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Versicherer Nach Lebensversicherungs-Deal investiert Generali 500 Millionen Euro in Deutschland

Der Verkauf von vier Millionen Lebensversicherungen ist vollzogen: Nun will die Generali massiv investieren und hat dabei den Marktführer Allianz im Blick.
02.05.2019 - 18:54 Uhr Kommentieren
Der Versicherer ist dabei, vom Sanierungsfall zum Angreifer zu werden. Quelle: dpa
Generali

Der Versicherer ist dabei, vom Sanierungsfall zum Angreifer zu werden.

(Foto: dpa)

München Wenn Giovanni Liverani an den Beginn seiner Amtszeit als Generali-Deutschlandchef zurückdenkt, wählt er noch heute drastische Worte. „Wir waren vor vier Jahr noch Gefangene unserer eigenen Strategie, ohne Aussicht auf Erträge“, sagt der 54-Jährige. Die strategische Entscheidung damals: einfacher, effektiver und weniger, das sollte die Ausrichtung des Versicherungskonzerns in Zukunft sein.

Der Druck war groß: Fragten doch große Investoren zu dieser Zeit ernsthaft, ob es sich für Generali überhaupt noch lohne, in Deutschland zu investieren.

Nun, vier Jahre später, ist die Transformation beendet. Und Generali ist dabei, vom Sanierungsfall zum Angreifer zu werden. Der Verkauf eines Portfolios an Lebensversicherungen hat soeben fast eine Milliarde Euro in die Kassen gespült. Generali will das Geld wieder ins deutsche Geschäft investieren.

275 Millionen Euro sollen in den kommenden drei Jahren in strategische Investments fließen, kündigt Deutschlandchef Liverani an. Auf insgesamt 500 Millionen Euro soll die Gesamtsumme inklusive aller Maßnahmen am Markt anwachsen.

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    „Unser Ziel ist es, die Nummer eins in profitablem Wachstum, Innovation, Kundenservice zu werden“, sagt Liverani. Dabei setzt Generali auf den Vertriebspartner DVAG, mit dem man bereits vier Jahrzehnte zusammenarbeitet. Beim Marktführer Allianz wird man die Entwicklung gespannt verfolgen. Ganz ähnliche Ziele hatte dort Konzernchef Oliver Bäte zuletzt ebenfalls ausgegeben.

    Der Italiener ist seit mehr als 20 Jahren für die Generali tätig. Quelle: obs
    Giovanni Liverani

    Der Italiener ist seit mehr als 20 Jahren für die Generali tätig.

    (Foto: obs)

    Besondere Spannung verspricht das direkte Aufeinandertreffen beider Häuser, wenn zum Jahresende der neue Direktversicherer Allianz Direkt an den Start gehen soll. Im gleichermaßen umkämpften wie preissensitiven Markt der Online-Versicherer ist Generali mit seiner bereits 1997 gestarteten Tochter Cosmos Direkt Marktführer.

    Generali hatte im Sommer vergangenen Jahres angekündigt, einen Bestand von rund vier Millionen Lebenspolicen mit teils hohen Garantieverpflichtungen an den Abwickler Viridium verkaufen zu wollen. Im April genehmigte die Börsenaufsicht Bafin den Deal, am Dienstag meldeten beide Vertragspartner den Vollzug.

    In der Branche war der Verkauf von Generalis Lebensversicherungsportfolio in den vergangenen Monaten intensiv beobachtet worden. Wenn bisher Bestände an Abwicklungsgesellschaften übergeben wurden, dann waren diese deutlich kleiner. Mit einem Portfolio im Millionenbereich stößt Generali nun in eine neue Dimension vor. Die Probleme, die es beim Konzern gab, haben jedoch viele Versicherer. Sie alle sehen sich in ihrer Zukunftsstrategie durch hohe Zahlungsverpflichtungen aus Altverträgen gehemmt.

    In der Branche gilt es deshalb als offenes Geheimnis, dass auf die Genehmigung des Großdeals bald eine Welle an weiteren Deals folgen wird. Michael Klüttgens von der Beratungsgesellschaft Willis Towers Watson rechnet jedenfalls in Zukunft vermehrt mit der Ankündigung weiterer Transaktionen. Zumal sich die möglichen Interessenten besonders den Preis angesehen haben, den die deutsche Generali von Viridium für die rund vier Millionen Altverträge erhalten hat.

    Branchenkreisen zufolge sind in dem Portfolio eine nicht unerhebliche Zahl an Policen mit hohen Zinsverpflichtungen im Bereich von drei bis vier Prozent enthalten. Immer wieder war deswegen in der Vergangenheit zu hören, solche Bestände ließen sich bestenfalls für einen geringen Preis veräußern.

    Weil der Konkurrent Ergo beispielsweise mit den Geboten für eines seiner Portfolios im Millionenbereich nicht zufrieden war, machten die Düsseldorfer im Herbst 2017 einen Rückzieher von den Verkaufsplänen und wickeln die Policen nun selbst ab.

    Doch im Fall der Generali wurde der Wert des Lebensversicherungsgeschäfts schon im vergangenen Sommer auf eine Milliarde Euro veranschlagt. Weil der Versicherer allerdings einen Anteil von 10,1 Prozent an den Beständen behält, reduziert sich die Summe auf 899 Millionen Euro. Zudem wird eine Kreditsumme von 882 Millionen Euro an die Konzernmutter in Mailand zurückgezahlt.

    Die Rechnung ist damit für den Versicherer weitgehend aufgegangen. Der öffentliche Aufschrei ist bislang gegen einen Deal dieser Größenordnung weitgehend ausgeblieben. Ein Grund dafür dürfte auch das gewählte Konstrukt zwischen Generali und Viridium sein, das es bislang in dieser Form in der Branche nicht gab.

    Bisher wurden Bestände in der Regel komplett verkauft. Generali aber behält 10,1 Prozent an den Beständen, dafür reduziert sich die Summe um den entsprechenden Anteil. Zudem hat sich Generali an Viridium selbst beteiligt und erhält ein Aufsichtsmandat beim Abwickler.

    Für die Kunden der Altbestände soll sich weiterhin nichts ändern. Rund 300 Mitarbeiter von Generali aus Hamburg und München sind mit Abschluss der Transaktion zu Viridium gewechselt. Sie sollen auch weiterhin für die Belange der zuvor bei Generali Versicherten da sein, versprechen beide Seiten. Alle vertraglich zugesicherten Garantien und Leistungen blieben erhalten.

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