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Versicherungen Hausrat, Wohngebäude, Kfz – Versicherer erwarten Schäden in Rekordhöhe

Noch ist es für exakte Zahlen zu früh. Die Rekordschäden vom August-Hochwasser 2002 dürften in diesem Jahr aber übertroffen werden.
19.07.2021 - 18:42 Uhr 1 Kommentar
Steigende Zahlen zur Höhe der versicherten Schäden. Quelle: action press
Zerstörte Fahrzeuge in Bad Neuenahr nach der Flutkatastrophe

Steigende Zahlen zur Höhe der versicherten Schäden.

(Foto: action press)

München Für Versicherer gilt Ähnliches wie für die vielen Notrufzentralen: Die Telefone stehen nicht still. Im Zuge der Flutkatastrophe sind die gemeldeten Schäden massiv gestiegen. Die Unternehmen haben deshalb ihre Hotlines und Schadensabteilungen massiv aufgestockt und sind vielerorts rund um die Uhr besetzt.

Bei manchen Kunden ist selbst die Versicherungspolice in den Fluten versunken, berichtet ein großer Anbieter. Die Mitarbeiter versuchten dann zu beruhigen und suchen die Unterlagen anhand der Adresse.

Die Branche werde alles tun, um pragmatisch und effizient zu helfen, hieß es beim Branchenverband GDV am Montag. Die Versicherer verfügen für Großkrisen wie die aktuelle über sogenannte Kumulpläne. Abläufe werden dabei im Vorfeld immer wieder simuliert und im Bedarfsfall schnell umgesetzt. „Personal wird versetzt, Prozesse werden verschlankt, externes Personal wird aus dem eigenen Netzwerk berufen“, sagt Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des GDV.

Wie sehr die Flutkatastrophe die Versicherer selbst trifft, ist noch nicht absehbar. Für genaue Zahlen sei es im Moment noch zu früh, heißt es von der Munich Re. Gerade in den betroffenen Gebieten im Süden und Osten des Landes ist noch keine Entspannung der Hochwasserlage in Sicht.

Ein genaues Bild lasse sich erst in einigen Tagen ermitteln, wenn die Pegel zurückgegangen sind. Das gelte auch die die betroffenen Gebiete in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen.

Auch Asmussen hält frühestens dann erste Zahlen für möglich. Brancheninsider schätzen aber schon jetzt, dass 2021 zu einer Rekordsumme an Schadenzahlungen führen könnte.

Hohe Schäden schon im Juni

Schon vor der Flutkatastrophe der vergangenen Woche hatten die Versicherer hohe Schadensummen gemeldet. In der zweiten Junihälfte führte eine Unwetterserie nach Berechnungen des Branchenverbandes zu versicherten Schäden von 1,7 Milliarden Euro. Rund eine Milliarde davon entfalle auf beschädigte Häuser, Hausrat, Gewerbe- und Industriebetriebe. Hinzu kamen rund 275.000 Schäden aus dem Kfz-Segment in Höhe von rund 700 Millionen Euro. Vor allem Hagelschäden waren hierfür verantwortlich.

Die Mixtur aus unterschiedlichsten Versicherungsarten dürfte nun die Schadensummen noch einmal kräftig nach oben treiben. Neben der Vielzahl an beschädigten Wohngebäuden und Hausrat sind diesmal auch in hohem Maße Gewerbe- und Industrieanlagen betroffen, wo Maschinen beschädigt sind und der Betrieb wegen Überschwemmung ruht. Zudem sind Zufahrtsstraßen und Versorgungswege unterbrochen, sodass vielerorts an eine schnelle Wiederaufnahme der Produktion nicht zu denken ist.

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Deutlich höher als in früheren Jahren dürften auch die Fahrzeugschäden ausfallen. Neben vielen Autos sind auch etliche Lastwagen und Transporter Opfer der Flut geworden. Die bisherige Höchstsumme an Kfz-Schäden aus dem Juli 2013 dürfte damit übertroffen werden. Damals hatten vor allem die beiden Hagelunwetter „Andreas“ und „Bernd“ zu Kfz-Schäden von rund 1,2 Milliarden Euro geführt.

Nachdem die Kfz-Schadenaufwendungen in diesem Jahr schon durch die schweren Hagelereignisse im Juni – unter anderem im oberbayerischen Landkreis Bad Tölz – auf rund 700 Millionen Euro angestiegen waren, erwartet die Branche für das Gesamtjahr einen Rekord weit über den bisherigen Höchstständen.

Bei den internen Abläufen haben die Versicherer schnell reagiert. Die Talanx in Hannover, die sowohl im Privatkunden- als auch im Industriegeschäft aktiv ist, geht zweigleisig vor. „Die Industrieversicherung hat eine Taskforce eingerichtet, um schnell bei den Kunden zu sein und gemeinsam mit ihnen geeignete Maßnahmen einzuleiten“, berichtet Finanzvorstand Jan Wicke. Für Privatkunden fokussiere sich dagegen ein Krisenstab nur auf diese schlimme Naturkatastrophe.

Dauer entscheidet über die Folgen

Entscheidend für die Jahresabrechnung wird Branchenexperten zufolge sein, wie lange die aktuelle Unwetterperiode anhält. Das bisherige Allzeithoch bei den versicherten Gesamtschäden von rund 4,5 Milliarden Euro aus dem Jahr 2002 kam vor allem dadurch zusammen, dass damals eine fünfwöchige Unwetterperiode über das Land zog und in Teilen Sachsens, Sachsen-Anhalts und Thüringen große Verwüstungen anrichtete.

Auch das Juni-Hochwasser des Jahres 2013, das einen versicherten Gesamtschaden von 2,1 Milliarden Euro anrichtete, zog sich rund drei Wochen in die Länge. Hagel und schwere Unwetter dauern hingegen nur ein bis zwei Tage.

Die Konsequenz: Vor allem in der Sachversicherung wie Hausrat und Wohngebäudeversicherung treiben wochenlange Schlechtwetterperioden die Schadensummen massiv nach oben. Steht ein Haus beispielsweise viele Tage unter Wasser, richtet die anhaltende Feuchtigkeit oft irreparable Schäden am Fundament an. Die Folge ist zwangsläufig der Abriss.

Wichtig aus Sicht der Branche wäre nun eine anhaltende und stabile Schönwetterfront, damit der Großteil des Wassers abfließen kann und nicht durch weitere Niederschläge immer wieder Rückschläge drohen. Danach sieht es allerdings nicht aus. Neue Unwetter bedrohen Meteorologen zufolge die stark verwüsteten Regionen.

Spürbar betroffen zeigten sich auch Topmanager der Branche im Angesicht der Zerstörungen. Allianz-Chef Oliver Bäte, der privat nicht weit von den am schlimmsten verwüsteten Orten in Nordrhein-Westfalen wohnt, postete in den sozialen Netzwerken sein Mitgefühl mit Kunden und Kollegen und versprach schnelle und unbürokratische Hilfe.

Wie bei anderen Anbietern stehen bei der Allianz Formulare auf der Webseite bereit, um auf diesem Weg das Verfahren zu beschleunigen. Auch der Stand des Bearbeitungsverfahrens soll aktuell verfolgt werden können.

Mehr: Policen für Unwetter, Sturm und Starkregen: Welche Versicherungen wann greifen.

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