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Versicherungen im Test Das sind die besten Rechtsschutzversicherungen

Ärger im Straßenverkehr, Beruf oder mit dem Vermieter? Die Rechtsschutzversicherung hilft bei juristischen Streitigkeiten. Die Tarife im Ranking.
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Ohne Versicherung scheuen viele die Kosten eines Prozesses. Quelle: Caiaimage/Getty Images
Besprechung im Gerichtsgebäude

Ohne Versicherung scheuen viele die Kosten eines Prozesses.

(Foto: Caiaimage/Getty Images)

Köln Die Autoindustrie hat sie in eine Vertrauenskrise gestürzt, die Versicherer dagegen nutzen sie als Werbung: die Dieselaffäre. Bis Ende des vergangenen Jahres haben laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) 144.000 Dieselfahrer ihre Rechtsschutzversicherung für eine Klage gegen Hersteller oder Händler genutzt.

Die Anbieter zahlten 380 Millionen Euro unter anderem für die Kosten von Anwälten, Gerichten und Gutachtern. Aus Marketingsicht durchaus eine Investition: „Der Dieselskandal zeigt Versicherten, dass sich eine Rechtsschutzversicherung lohnt“, sagt Klaus Heiermann, Vorstand beim Versicherer Arag in Düsseldorf.

Die Kosten eines solchen Prozesses können beträchtlich sein. Bis ein Urteil in erster Instanz ergeht, müsse ein Volkswagen-Kunde im Schnitt 6 500 Euro für Gerichts- und Anwaltskosten einplanen, rechnet der GDV vor.

Die Akzeptanz für die Rechtsschutzpolice stieg zuletzt: Laut einer Erhebung des Marktforschungsinstituts Yougov hielten sie 66 Prozent der Befragten in Deutschland im Jahr 2017 für wichtig – 2014 waren es erst 58 Prozent. Doch für wen eignet sich die Rechtsschutzversicherung? Eine durchaus knifflige Frage, die sich „nicht pauschal beantworten lässt“, sagt Michael Franke, geschäftsführender Gesellschafter der Ratingagentur Franke und Bornberg in Hannover.

In der Regel sind Policen modular aufgebaut. So lassen sich Lebensbereiche wie das Privat- oder Berufsleben, Verkehr und Wohnen auch einzeln absichern. „Droht Ärger im Straßenverkehr, im Beruf oder mit dem Vermieter? Bei der Auswahl der Police muss das jeder Versicherungsnehmer für sich selbst entscheiden“, erläutert Franke.

Ein neues Ranking, das Franke und Bornberg für das Handelsblatt erstellt hat, verschafft Verbrauchern Orientierung. Es untersucht das Preis-Leistungs-Verhältnis von Single- und Familienpolicen. Dabei hat die Ratingagentur nur Verträge bewertet, die alle vier Bereiche abdecken.

Die Familienpolice ist im Vergleich zur Single-Variante vergleichsweise günstig. Ein Versicherungsnehmer kann so Ehepartner oder Lebensgefährten absichern. Wer die Familien-Variante abschließt, muss bei der Jahresprämie in der Regel einen Aufschlag bezahlen, der deutlich unter 20 Prozent des Single-Preises liegt.

Auch Kinder können mitversichert werden. Sie müssen aber entweder minderjährig sein, eine Ausbildung absolvieren oder studieren. Haben sie bereits ein eigenes Einkommen oder sind älter als 25 Jahre, wird in der Regel eine eigene Police nötig.
Auf einem der vorderen Plätze im Ranking landete die Arag mit ihrer Police „Aktiv Rechtsschutz Komfort“ – sie erhielt in beiden Kategorien als Gesamtnote jeweils ein „Sehr gut“.

Beide Angebote verbinden laut Ranking einen hohen Leistungsumfang mit einer vergleichsweise günstigen Prämie. Dabei will die Arag gar nicht so sehr über den Preis locken. „Wir punkten meist weniger über die Prämienhöhe als über die Marke“, erläutert Vorstand Heiermann. Das Unternehmen positioniere sich über seine „Innovationsleistung“. „Unsere Makler und unsere Versicherten sollen sagen können: Die Arag hat immer etwas Neues“, so Heiermann.

Aufwendige Kalkulation

So hat die Arag zum Beispiel vor zwei Jahren im Verkehrsrecht die sogenannte Rückwärtsdeckung eingeführt. Damit kann eine Police auch noch nach dem Ereignis abgeschlossen werden, für das der Versicherte Rechtsbeistand benötigt – etwa ein Unfall im Straßenverkehr. Der Versicherer behält sich Ablehnungen bei aussichtslosen Fällen allerdings vor.

Grafik

„Mit dieser Police gewinnen wir neue Kunden für uns“, sagt Heiermann. „Der Versicherte soll durch unseren guten Service erfahren, dass sich eine Rechtsschutzpolice für ihn lohnt und anschließend weitere Lebensbereiche abdecken.“ In 25 bis 30 Prozent der Fälle gelinge dies.

Insgesamt verzeichnete die Arag bei den Prämieneinnahmen im Rechtsschutz nach eigenem Bekunden ein jährliches Wachstum von fünf bis sechs Prozent. „Die Rechtsschutzversicherung sorgt bei uns für stabiles Geschäft“, sagt Heiermann.

