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Versicherer Allianz im Bilanzcheck – Warum Konzernchef Bäte den Investoren mehr bieten muss als bisher

Europas größter Versicherer gilt als sicherer Hafen für Investoren. Aber der Konzern muss beweisen, dass seine neue Strategie wirklich Früchte trägt.
07.05.2019 - 04:17 Uhr Kommentieren
An den Kennziffern des Versicherers werden Aktionäre wenig auszusetzen haben. Quelle: imago/Sven Simon
Allianz-Flaggen

An den Kennziffern des Versicherers werden Aktionäre wenig auszusetzen haben.

(Foto: imago/Sven Simon)

München Wenn Konzernchef Oliver Bäte am Mittwoch in der Münchener Olympiahalle vor die Aktionäre tritt, werden die Anleger an den meisten Kennziffern wenig auszusetzen haben. 2018 hat die Allianz erneut einen Milliardengewinn in Rekordhöhe eingefahren. Auch die Dividende kletterte auf neue Höhen.

Dennoch dürfte sich die Euphorie der Anleger in Grenzen halten – und das liegt vor allem an einer Vergleichszahl: Am Aktienmarkt ist 2018 von den operativen Erfolgen des Münchener Dax-Konzerns kaum etwas zu sehen gewesen. Der Kurs der Allianz-Aktie notierte Ende Dezember gut zehn Prozent unter dem Wert von Anfang Januar.

Das Papier schloss damit praktisch auf Augenhöhe mit dem Branchenindex Stoxx Europe 600 Insurance. In den drei Vorjahren hatte Europas größter Versicherer den Index jedoch noch deutlich geschlagen. Bäte weiß also, dass er den Investoren mehr bieten muss als bisher. Eine neue Mehrjahresstrategie, die der Konzern Ende November erstmals präsentierte, soll den Dax-30-Konzern auf neue Höhen bringen.

Statt reiner Zahlenziele stellt das Management jetzt den Umbau des Versicherungsriesen in Richtung Digitalisierung, Internationalisierung und vor allem in Richtung einfacherer Produkte in den Vordergrund. „Simplicity wins“, zu Deutsch: Einfachheit gewinnt, nennt sich das neue Programm, das bis Ende 2021 umgesetzt sein soll.

Dadurch soll es auch mit dem Aktienkurs wieder nach oben gehen. Dass der im vergangenen Jahr im Minus endete, hat für Bäte einen nachvollziehbaren Grund. „Während sich unsere Kundenzufriedenheit und unser Wachstum verbessert haben, trat unsere Produktivität auf der Stelle.“ Das soll sich nun ändern.

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An finanziellen Möglichkeiten mangelt es dafür bei dem Versicherungskonzern nicht. Bei mehr als 11,5 Milliarden Euro lag das operative Ergebnis und damit erneut am oberen Ende der anvisierten Spanne von 11,1 Milliarden Euro plus oder minus 500 Millionen Euro. In absoluten Zahlen verdient unter den 30 Dax-Konzernen nur der Autobauer Volkswagen mehr.

Auch im Vergleich mit dem wichtigsten internationalen Konkurrenten schlägt sich die Allianz wacker. Die französische Axa musste im abgelaufenen Jahr einen Gewinneinbruch um rund zwei Drittel auf nur noch 2,1 Milliarden Euro hinnehmen. Allerdings hatte Axa-Chef Thomas Buberl im Jahr 2018 auch weit mehr die Gesamtstruktur des Hauses umgebaut als Bäte bei der Allianz. Das US-Geschäft wurde an die Börse gebracht, was zu Abschreibungen von drei Milliarden Euro führte.

Für noch viel mehr Aufsehen sorgte der Kauf des US-Versicherungsriesen XL Group für die gewaltige Summe von 15 Milliarden Dollar. Der hat nun auch gleich die Bilanz der Franzosen belastet. Führten doch die Schäden durch Waldbrände und Hurrikans zu hohen Kosten.

In der Summe hatte das den Axa-Kurs 2018 um mehr als ein Viertel einbrechen lassen. Entsprechend erscheint auch der Kursverlust von gut zehn Prozent in diesem Zeitraum bei der Allianz in einem anderen Licht.
Die Münchener haben teure Übernahmen bislang mit Verweis auf überhöhte Preisvorstellungen am Markt stets abgelehnt.

„Mit einer Großübernahme hat sich die Allianz nicht wirklich beschäftigt“, machte Bäte bei der Vorstellung der Zahlen im Februar deutlich. Das muss nicht zwangsläufig bedeuten, dass die Allianz bei einer günstigen Gelegenheit nicht doch zugreift. Immer wieder hatte Bäte gerade für die Sachversicherung betont, dass er sich hier an der einen oder anderen Stelle eine Verstärkung vorstellen könnte.

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Viel mehr Energie hat der Allianz-Chef stattdessen im vergangenen Jahr auf den Ausbau der Plattformstrategie gesetzt, über die er in Zukunft verstärkt seine Produkte verbreiten will. Mit JD.com, dem Amazon Chinas, dem ADAC und der Hypo-Vereinsbank wurden Vertriebspartnerschaften geknüpft, dazu gab es einen lang laufenden Werbevertrag mit dem Internationale Olympischen Komitee (IOC).

