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Versicherungs-Start-ups Die Insurtech-Unternehmen trennen sich immer deutlicher in Gewinner und Verlierer

Der Versicherungsanbieter Getsafe sammelt 30 Millionen Dollar bei Investoren ein. Für manche Firmen ist die Finanzierung 2020 schwieriger.
08.12.2020 - 08:00 Uhr Kommentieren
Die Coronakrise gibt der Digitalisierung einen Schub. Quelle: dpa
Digitale Versicherung

Die Coronakrise gibt der Digitalisierung einen Schub.

(Foto: dpa)

Frankfurt Der digitale Versicherungsanbieter Getsafe macht den ersten Teil seiner aktuellen Finanzierungsrunde offiziell: 30 Millionen Dollar hat das Heidelberger Start-up dabei eingesammelt. Angeführt wurde die Runde vom Schweizer Rückversicherer Swiss Re. Auch bestehende Investoren Earlybird und Commerz Ventures haben sich erneut beteiligt.

„Swiss Re ist für uns ein bedeutender Partner, da es der erste Investor aus dem Versicherungsbereich ist“, sagte Getsafe-Chef Christian Wiens im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Als einer der weltweit größten Rückversicherer kann uns der Konzern sehr gut bei der Internationalisierung unterstützen.“

Man habe mit dem aktuellen Investment einen deutlichen Bewertungssprung gemacht, betont Wiens. Getsafe sei aktuell dabei, die „Series-B-Finanzierungsrunde um eine weitere Tranche zu erweitern, die wir voraussichtlich Anfang 2021 abschließen können“.

Damit ziehen sich die Verhandlungen allerdings etwas länger hin als ursprünglich geplant. Das Portal „Deutsche Start-ups“ hatte bereits im September berichtet, dass Wiens ein Gesamtpaket von bis zu 50 Millionen Dollar präsentieren könnte.

Insgesamt neigt sich somit ein Jahr dem Ende zu, für das die deutsche Insurtech-Szene ein gemischtes Fazit ziehen muss. Zwar hofften viele Firmen auf gute Geschäfte, da immer mehr Menschen in der Corona-Pandemie digitale Produkte nutzen. Doch insbesondere im Frühjahr waren viele Investoren eher vorsichtig.

Die Investitionen in Insurtechs waren im ersten Quartal weltweit eingebrochen. Sie haben sich in den folgenden Monaten aber schnell wieder erholt. Die Unternehmensberatung Willis Towers Watson berichtete, dass allein im dritten Quartal Investitionen in Höhe von 2,5 Milliarden Dollar in 104 Transaktionen getätigt wurden. Das bedeutet einen neuen Höchststand.

Weltweit großes Interesse an Insurtechs

Dass das globale Interesse an Insurtech-Unternehmen nach wie vor groß sei, beobachtet auch Dietmar Kottmann, Versicherungsexperte und Partner bei der Unternehmensberatung Oliver Wyman: „Trotz Coronakrise sind die weltweiten Investitionen in diese Firmen im laufenden Jahr weiter gestiegen.“

Der Heidelberger Versicherungsanbieter arbeitet künftig enger mit Swiss Re zusammen. Quelle: Friedemann Hertrampf/Getsafe
Getsafe-Gründer Christian Wiens

Der Heidelberger Versicherungsanbieter arbeitet künftig enger mit Swiss Re zusammen.

(Foto: Friedemann Hertrampf/Getsafe )

Hierzulande ist die Finanzierungsrunde von Getsafe wohl die größte, die in diesem Jahr öffentlich kommuniziert wurde. Doch erst am Montag hat ein weiteres deutsches Start-up mit neuen Investorengeldern auf sich aufmerksam gemacht.

Das Berliner Insurtech Simplesurance, das unter anderem Onlinehändlern Produktversicherungsangebote zur Verfügung stellt, erhielt 15 Millionen Euro als Wandeldarlehen. Angeführt wurde die Investition von Allianz X, dem Techinvestor des Versicherungskonzerns.

Kürzlich sorgte zudem der Schaden- und Unfallversicherer Neodigital, an dem auch der bekannte Investor und AWD-Gründer Carsten Maschmeyer beteiligt ist, mit einem weiteren prominenten Investor für Aufsehen. Über einen Fonds stieg nun der deutsch-amerikanische Investor Peter Thiel ein. Bei der Finanzierungsrunde soll ein zweistelliger Millionenbetrag geflossen sein.

Bereits im August konnte der White-Label-Versicherer Element zusätzliche zehn Millionen Euro einwerben. Das Unternehmen entwickelt Versicherungen, die seine Partner unter eigenem Namen an die Endkunden vertreiben können.

Die Finanzierung kam von einem gemeinsamen Risikokapitalfonds von Sony Financial Ventures und dem japanischen VC Global Brain sowie bestehenden Investoren.

Ebenfalls im Spätsommer konnte das Hamburger Insurtech Claimsforce, das auf das Schadenmanagement spezialisiert ist, seine Finanzierung unter Dach und Fach bringen. Neben dem Lead-Investor Notion Capital haben sich Bestandsinvestoren an dem Start-up mit rund sieben Millionen Euro beteiligt.

Stärkere Marktbereinigung steht an

Dennoch habe sich die Finanzierung in Deutschland 2020 teilweise etwas schwieriger dargestellt, sagt Kottmann von Oliver Wyman: „Manche Finanzierungsrunden kamen später zustande als gedacht. Es kam sogar auch zu Geschäftsaufgaben nach einer geplatzten Finanzierung.“

So gab das Versicherungsvergleichsportal Joonko kürzlich bekannt, den Geschäftsvertrieb nach der gescheiterten Finanzierungsrunde einzustellen. Eigentlich war das Insurtech als Herausforderer des Marktführers Check24 gehandelt worden. Auch der Insolvenzantrag des digitalen Versicherungsvertreters Getsurance hat viel Aufmerksamkeit bekommen.

Kottmann zufolge lassen sich die Insurtech-Unternehmen in Deutschland daher immer deutlicher in Gewinner und Verlierer einteilen: „Neues Investorengeld fließt meist in Insurtechs, die bereits eine gewisse Marktreife erreicht haben.“ Doch auch einige Start-ups, die in der Vergangenheit hohe Summen einwerben konnten, müssten sich nun beweisen: „Wir werden künftig eine noch stärkere Marktbereinigung sehen.“

Derzeit arbeitet Kottmann an der neuen Ausgabe des Insurtech-Radars, einer regelmäßig erscheinenden Studie von Policen Direkt und Oliver Wyman: „Ein Ergebnis wird sein, dass es in Deutschland aktuell deutlich mehr Zombies gibt als noch im letzten Jahr.“

Als Zombies bezeichnet er Insurtechs, deren Geschäftsmodell gescheitert ist, die aber trotzdem weiterbetrieben werden – etwa in der Hoffnung, doch noch einen weiteren Investor zu finden oder das bereits aufgebaute Geschäft in einer Nische profitabel zu bekommen. Die Zahl solcher Firmen werde voraussichtlich noch weiter zunehmen, prognostiziert der Experte.

Mehr: Warum Getsafe ins hart umkämpfte Geschäft mit KfZ-Versicherungen einsteigt

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