Für einige Anbieter allerdings lohnt sich die Rechtsschutzversicherung nicht. Gut jede fünfte der 28 größten Gesellschaften gab 2017 in diesem Segment mehr aus, als sie über Beiträge einnahm, haben die Marktforscher von V.E.R.S. Leipzig errechnet. „Die Rechtsschutzpolice ist für Versicherer nicht leicht zu kalkulieren“, sagt Experte Franke. „Gerade bei kleineren Versicherern kann sich ein schlechtes Jahr zum Beispiel mit vielen verlorenen Prozessen negativ auf die Höhe der Prämie auswirken.“

Dies sei ein Grund dafür, dass die Prämienhöhe im Vergleich der Anbieter erheblich schwankt. Die Spannweite im Ranking liegt für die Familienpolice zwischen gut 300 Euro (WGV-Versicherungen) und gut 500 Euro (D.A.S. Rechtsschutz) Prämie pro Jahr.

Komplizierte Vertragstexte

Defizite zeigen Anbieter regelmäßig bei der Information der Versicherten. „Die Texte sind oft kompliziert“, erläutert Ratingspezialist Franke. „Für viele Kunden ist es schwer zu verstehen, welche Fälle ihre Rechtsschutzversicherung übernimmt und welche sie ablehnt.“

Konflikte sind programmiert: Wie in den Vorjahren führte die Rechtsschutzversicherung auch 2018 die Liste der Beschwerden beim Versicherungsombudsmann an. Bei ihm landeten gut 4.100 Fälle aus diesem Segment – das ist fast ein Viertel der insgesamt 18.000 Beschwerden. Zum Vergleich: Die weit verbreitete Haftpflichtpolice brachte es nur auf knapp 1.200 Beschwerdefälle.

Demnächst könnte es für die Versicherten teurer werden: Weil Gerichtskosten steigen, müssen sie mit höheren Prämien rechnen. Laut einer GDV-Analyse von 1,4 Millionen Rechtsschutzfällen haben sich die durchschnittlichen Ausgaben für Anwälte und Gerichte von 2012 bis 2016 um 19 Prozent erhöht.

Allein im Jahr 2017 mussten die Versicherer für 4,1 Millionen Streitfälle rund 2,7 Milliarden Euro zahlen, schreibt der Verband. „Den Versicherern bleibt nichts anderes übrig, als gestiegene Gerichtskosten auf die Versicherten umzulegen“, sagt Michael Franke.

Der Druck auf die mehr als 40 Rechtsschutzversicherer in Deutschland steigt. „Wir gehen davon aus, dass sich der Markt weiter konsolidieren und sich die Zahl der Anbieter weiter reduzieren wird“, sagt Marcus Acker, Sprecher beim Versicherer Roland. Die Wachstumsperspektiven sind begrenzt: „Die konkrete Nachfrage wird unseres Erachtens nur sehr moderat steigen“, sagt Acker. Fast jeder zweite Haushalt in Deutschland besitze bereits eine Rechtsschutzpolice.

Versicherer begegnen dem Wettbewerb auch mit einem Sparkurs. Man habe durch ein „effizientes Kostenmanagement auch die Verwaltungskosten erheblich reduziert“, teilte Roland im Mai vergangenen Jahres mit. Über welche Maßnahmen die Kölner Gesellschaft konkret die Kosten reduziert hat, verrät Acker nicht – mit dem Hinweis auf „Wettbewerbsgründe“. Im Ranking zählt Roland sowohl bei der Single- wie auch bei der Familienpolice zu den besten Anbietern mit der Gesamtnote „Sehr gut“.

Police für die Prozessvermeidung

Wie die Arag lockt auch Roland Kunden mit neuen Produkten. Mit der Police „Lawguide“ spricht sie seit dem vergangenen Jahr „vorausschauende Konfliktvermeider“ an, also Menschen, die sich erst gar nicht auf einen Gerichtsprozess einlassen wollen.

Die Versicherung kostet mit 99 Euro jährlich deutlich weniger als die Rechtsschutzversicherung. Sie kommt etwa für einen ersten telefonischen anwaltlichen Rat auf – oder für einen Mediator, der für die Konfliktparteien zu einer außergerichtlichen Lösung führen soll.

Die Kosten einer gerichtlichen Auseinandersetzung allerdings trägt Lawguide nicht. So werde eine „Lücke im Angebot der Rechtsschutzversicherer“ geschlossen, teilte Roland mit. Mit Aussagen über den Erfolg der Police hält sich das Unternehmen bedeckt: „Da das Produkt gerade erst eingeführt wurde und im Markt noch nicht bekannt ist, sind die Abschlusszahlen im Vergleich zur klassischen Rechtsschutzversicherung gering“, so Acker. „Für ein Fazit ist es daher auch noch zu früh.“

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1 Kommentar zu "Versicherungen im Test: Das sind die besten Rechtsschutzversicherungen"

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  • Die Tarife der WGV scheinen in der Tat "günstig" zu sein. Ob die Redaktion aber das Verhalten der Gesellschaften im Leistungsfall in die Bewertungen hat einfließen lassen, bezweifele ich. Manche wollen nämlich auffällig oft nicht zahlen. Erst in der Ausgabe 8/2018 hat FINANZtest/Stiftung Warentest 315 Anwälte als Mitglieder des deutschen Anwaltsvereins hierzu befragt. Dort heisst es auf Seite 19 wörtlich: "Überwiegend negative Erfahrungen haben sie mit der WGV gemacht." Das ist die Kehrseite der Medaille, die für einen Verbraucher im Zweifel genauso wichtig ist, wie die Prämienhöhe.

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