Doch der Fokus liegt in den nächsten Jahren eindeutig beim internen Umbau der Allianz. Produktiv, einfach und skalierbar soll alles werden. Speerspitze für die neuen Produkte soll ein neuer Direktversicherer werden, der Ende 2019 europaweit an den Start gehen soll. Die Direktversicherung unter dem Namen „Allianz Direct“ soll mit Kfz-Policen in Deutschland, den Niederlanden, Italien und Spanien starten. Weitere Länder sollen folgen.

Die Produktivitätsfortschritte durch neue, einfache Produkte und Kosteneinsparungen bei IT-Systemen sollen helfen, den Gewinn weiter zu steigern. Wie groß das angesprochene Potenzial ist, skizzierte Vorstandschef Bäte zugleich mit neuen Gewinnvorgaben: So soll die Allianz den Gewinn pro Aktie in den Jahren von 2019 bis 2021 um jeweils mehr als fünf Prozent steigern, davon vier Prozentpunkte organisch – also ohne Zukäufe.

Bäte legt die Messlatte damit allerdings nicht allzu hoch, was ein simpler Vergleich beweist: In den vergangenen drei Jahren stieg der Gewinn je Aktie im Schnitt um 6,2 Prozent. Auch für die Eigenkapitalrendite (RoE) ist die Latte nicht sehr hoch gehängt. Statt 13 Prozent wie bisher sollen es jetzt mindestens 13 Prozent sein. 2018 waren es 13,2 Prozent.

Größere Bedeutung als diese harten Zahlenziele werden Maßzahlen zur Kundenloyalität haben. Gemessen wird weiterhin anhand des Net Promoter Score (NPS). Mindestens 75 Prozent aller Geschäftseinheiten sollen Marktführer sein oder über dem Schnitt liegen. Das Ziel gab es schon, erreicht wurden zuletzt 74 Prozent.

Auch beim IMIX, dem internen Inclusive Meritocracy Index, hat die Allianz noch leichten Nachholbedarf. Damit wird die Leistung und Qualität der Mitarbeiterführung im Management gemessen, ebenso die Integrität. Bei mindestens 73 Prozent liegt die neue Zielgröße, nachdem es vorher 72 Prozent waren. Zuletzt wurden 71 Prozent erreicht.

Fehlen wird das fünfte Ziel des alten Strategieplans. Die Marke von hundert Prozent bei neuen digitalen Produkten wurde erreicht, hier ist keine Steigerung mehr möglich. Stattdessen nimmt sich der Versicherer künftig eine Solvency-II-Kapitalquote von mindestens 180 Prozent vor, die er indes in der Vergangenheit weit übertraf. Ende 2018 lag die Quote bei 229 Prozent, was Bäte mit dem Attribut „bärenstark“ quittierte.

Entscheidend wird für die Allianz in den kommenden Jahren aber sein, dass Bäte das angestrebte Wachstum realisieren und mit hoher Profitabilität kombinieren kann. Das ist durchaus kein Kinderspiel, da die Märkte in Europa stagnieren und die Allianz im wichtigen Wachstumsmarkt Asien bisher vergleichsweise unterrepräsentiert ist.

Die Prognosen sind allerdings so konservativ gesetzt, dass negative Überraschungen die Zielsetzungen nicht gleich sprengen werden. Zudem steht der Konzern operativ äußerst solide da. Auch hierbei hilft der Seitenblick zur Axa. So zeigen die absoluten Zahlen bei der Marktkapitalisierung und dem Gewinn weiterhin einen gewaltigen Abstand.

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Während die Allianz im vergangenen Jahr den operativen Profit um rund vier Prozent auf 11,568 Milliarden Euro steigern konnte und dabei den Gewinn je Aktie um 14,3 Prozent auf 17,43 Euro erhöhte, sank bei den Franzosen das Ergebnis je Aktie von 2,50 Euro im Jahr 2017 auf 0,79 Euro.

Dieser Abstand schlug sich auch am Aktienmarkt nieder. Während es die Allianz hier zum Jahreswechsel auf einen Börsenwert von rund 74,3 Milliarden Euro brachte, waren es bei Axa zu diesem Zeitpunkt lediglich 45,7 Milliarden Euro. Um den Vorsprung zu halten, müssen die Münchener vor allem in der Sach- und Unfallversicherung, dem größten Bereich im Konzern, die Trendwende verfestigen.

War dort 2017 der Gewinn noch um rund acht Prozent eingebrochen, so ging es im vergangenen Jahr mehr als 13 Prozent auf 5,725 Milliarden Euro nach oben. Dagegen ist im Bereich der Lebens- und Krankenversicherung der operative Gewinn 2018 um knapp sechs Prozent auf 4,152 Milliarden Euro zurückgegangen.

Die Niedrigzinsphase brachte geringere Margen aus Anlagen. Das dritte Segment, die Vermögensverwaltung mit den Töchtern Pimco und AGI, bekam im vierten Quartal Börsenturbulenzen zu spüren. Das Segment konnte 2018 den Gewinn dennoch um gut vier Prozent auf 2,53 Milliarden Euro steigern.

Zur Kurspflege setzt der Konzern zudem erneut ein Aktienrückkaufprogramm auf. Bis Ende 2019 sollen auf diese Weise weitere 1,5 Milliarden Euro an die Aktionäre fließen, was in der Regel dem Aktienkurs zugutekommt. „Wir sind kein Geldautomat“, betonte Bäte. „Aber wir werden Ihnen Geld zurückgeben, wenn wir es nicht ausgeben können.“ Ein Versprechen, auf das viele Investoren auch in Zukunft setzen.

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