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VersicherungenVersicherer-Chef warnt vor Kostenexplosion bei Pflichtversicherung

Nach der Flutkatastrophe an der Ahr wurde über die Einführung einer Pflichtversicherung gegen Elementarschäden diskutiert. Der Versichererverband befürchtet teure Folgen. 16.02.2023 - 15:12 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Der Vorsitzende des Versichererverbandes warnt vor teuren Folgen im Falle einer verpflichtenden Elementarversicherung.

Foto: dpa

München. Der Präsident des Versichererverbandes GDV, Norbert Rollinger, warnt die Bundesregierung vor teuren Folgen einer Pflichtversicherung gegen Elementarschäden wie Hochwasser und Erdrutsche.

„Eine Pflichtversicherung löst das Problem nicht“, sagte Rollinger, der im Hauptberuf Chef des Versicherers R+V ist, am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. Sie schaffe Fehlanreize für Hausbesitzer, wenn sie nicht mit einem besseren Schutz der Gebäude vor Naturkatastrophen und strengeren Bauvorschriften in gefährdeten Gebieten verbunden sei. „Schlimm wäre, wenn die Politik die Pflichtversicherung beschließen würde – und sonst nichts tut. Dann droht eine Kostenexplosion in der Gebäudeversicherung“, mahnte Rollinger.

Die Flutkatastrophe an der Ahr hatte die Debatte über eine bessere Absicherung gegen Elementarschäden verstärkt. Bisher hat nur jeder zweite Hausbesitzer eine Versicherung, die Schäden abdeckt. Vor allem in Norddeutschland ist die Quote niedriger. Doch die Entscheidung über eine Pflichtversicherung liegt auf Eis, weil es innerhalb der Bundesregierung sowie zwischen Bund und Ländern keine Einigkeit gibt.

Der GDV plädiert dafür, die Elementarschaden-Deckung zum Teil der Gebäudeversicherung zu machen, die etwa Sturmschäden abdeckt. Wer das nicht wolle, müsse sie ausdrücklich abwählen. „Mit einer Opt-out-Lösung – am besten auch für den Bestand – könnten wir die Durchdringung deutlich auf 70 bis 80 Prozent erhöhen“, sagte Rollinger.

Die bestehenden Verträge anzupassen, muss aber der Gesetzgeber erlauben. „Wenn so viele Hausbesitzer abgesichert sind, könnte man das Samariter-Syndrom des Staates bei Naturkatastrophen vielleicht unterdrücken.“ Bisher sagt die Politik unter dem Eindruck einer Flutkatastrophe meistens Hilfe für jene Betroffenen zu, die nicht dagegen abgesichert sind.

Bei der R+V Versicherung funktioniere das bereits gut. „Im Neugeschäft schließen das 80 Prozent ab“, sagte Rollinger. „Wir haben die Versicherungsquote im Bestand damit schon auf 70 Prozent gesteigert.“ Die Beitragseinnahmen in der Wohngebäude-Versicherung seien damit im vergangenen Jahr um 9,7 Prozent auf 564 Millionen Euro gestiegen.

Bruttobeiträge sind im Jahr 2022 rückläufig

Insgesamt sind die Bruttobeiträge der R+V-Gruppe im Jahr 2022 um 3,1 Prozent auf 19,5 Milliarden Euro zurückgegangen, wie der Konzern am Donnerstag mitteilte. Der zur DZ Bank gehörende Versicherer begründete dies damit, dass die Folgen des Ukraine-Kriegs und die hohe Inflation die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland und die Einkommenssituation der Menschen beeinträchtigte. Dies spiegele sich auch in der Versicherungswirtschaft wider.

In der Lebensversicherung ist das Beitragsvolumen sogar um 10,4 Prozent geschrumpft. Eingebrochen ist vor allem das Einmalbeitragsgeschäft. Angesichts steigender Zinsen finden Verbraucher inzwischen auch wieder andere Anlagealternativen, etwa bei Banken. Dennoch setzt Rollinger darauf, im Jahr 2023 auf den „gewohnten Wachstumspfad“ zurückzukehren. Der Bedarf an Absicherung sei weiterhin groß.

Im Geschäft mit Schaden- und Unfallversicherungen stiegen die Prämieneinnahmen im abgelaufenen Jahr um 3,2 Prozent. Zufrieden zeigte sich die R+V insbesondere mit der Entwicklung im hart umkämpften KfZ-Versicherungsmarkt. Das Wiesbadener Unternehmen ist hier der drittgrößte Anbieter nach Huk-Coburg und Allianz. Das Beitragsplus in der Krankenversicherung, der kleinsten Sparte der R+V, lag sogar bei 13 Prozent.

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Die Zahl der Versicherten sei dagegen stabil geblieben. Zum Jahresende 2022 zählte die R+V rund neun Millionen Versicherte mit mehr als 29 Millionen Verträgen.

Konkrete Angaben zum Gewinn machte der Versicherer noch nicht. Im Jahr 2021 hatte das Vorsteuerergebnis 914 Millionen Euro betragen. Rollinger hatte da angekündigt, im Zwei-Jahres-Durchschnitt einen Vorsteuergewinn von 600 Millionen Euro anzustreben.

rtr, sus
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