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Versicherer Ideal-Chef Jacobus: „Wir sind nie dem Zug der Lemminge gefolgt“

Der Vorstandschef der Ideal Versicherung erklärt, wie sich die Berliner mithilfe von Immobilien erfolgreich gegen die Niedrigzinsen stemmen.
15.02.2020 - 16:02 Uhr Kommentieren
„Der Mietendeckel trifft uns natürlich.“
Rainer M. Jacobus

„Der Mietendeckel trifft uns natürlich.“

Frankfurt Die Berliner Ideal Versicherung in der Kochstraße zählt zu den kleineren Anbietern in Deutschland, die vergleichsweise wenig Aufhebens um sich machen. Außerhalb der Hauptstadt kennen viele Deutsche die Firma noch am ehesten als Sponsor der deutschen Bobsportler. Doch in einem Punkt hebt sich die Assekuranz seit mehreren Jahren von vielen Konkurrenten ab: sie bietet die mit Abstand höchste Überschussbeteiligung, schafft also die höchste Verzinsung auf den Sparanteil der Versicherten, wie gerade eine Studie der Ratingagentur Assekurata belegt. Im Gespräch mit dem Handelsblatt erklärt Ideal-Chef Rainer Jacobus, was die Assekuranz anders macht.

Herr Jacobus, haben Sie sich schon bei der EZB bedankt?
Wie bitte? Wofür denn, für die Negativzinsphase etwa? So weit kommt es noch…

Sie hätten aber Grund dafür. Die Lebensversicherungspolicen werfen wegen der Dauer-Niedrigzinsen in diesem Jahr wieder deutlich weniger ab. Nur die Ideal sticht da heraus und erhöhte vor zwei Jahren sogar die Überschussbeteiligung auf 3,3 Prozent. Wie schaffen Sie das?
Nun, wir setzen seit anderthalb Jahrzehnten auf eine antizyklische Kapitalanlagepolitik. Wir sind also nie dem Zug der Lemminge zur Klippe gefolgt und haben auf das gesetzt, was viele gekauft haben. So haben wir beispielsweise bereits ab Anfang 2003 Immobilien erworben, als viele andere Versicherungsunternehmen ihren Bestand reduziert haben. Ich war damals schon der vielleicht etwas altmodischen Überzeugung, dass Immobilien in gutem Zustand und guten Lagen nahezu immer laufende Erträge garantieren. Das ist für das Geschäftsmodell eines Lebensversicherers extrem wichtig.

Sie haben in ihrem Portfolio eine ungewöhnlich hohe Immobilien-Quote von 24 Prozent, während in der Branche eher vier bis fünf Prozent üblich sind. Denken Sie darüber nach, die Quote noch weiter aufzustocken?
Ja, wir können uns durchaus vorstellen, unsere Immobilienquote noch weiter aufzustocken. Denn wir haben einen relativ hohen Mittelzufluss, da wir – gemessen an der Größe des Unternehmens – relativ viel Neugeschäft machen. Es ist in den letzten beiden Jahren allerdings deutlich schwieriger geworden, bei Immobilien zu angemessenen Preisen noch zum Zug zu kommen.

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    Wie können Sie sich einen solch hohen Immobilienbestand leisten, wo doch Häuser und Wohnungen laut Regelwerk Solvency mit mehr Eigenkapital bei den Versicherern hinterlegt werden müssen als Staatspapiere?
    Ja, wir finden das mehr als merkwürdig, dass Immobilien stärker hinterlegt werden müssen als so manche toxische Staatsanleihe. Spätestens seit dem Teilausfall der Anleihe der verstaatlichten Hypo Alpe Adria, die plötzlich nicht mehr komplett bedient wurde, ist klar, dass bei Staatsanleihen einseitig die Regeln von dem Schuldner geändert werden können – das ist also alles andere als sicher. Aber wir haben inzwischen gut eine halbe Milliarde Euro an stillen Reserven in der Bilanz, was uns hilft, selbst einen möglichen Niedergang bei den Immobilienpreisen abzufedern.

    Ihr Immobilienbesitz liegt fast vollständig in der Hauptstadt, wo neuerdings eine Mietpreisbremse gilt. Werden das auch die Ideal und ihre Kunden in den kommenden Jahren zu spüren bekommen?
    Nun, der Mietendeckel trifft uns natürlich. Etwa ein Drittel unserer Immobilien sind Wohnhäuser. Wir rechnen damit, dass uns der Mietendeckel rund eine Million Euro kosten wird – das ist für uns verkraftbar. Wir sind allerdings überzeugt, dass der Mietendeckel verfassungswidrig ist.

    Sie haben vor der Finanzkrise in Berliner Immobilien investiert. Wie viel Glück war dabei?
    Wenn Sie einen Manager fragen, ob Glück dabei war, wird er stets verneinen. Aber um ehrlich zu sein, war natürlich auch eine Menge Glück dabei. Wir waren aber früh überzeugt, dass sich Berlin langfristig nicht völlig anders als London oder Paris entwickeln wird. Tatsache ist, dass Hauptstädte in Europa eine enorme Sogwirkung haben – und der Markt in Berlin war damals schlicht günstig.

    Haben Sie keine Angst, dass Sie eine Zinswende der EZB auf dem falschen Fuß erwischen könnte?
    Ach, wissen Sie: Selbst wenn die Zinsen wieder steigen, werden die laufenden Erträge nicht gleich rapide sinken, wenn die Immobilien voll vermietet sind. Das könnte höchstens die stillen Reserven zusammenschmelzen lassen – aber dann ist das halt so. Ehrlich gesagt, wir wären sogar froh, wenn die EZB mal langsam die Wende einläuten würde. Diese anhaltenden Niedrigzinsen bergen enorme Risiken.

    Die Allianz verkauft heute fast nur noch neue Policen, die lediglich eine Garantie bieten, dass das eingezahlte Geld am Ende der Laufzeit zurückgezahlt wird. Denken Sie auch über mehr solche Produkte der sogenannten neuen Klassik nach?
    Nein, wir setzen allein auf klassische Garantieprodukte. Wir sind zutiefst davon überzeugt, dass es zum Alleinstellungsmerkmal der Lebensversicherung gehört, den Kunden nicht das Risiko für Kapitalanlageentscheidungen zu überlassen. Die Verbraucher wollen bei der Altersvorsorge einfach mehr Sicherheit als nur zu wissen, dass das eingesetzte Kapital garantiert ist.

    Sie haben mit dem frühen Griff nach Immobilien in Berlin ein glückliches Händchen gezeigt. Wie würden Sie privat jetzt 100.000 Euro anlegen, wenn Sie nicht bei Ideal einkaufen dürften?
    Ich würde es vollständig in zehn Value-Aktien investieren. Wenn Sie 100 Millionen Euro gesagt hätten, wäre die Antwort sicher anders ausgefallen. Aber wenn Sie jetzt mit einer solchen Summe noch Rendite erzielen wollen – dann finden Sie diese am ehesten im Aktienmarkt.

    Herr Jacobus, vielen Dank für das Interview.

    Mehr: Die Versicherer-Branche beobachtet das Fortschreiten der neuen Lungenkrankheit. Für den Fall von Betriebsunterbrechungen in China sind sie gewappnet.

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