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Überschwemmungen Versicherungsbranche lehnt Pflichtversicherung gegen Elementarschäden ab

Viele Menschen in den Überschwemmungsgebieten wissen nicht, wie sie ihre Häuser wieder aufbauen sollen. Das hat die Debatte über eine Pflichtversicherung befeuert.
20.07.2021 Update: 20.07.2021 - 18:57 Uhr Kommentieren
Zahlreiche Menschen haben in den Fluten alles verloren. Quelle: dpa
Schäden nach Überschwemmungen

Zahlreiche Menschen haben in den Fluten alles verloren.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Nach der Hochwasserkatastrophe im Westen Deutschlands wird kontrovers über eine Pflichtversicherung gegen Elementarschäden diskutiert. Die Versicherungswirtschaft sträubt sich dagegen: „Eine Pflichtversicherung als singuläres Instrument gegen Elementarschäden lehnen wir ab“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Branchenverbandes GDV, Jörg Asmussen, dem „Spiegel“.

Eine solche Pflicht nehme Hausbesitzern und Unternehmen den Anreiz, gegen Flut- und andere Extremwetter-Risiken vorzusorgen. „Eine Pflichtversicherung kann am Ende nicht die Kosten der fehlenden Klimafolgenanpassung schultern“, sagte Asmussen. In Deutschland sind zwar fast alle Häuser gegen Sturm und Hagel versichert, nur 46 Prozent aber auch gegen Hochwasser und Starkregen.

Die Münchner Ökonomin Monika Schnitzer hält die Pflichtversicherung für sinnvoll, „wenn man verhindern will, dass manche auf eine solche Versicherung verzichten, im Vertrauen darauf, im Katastrophenfall Hilfe durch den Staat zu erhalten“, sagte das Mitglied des Sachverständigenrats der „Wirtschaftswoche“.

Allerdings müsse die Höhe der Prämien auf die Höhe der Risiken abgestimmt sein. „Wessen Haus und Grund stärker gefährdet sind, sollte höhere Prämien zahlen“, führte Schnitzer aus.

Als Elementarschäden gelten Schäden, die durch Naturereignisse wie Starkregen, Hochwasser oder Erdrutsche verursacht werden.

Klimachef der Munich Re gegen Pflichtversicherung

Auch der Präsident des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel, Gabriel Felbermayr, befürwortet eine privatwirtschaftlich organisierte Pflichtversicherung. „Diese müsste aber mit einem Selbstbehalt ausgestattet sein, damit die Anreize zum Selbstschutz aufrecht bleiben“, sagte er der Zeitschrift.

Die Prämien sollten „an die existierenden Risiken angepasst werden, wie das bei anderen Versicherungen auch der Fall ist“. Der Staat sollte in einer Übergangsphase helfen, wenn Besitzer von Häusern in Überschwemmungsgebieten plötzlich mit hohen Prämien konfrontiert würden.

Der Präsident des Ifo-Instituts, Clemens Fuest, sieht dagegen „keine hinreichende Begründung“ für eine Pflichtversicherung. Wenn sich die Politik trotzdem dafür entscheide, sollte sie „auf jeden Fall privat sein“, und es müsste „eine sehr hohe Selbstbeteiligung geben, damit die Fehlanreize, in hochwassergefährdeten Gebieten zu bauen, in Grenzen gehalten werden“.

Zuvor hatte der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) Hausbesitzern zwar eine Elementarschadenversicherung empfohlen, eine Pflichtversicherung aber als zu großen Eingriff in die Grundrechte abgelehnt. Vzbv-Vorstand Klaus Müller sprach sich für ein gesetzlich verankertes Prinzip der Allgefahrendeckung aus. „Damit hätten Verbraucher das Recht, dass beispielsweise ihre Häuser zunächst gegen alle Risiken abgesichert wären. Sie können aber auch einzelne Risiken abwählen“, erläuterte Müller.

Auch der Klimachef der Munich Re hat sich gegen eine Pflichtversicherung ausgesprochen. „Das ist kontraproduktiv, weil es die wahre Risikosituation verschleiert“, sagte er im Interview mit dem Handelsblatt. Der baden-württembergische Regierungschef Winfried Kretschmann kündigte am Dienstag an, sich bei der Ministerpräsidentenkonferenz im Herbst erneut für eine Pflichtversicherung einzusetzen.

Mehr: „Die Warninfrastruktur ist nicht unser Problem gewesen“ – Deutschlands oberster Katastrophenschützer verteidigt sich

  • rtr
  • dpa
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