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Wegen Corona-Pandemie Allianz und Munich Re verlegen Hauptversammlungen ins Internet

Die beiden Unternehmen halten erstmals virtuelle Aktionärstreffen ab. Der Rückversicherer will dabei auch ein neues Aufsichtsratsmitglied wählen lassen.
07.04.2020 Update: 08.04.2020 - 12:21 Uhr Kommentieren
Zum ersten Mal in der Geschichte von Munich Re und der Allianz finden keine physischen Aktionärstreffen statt. Quelle: dpa
Jahreshauptversammlung

Zum ersten Mal in der Geschichte von Munich Re und der Allianz finden keine physischen Aktionärstreffen statt.

(Foto: dpa)

München Wenige Stunden nach der Allianz hat auch die Munich Re angekündigt, erstmals ihre Hauptversammlung via Internet abzuhalten. Eine physische Präsenz von Aktionären und Aktionärsvertretern wird es wegen der Coronakrise diesmal nicht geben, teilten beide Versicherer am Dienstag mit.

„Wir machen daher von der gesetzlichen Regelung Gebrauch, die Hauptversammlung zur Vermeidung einer großen Anzahl von Menschen als virtuelle Hauptversammlung abzuhalten“, heißt es auf der Internetseite der Allianz.

Das gesundheitliche Interesse der Aktionäre und Mitarbeiter habe oberste Priorität, dem sich andere Interessen im Zweifel vorübergehend unterordnen müssen. Auch gelten die Region Oberbayern und die Stadt München weiterhin als Hochrisikogebiet für Corona-Infektionen.
Gleich geblieben ist bei beiden Häusern, deren Zentralen in der Münchener Königinstraße nur wenige Meter voneinander entfernt liegen, jedoch das Datum des Aktionärstreffens und der Dividendenvorschlag. Die Munich Re lädt weiterhin für den 29. April ein, die Allianz eine Woche später am 6. Mai. Der Dividendenvorschlag beträgt bei der Munich Re nach wie vor 9,80 je Aktie und 9,60 Euro bei der Allianz.

Allianz widersetzt sich EIOPA-Empfehlung

In der vergangenen Woche hatten die europäischen Versicherungsaufseher der EIOPA empfohlen, dass die Versicherer in diesem Jahr auf hohe Ausschüttungen verzichten sollten. Sowohl die Allianz als auch die Munich Re sowie die Talanx aus Hannover hatten sich danach in Absprache mit den deutschen Aufsehern der Bafin trotzdem dazu entschlossen, an den hohen Ausschüttungsplänen festzuhalten.

„Der Vorstand ist sich darüber bewusst, dass unsere Dividende für viele unserer 650.000 Privataktionäre sowie Pensionsfonds und andere institutionelle Investoren ein wichtiger Einkommensbestandteil ist“, heißt es nun in der neuerlichen Einladung der Allianz.
Dabei hatten sich die Versicherer vehement dafür eingesetzt, ihre hohen Ausschüttungsvorschläge auch tatsächlich auszahlen zu dürfen. Der Grund dafür ist naheliegend. Besonders die Allianz und die Munich Re gelten unter Investoren als Dividendenkönige.

In puncto Dividendenrendite stehen beide Titel regelmäßig ganz weit oben unter den 30 Dax-Werten. Eine Anhebung der Dividende wird dabei von den Anlegern beinahe erwartet. Kommen dann wie vor kurzem Gerüchte auf, die Dividende könne wegen der Konsequenzen der Coronakrise womöglich kleiner oder gar ganz ausfallen, setzt dies den Aktienkurs schnell unter Druck.

Gerade die Aussicht auf eine hohe Dividende ist bei Aktionären beider Versicherer ein wesentlicher Bestandteil ihres Investments. In Relation zum Allianz-Kurs von Dienstagvormittag bei knapp 165 Euro ergibt sich damit eine Dividendenrendite von mehr als 5,8 Prozent. Bei der Munich Re sind es beim Kurs von rund 186 Euro vom Dienstag noch 5,3 Prozent.

