Versicherung: Insurtech Wefox steigert Bewertung auf 4,5 Milliarden Dollar
Die Wefox-Gründer konnten erneut Geld bei Investoren einsammeln.
Foto: wefoxFrankfurt. Das digitale Versicherungsunternehmen Wefox sammelt weitere 400 Millionen Dollar bei Investoren ein. Nach der Finanzierungsrunde, die vom Staatsfonds Mubadala Investment Company aus Abu Dhabi angeführt wird, steigt die Bewertung auf 4,5 Milliarden Dollar (etwa 4,4 Milliarden Euro).
Vor gut einem Jahr hatte Wefox 650 Millionen Dollar unter anderem von Target Global erhalten und war mit drei Milliarden Dollar bewertet worden. Auch Eurazeo, LGT, Horizons Ventures und Omers Ventures haben sich im Rahmen der neuen Finanzierungsrunde an dem Insurtech beteiligt.
Mit dem frischen Geld, das laut Firmenchef Julian Teicke aus einem „signifikanten“ Eigenkapitalanteil und auch aus Fremdkapital besteht, will Wefox die Plattform weiterentwickeln und noch schneller international wachsen. „Der Start in den Niederlanden steht kurz bevor. Weitere Märkte wie Frankreich und Spanien stehen als Nächstes auf der Liste“, sagte Teicke im Gespräch mit dem Handelsblatt. Wefox ist bisher in Deutschland, Österreich, Polen, Italien und der Schweiz tätig.
Bereits im April dieses Jahres hatte Teicke dem Handelsblatt gesagt, dass man weiteres Geld am privaten Kapitalmarkt aufnehmen wolle. Seitdem hatte es immer wieder Spekulationen gegeben, laut denen auch eine Verdoppelung der Bewertung oder sogar mehr möglich schien.
Mit Blick auf die Unsicherheiten rund um den Ukrainekrieg, die hohe Inflation und die steigenden Zinsen, die Tech-Unternehmen weltweit seit Monaten unter Druck bringen, ist aber auch eine Erhöhung der Bewertung um 50 Prozent beachtlich.
Zahlreiche andere Start-ups bringen derzeit nur Finanzierungsrunden mit gleicher oder sogar sinkender Bewertung durch. Extrembeispiel ist der schwedische Zahlungsdienstleister Klarna, bei dem die Bewertung jüngst um 85 Prozent einbrach.
Es sei ihnen ohnehin nicht nur um „eine maximale Steigerung der Bewertung, sondern auch um das Gesamtpaket“ gegangen, erklärt Firmenchef Teicke. Mubadala sei zwar schon an Wefox beteiligt. „Jetzt ist aber ein weiteres Team von Mubadala eingestiegen, das uns bei unseren Wachstumsambitionen optimal unterstützen kann“, so der Wefox-Mitgründer.
Investoreninteresse an Insurtechs im deutschsprachigen Raum
Laut Frederik Winter, Partner und Experte für Aufsichtsrecht bei Linklaters, zeigen Investoren „nach wie vor ein hohes Interesse, sich an Insurtechs im deutschsprachigen Raum zu beteiligen“. Zum einen seien die Bewertungen im Versicherungssektor vielfach nicht so stark gestiegen wie in anderen Fintech-Branchen. Zum anderen hinke die Versicherungsindustrie bei der Digitalisierung nach wie vor teilweise deutlich hinterher.
Winters Kollege Thomas Broichhausen, Partner und Versicherungsexperte bei Linklaters, ergänzt jedoch, dass die Investoren im aktuellen Marktumfeld „auch bei den deutschen Insurtechs genauer hinschauen“. Stärker in den Fokus rücke dabei insbesondere auch die Frage, ob die Unternehmen es schaffen, Prämien und potenzielle Schäden angemessen zu kalkulieren.
Das Geschäftsmodell von Wefox spiele daher vor allem in Krisenzeiten seine Vorteile aus, ist Teicke überzeugt. Denn im Gegensatz zu anderen Versicherungs-Start-ups, die häufig auf den Direktvertrieb über das Internet setzen, verkauft Wefox seine Policen über Berater, Makler und weitere Partner. Diese bieten neben den Versicherungen der hauseigenen Wefox Insurance vor allem auch Produkte anderer Versicherer an.
Die Umsätze der Wefox-Gruppe, die 2021 bei über 300 Millionen Euro lagen, bestehen laut Finanzchef Fabian Wesemann deshalb zu etwa 80 Prozent aus Provisionen. Prämieneinnahmen machen nur den deutlich geringeren Teil aus. In diesem Jahr plant Wefox eine Verdopplung der Umsätze auf etwa 600 Millionen Euro.
Während zahlreiche Fintechs, darunter Trade Republic und Nuri, Mitarbeiter entlassen, will Wefox weiter Stellen aufbauen. Das Berliner Unternehmen mit Schweizer Wurzeln hat aktuell mehr als 1300 Beschäftigte. Die Kundenzahl soll von derzeit über zwei Millionen bis zum Jahresende auf mehr als drei Millionen steigen.