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Studie Regeln für Provisionsdeckel laufen ins Leere

Ein Provisionsdeckel soll exzessiv hohe Provisionen bei Lebens- und Rentenversicherungen verhindern. Das Analysehaus Assekurata hat einmal nachgerechnet.
24.10.2019 - 17:57 Uhr Kommentieren
Im derzeitigen Zinstief suchen Lebensversicherer nach Produkten mit auskömmlichen Renditen bei moderatem Risiko. Quelle: dpa
Altersvorsorge

Im derzeitigen Zinstief suchen Lebensversicherer nach Produkten mit auskömmlichen Renditen bei moderatem Risiko.

(Foto: dpa)

Frankfurt Der Referentenentwurf für einen geplanten Provisionsdeckel gilt als umstritten. Eigentlich soll damit die Abschlussprovisionen bei Lebens- und Rentenversicherungen gekürzt werden. Eine aktuelle Studie gibt aber den Kritikern Recht.

Demnach könne eine solche Deckelung die verschwindend geringe Rendite in der Niedrigzinsphase „nicht ansatzweise kompensieren“. Zugleich werde die Wirkung des Provisionsdeckels auf die Rentenhöhe und Rendite von Versicherungsverträgen deutlich überschätzt, schreibt Studienautor Arndt von Eicken vom Analysehaus Assekurata, das die Studie im Auftrag des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) erstellt hat.

Im Zuge der anhaltenden Diskussionen um die extrem niedrigen Zinsen hatte das SPD-geführte Bundesfinanzministerium im Frühjahr 2019 den „Entwurf eines Gesetzes zur Deckelung der Abschlussprovisionen von Lebensversicherungen und von Restschuldversicherungen“ präsentiert.

Demnach soll der Deckel bei 25 Promille der summierten Beiträge während der Vertragslaufzeit liegen. Bei Nachweis qualitativer Kriterien in der Beratung kann er auf bis zu 40 Promille steigen.

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    Damit sollten exzessiv hohe Provisionen verhindert werden. Seit Sommer soll das Bundeskabinett über die Vorschläge beraten. Passiert ist bislang aber wenig. So spricht sich unter anderem die Arbeitsgruppe Finanzen der CDU/CSU-Bundestagsfraktion gegen einen Provisionsdeckel aus.

    Im derzeitigen Zinstief suchen Lebensversicherer nach Möglichkeiten, Kunden noch Produkte mit auskömmlichen Renditen bei moderatem Risiko anbieten zu können. Kosteneinsparungen kommt daher eine immer größere Bedeutung zu. Die Abschlussprovision beim Kauf des Produkts nehme dabei einen vermeintlich hohen Stellenwert ein, heißt es in der DIA-Studie.

    Nahezu keine Auswirkung von Provisionsdeckel?

    Ein gemeinsames Gutachten der Universität Hohenheim und des Instituts für Finanz- und Aktuarwissenschaften (ifa) Ulm kam aber bereits 2018 zu dem Ergebnis, dass ein Provisionsdeckel nahezu keine Auswirkung auf die Rendite eines Lebensversicherungsproduktes habe.

    Assekurata hat nun noch einmal nachgerechnet: Die Experten führten Modellrechnungen für die Rentenversicherungsprodukte Sofortrente, neue klassische Rente und indexgebundene Rente durch.

    Einmal wurde die Rentenhöhe für einen Provisionssatz von 40 Promille berechnet. Das entspreche in etwa der derzeitigen Höhe der Provisionen. Laut einer Bafin-Erhebung, auf die sich auch der Referentenentwurf beruft, leisteten die Versicherer für das Neugeschäft 2017 vertriebswegeübergreifend Abschlussprovisionen von durchschnittlich 37,74 Promille.

    In einer zweiten Berechnung ermittelten die Experten die Renten bei einer Provision von 25 Promille – der angedachten Höhe des Provisionsdeckels. Die Ergebnisse seien ernüchternd: Je nach Produkt fällt die monatliche Rente bei der niedrigeren Provision zwischen 4,86 Euro und 7,25 Euro höher aus. Der Renditeeffekt liegt lediglich zwischen 0,09 Prozent und 0,16 Prozent.

    Der Provisionsdeckel führe ohnehin ins Leere, heißt es in der Studie: Da weder die Stornoquoten noch die Beschwerdequoten Anlass dafür liefern, in großer Breite die Güte der Beratung zu beanstanden, sei davon auszugehen, dass die überwiegende Mehrzahl der Vermittler Anspruch auf eine Provision von bis zu 40 Promille hätte.

    Nicht zuletzt deshalb blockiert die Unionsfraktion das Gesetzesvorhaben. So habe die Arbeitsgruppe Finanzen ein Positionspapier vorgelegt, worin sie sich stattdessen für eine Stärkung der Rechte der Finanzaufsicht Bafin bei der Überwachung der Provisionshöhe einsetzt, berichtet „Fonds Professionell Online“. Eine Anfrage des Handelsblatts zu diesem Positionspapier ließ die CDU/CSU-Fraktion bislang unbeantwortet.

    Laut der DIA-Studie sollten Versicherungsnehmer, die eine höhere Rendite bei der Altersvorsorge wünschen, an anderen Stellen als der Provisionshöhe ansetzen.

    Vor allem Versicherungsverträge mit einem hohen Maß an Garantien weisen eine besonders geringe Rendite auf. Besser seien moderat chancenreichere Produkte wie fondsgebundene Rentenversicherungen.

    Mehr: Verbraucher unterschätzen oftmals die Provisionen für private Altersvorsorgeprodukte. Einer Umfrage zufolge wären viele aber bereit, Honorare statt Provisionen zu zahlen.

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