Gute Ergebnisse in 2019

Beide Versicherer beriefen sich deshalb zuletzt darauf, dass sie im vergangenen Jahr noch sehr gut verdient haben und die Ausschüttung daraus bezahlt werde. Die Munich Re hatte im vergangenen Jahr einen Gewinn von 2,7 Milliarden Euro erzielt und damit 200 Millionen Euro mehr als ursprünglich erwartet.

Bei der Allianz wurden im vergangenen Jahr rund 11,9 Milliarden Euro verdient, vier Milliarden Euro will man jetzt wieder an seine Anteilseigner ausschütten. In einer ersten Einladung sollten die Aktionäre der Munich Re im Münchener Kongresszentrum ICM zusammenkommen, bei der Allianz war die Münchener Olympiahalle wie seit vielen Jahren gebucht. In der Vergangenheit fanden sich dabei jeweils mehr als 3000 Aktionäre bei beiden Gesellschafen ein.

Vorerst ruhen lässt die Allianz dagegen ihr im Februar angekündigtes Aktienrückkaufprogramm. Damals wurde der Kauf von eigenen Aktien im Wert von 1,5 Milliarden Euro beschlossen. Die zweite Tranche von 750 Millionen Euro setzt der Konzern nun vorerst aus.

„Wir werden eine Wiederaufnahme des Programms erwägen, wenn die finanziellen und wirtschaftlichen Auswirkungen der COVID-19 Pandemie klarer erkennbar sind“, heißt es nun in der Mitteilung, in der man sich auf eine Vorstandsentscheidung beruft.

Bei der Munich Re hatte man in der vergangenen Woche bereits angekündigt, das im Konzern beinahe traditionelle Aktienrückkaufprogramm wegen der Herausforderungen der Coronakrise vorerst ruhen zu lassen. Aktien im Wert von einer Milliarde Euro wollte man ursprünglich zurückkaufen, lautete der im Februar verkündete Plan.

Coronakrise soll Gewinne schmälern

Schon jetzt müssen die Aktionäre beider Häuser allerdings damit rechnen, dass sich das aktuelle Umfeld auch auf die Ergebnisse des laufenden Jahres auswirken wird. Bei der Munich Re hieß es Ende März bereits, dass das anvisierte Gewinnziel von 2,8 Milliarden Euro in diesem Jahr nicht erreicht werden dürfte.

Handelsblatt Morning Briefing - Corona Spezial

Die Allianz wies nun in der neuen Einladung zur Hauptversammlung erstmals darauf hin, dass sich die Auswirkungen durch Corona in diesem Jahr auch auf Gewinnseite niederschlagen werden.

Konkrete Zahlen gibt es dazu jedoch noch nicht. Bislang rechnet man bei der Allianz offiziell noch mit einem operativen Ergebnis von zwölf Milliarden Euro, mit einer Spanne von jeweils 500 Millionen nach oben wie nach unten.

Die Prognose stammt allerdings vom Februar, ehe die Coronakrise die Welt mit voller Wucht traf. Schon damals stand diese Prognose jedoch unter dem Vorbehalt unvorhergesehener Ereignisse, Krisen oder Naturkatastrophen.
Entfallen sollen in der virtuellen Hauptversammlung der Allianz auch die bislang vorgesehenen Tagesordnungspunkte fünf und sechs. Darin ging es um die Billigung eines Systems zur Vorstandsvergütung sowie um die Vergütung der Aufsichtsratsmitglieder.

Für die zwölf Aufseher stand bisher ein Gehaltsplus von 20 Prozent bei der jährlichen Festvergütung zur Abstimmung. Erst im Jahr 2018 hatte sich das Gremium ein Gehaltsplus von 25 Prozent genehmigen lassen. Beide Tagesordnungspunkte wurden nun auf die Hauptversammlung im kommenden Jahr verschoben.

Bei der Munich Re werden die Aktionäre ein neues Aufsichtsratsmitglied nur virtuell wählen können. Lufthansa-Chef Carsten Spohr soll dort mit Beschluss der Hauptversammlung den ehemaligen BASF-Chef Kurt Bock ersetzen. Vertreter der Lufthansa haben in Aufsichtsgremium der Munch Re eine lange Tradition. Immer wieder überwachten sie in den vergangenen Jahrzehnten die Munich Re.

Mehr: Corona-Exit – Wie der geldpolitische Weg in die Normalität gelingen kann.

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