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Versicherer Was Corona die Versicherer kostet

Die Pandemie dürfte deutliche Spuren in den Bilanzen der Assekuranzen hinterlassen. Allerdings gibt es auch Profiteure der Krise.
16.04.2020 - 19:47 Uhr Kommentieren
Die Coronakrise dürfte Versicherer wie die Allianz teuer zu stehen kommen. Quelle: dpa
Allianz

Die Coronakrise dürfte Versicherer wie die Allianz teuer zu stehen kommen.

(Foto: dpa)

Frankfurt Im Februar gab sich Allianz-Finanzvorstand Giulio Terzariol noch vergleichsweise sorglos. Europas größter Versicherer fürchte derzeit keine hohen Belastungen infolge der Ausbreitung des Coronavirus, gab der Topmanager damals auf der Bilanzpressekonferenz in München selbstbewusst als Devise aus. Die Versicherung von Unternehmen gegen Betriebsunterbrechungen greife in der Regel nur, wenn die Ursache ein echter Sachschaden sei.

Zudem biete die Allianz keine Policen an, die ein Epidemierisiko abdecken würde. Gut anderthalb Monate später klingt der oberste Herr der Zahlen des Dax-30-Konzerns in dieser Frage etwas vorsichtiger. Allein die Schäden für ausgefallene Veranstaltungen lägen im dreistelligen Millionenbereich, räumte Terzariol nun ein. Doch die Widerstandskraft des Konzerns sei sehr groß.

Die anfängliche Gelassenheit der Branche angesichts der finanziellen Folgen der neuartigen Lungenkrankheit ist zerstoben. Die Coronakrise dürfte die Versicherer teuer zu stehen kommen, glaubt das Beratungsunternehmen Meyerthole Siems Kohlruss (MSK).

Allein der vor einigen Tagen erzielte Kompromiss in Bayern mit Politik und Gaststätten über eine Teilzahlung bei den Betriebsschließungspolicen werde die Branche rund 300 Millionen Euro kosten, schätzt MSK-Geschäftsführer Onnen Siems. Anfang April hatten alle Seiten vereinbart, zehn bis 15 Prozent der vereinbarten Tagessätze der Policen an die betroffenen Gastronomen auszuzahlen, wenn diese wegen Corona schließen mussten.

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    Unter anderem erklärten sich die Allianz, die Versicherungskammer Bayern (VKB) und die auf die Gastronomie spezialisierte Haftpflichtkasse bereit, Schäden aus Betriebsschließungen zu zahlen. Die Weigerung einer Reihe von Versicherern, Schäden aus der Betriebsschließung bei Lebensmittelbetrieben, Hotels und Gaststätten wegen des Covid-19-Virus zu zahlen, hatte zuvor für harte Kritik bei Kunden und Versicherungsmaklern gesorgt. Doch dies ist nicht das einzige Feld, wo Corona den Versicherern wehtut.

    Für manche ist die Pandemie eine Chance

    Auch für die Rechtsschutzversicherer könnte es teuer werden. Denn viele Kunden dürften wegen der neuen Sonderregelungen, die unter anderem die Stundung von Mietzahlungen bei Engpässen wegen Corona vorsehen, vermehrt vor den Kadi ziehen. „Nach einer ersten Schätzung von Meyerthole Siems Kohlruss können bis zu 500 Millionen Euro an Schäden auf die Branche zukommen“, erläutert Thomas Budzyn, Projektleiter des Rechtsschutz-Datenpools des Beratungsunternehmens.

    Für viele Assekuranzen wird Corona damit zu einem Stresstest. Die Krise lässt die Defizite in Sachen Digitalisierung vieler etablierter Anbieter deutlicher zutage treten. Schließlich müssen derzeit Tausende Mitarbeiter von daheim im Homeoffice arbeiten – wenn es denn die Systeme erlauben.

    Die Pandemie mag für alle Versicherer ein Risiko sein, für manche ist es auch eine Chance. Es werde Sparten geben, die von der Krise profitieren, prognostizieren die MSK-Experten. Dazu könnten die Unfallversicherung, die Hausratversicherung sowie die private Haftpflicht-Police gehören. Da viele Menschen wegen der strengen Auflagen kaum mehr das Haus verlassen dürfen, werde es auch zu einer geringeren Zahl von Schäden kommen, schätzen die Experten. So dürften auch die Einbruchszahlen deutlich zurückgehen, was sich teilweise schon in den Daten der Landeskriminalämter erkennen lässt.

    Zu den größten Profiteuren dürften allerdings die Kfz-Versicherer zählen. So sei die Zahl der Unfälle seit dem Shutdown um bis zu 50 Prozent zurückgegangen. „Bis Ende April kann die Branche so voraussichtlich mehr als eine Milliarde Euro an Schadenaufwendungen einsparen“, schätzt der Versicherungsmathematiker Onnen Siems. Die Kfz-Sparten der Versicherer sind normalerweise alles andere als Gewinnmaschinen, weshalb sich viele Firmen zieren, die Einsparungen weiterzugeben.

    Doch auch die Kunden könnten am Ende von dem erzwungenen Trend ein wenig profitieren. Denn wenn die jährliche Fahrleistung deutlich sinkt, lässt sich spätestens im November bei einem Anbieterwechsel die Kfz-Prämie deutlich reduzieren. Dafür muss der Autobesitzer allerdings davon ausgehen, dass er im Schatten von Corona auch in den nächsten zwölf Monaten weniger fahren wird und seine Fahrleistung kontinuierlich geringer bleibt. Es ist eine Perspektive, die vielen Berufspendlern wohl dennoch nicht ganz behagen dürfte.

    Mehr: Bund und Kreditversicherer sichern den deutschen Handel ab.

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