Munich Re auf die jüngsten Entwicklungen. Mehr als ein Drittel hat der Kurs seit Jahresbeginn zugelegt und gehört damit bislang zu den erfolgreichsten Dax-Werten in diesem Jahr.

    Mehr: Die Aktie des Rückversicherers Munich Re gehört in diesem Jahr zu den erfolgreichsten Dax-Werten. Doch welches Potenzial steckt noch in dem Papier?

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