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Solvenzberichte Versicherer überschütten ihre Kunden mit Infos

Bis zum 22. Mai diesen Jahres müssen Versicherungsunternehmen erstmalig sogenannte Solvenzberichte vorlegen. Einige Werke gibt es bereits – sie sprengen laut Verbraucherschutz den für Kunden zumutbaren Umfang.
19.05.2017 - 14:31 Uhr Kommentieren
Der Versicherer HUK-Coburg veröffentlichte für jedes seiner Töchter mehr als 100 Seiten. Quelle: dpa
HUK-Coburg

Der Versicherer HUK-Coburg veröffentlichte für jedes seiner Töchter mehr als 100 Seiten.

(Foto: dpa)

München/Frankfurt Die Versicherungsbranche macht es Kunden nicht leicht: Nachdem die ersten Unternehmen ihre Berichte zur Finanzlage und Krisenfestigkeit vorgelegt haben, sehen Verbraucherschützer in den Veröffentlichungen wenig Gewinn für die Kunden. „Der direkte Nutzen ist nicht sehr groß“, sagte Versicherungsexperte Peter Grieble von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg am Freitag auf Anfrage.

Europas Versicherer müssen die Öffentlichkeit erstmals darüber informieren, ob sie Extremereignissen wie massiven Kursturbulenzen an den Kapitalmärkten oder dramatischen Naturkatastrophen gewachsen sind. Bis spätestens 22. Mai müssen die sogenannten Solvenzberichte im Internet veröffentlicht werden.

Diese Versicherer sind systemrelevant
Aegon
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Insgesamt stuft der Financial Stability Board weltweit neun Versicherer als systemrelevant ein. Weil sich das FSB nicht dazu durchringen kann, auch Rückversicherer auf die Liste setzen, sucht man die Namen von Branchengiganten wie Warren Buffetts Berkshire Hathaway oder Munich Re vergeblich. Das Board führt die Liste ohne spezielle Reihenfolge, dementsprechend sind die Assekuradeure alphabetisch geordnet. Den Anfang macht die niederländische Aegon. 1983 gegründet, verwaltet der Konzern aus Den Haag 477 Milliarden Dollar an Vermögen. (Quelle: Financial Stability Forum)

Allianz
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Die Allianz mit Hauptsitz in München ist der einzige deutsche Versicherungskonzern, den das Financial Stability Board als systemrelevant einstuft. Und das aus gutem Grund: Mit einem verwalteten Vermögen von 928 Milliarden US-Dollar ist der 1890 gegründete Konzern in mehr als 70 Ländern der Welt vertreten – und ist damit der zweitgrößte Versicherer Europas.

(Foto: Reuters)
AIG
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Die American International Group (AIG) wurde 1919 gegründet, hat ihren Sitz in New York und beschäftigt weltweit rund 66.000 Mitarbeiter. Aktien der AIG notieren an der NYSE in der Wall Street und in Tokio. Die Amerikaner managen 514 Milliarden Dollar.

(Foto: Reuters)
Aviva
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Gleich mehrere britische Konzerne gelten laut FSB als systemrelevant: Aviva, die bis 2002 noch CGNU hießen, gehören zu den fünf größten Erstversicherern der Welt. Aviva verfügt über ein Gesamtvermögen von 574 Milliarden Dollar und beschäftigt etwa 30.000 Mitarbeiter weltweit.

(Foto: AFP)
Axa
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Die Axa-Gruppe mit Sitz in Paris ist mit 166.000 Mitarbeitern in 64 Ländern der Welt vertreten und knackt mit einem Gesamtvermögen von 1022 Milliarden Dollar die Billionen-Schallmauer. Axa hat mehr als 100 Millionen Kunden und gilt als größter Versicherungskonzern der Welt.

(Foto: AFP)
MetLife
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Der US-amerikanische Konzern Metropolitan Life Insurance Company, besser bekannt als MetLife, ist der größte Anbieter von Lebensversicherungen in den USA. Das Unternehmen wurde 1868 gegründet und beschäftigt etwa 70.000 Mitarbeiter. Laut aktuellem Quartalbericht kommen die New Yorker auf 952 Milliarden Dollar unter ihren Fittichen.

(Foto: AP)
Ping An Insurance
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Der chinesische Ping An Insurance ist der einzige als systemrelevant erachtete asiatische Versicherer. Ping An wurde 1988 gegründet und ist Hong Kong und Shanghai gelistet. Zu der Holding gehören verschiedene Unternehmen aus dem Dienstleistungssektor. Die Chinesen verzeichnen ein erfolgreiches Jahr mit starkem Wachstum, gemanagt werden knapp 690 Milliarden Dollar.

(Foto: Reuters)

Die ersten Unternehmen legten bereits vor dem Wochenende umfangreiches Material vor. Die Huk Coburg etwa veröffentlichte für jede ihrer Töchter mehr als 100 Seiten. Ähnlich umfassend war das Werk der Ergo Leben, die zum Rückversicherer Munich Re gehört. Die LVM Lebensversicherungs-AG kam mit 61 Seiten aus.

Die Veröffentlichungen sollen Aufsichtsbehörden, Maklern, Aktionären und Verbrauchern einen besseren Eindruck von der Finanzlage und der Widerstandskraft der Unternehmen verschaffen. „Selbst, wenn ich mich als Verbraucher interessiere, müsste ich für einen Vergleich mehrere Berichte lesen“, sagte Grieble. Das dürfte die wenigsten machen.

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    Allein in Deutschland müssen rund 350 Assekuranzen, die unter die strengeren europäischen Regeln (Solvency II) fallen, entsprechende Informationen veröffentlichen. Die Branche hat den aus ihrer Sicht hohen Aufwand kritisiert, der mit der Erstellung der künftig jährlichen Berichte verbunden ist.

    • dpa
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