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Versicherungen Wie Verbraucher ihr Elektroauto richtig versichern

In der Automobilbranche gilt Elektromobilität als großes Zukunftsthema. Doch wie gehen die Versicherer damit um? Darauf sollten Verbraucher achten.
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Versicherung: Wie Verbraucher ihr Elektroauto richtig versichern Quelle: dpa
Elektromobilität

Für Autobauer steht das Thema ganz oben auf der Agenda – bei Versicherungen hingegen fast gar nicht.

(Foto: dpa)

FrankfurtDas ist typisch für Tesla-Chef Elon Musk. Wenn ihm am Markt etwas nicht gefällt, macht er es einfach selbst. So hat der Manager in einer Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen bestätigt, dass der Elektroautohersteller an einer eigenen Versicherung für seine Fahrzeuge arbeite.

Laut Musk soll sich die Versicherungsprämie am tatsächlichen Fahrverhalten des Versicherten orientieren. Einfließen soll demnach beispielsweise auch, ob und in welchem Umfang der Fahrer den Autopiloten nutzt. Mit dem Produkt wolle er alles überbieten, was auf dem Markt sei.

Das sind große Töne von einem Unternehmen, das derzeit im Kerngeschäft einige Probleme hat: Die schicken Luxusautos verkaufen sich nicht so gut wie gedacht, weshalb Tesla einen drastischen Sparkurs eingeläutet hat. Die Aktie des Elektroautopioniers ist seit Wochen auf Talfahrt.

Gleichwohl: Interessant sind die Versicherungspläne trotzdem. Denn sie werfen auch für Verbraucher, die keine teuren Sportwagen fahren, interessante Fragen auf: Wie muss denn beispielsweise ein Auto versichert werden, das weitgehend autonom fährt? Oder wie versichere ich am besten ein Fahrzeug, das mit Elektroantrieb fährt? Während die Antwort auf die erste Frage für die meisten Autofahrer erst in der Zukunft relevant sein wird, gibt es bei der zweiten für Verbraucher auch schon heute einiges zu beachten.

Bislang fristen Elektroautos ein Nischendasein auf deutschen Straßen: Nur ein Prozent aller im Jahr 2018 neu zugelassenen Pkws fährt mit einem reinen Elektromotor. Das geht aus Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamts hervor. Zu den beliebtesten Modellen zählen der Renault Zoe, der VW e-Golf, der Smart EQ Fortwo und der BMW i3. Bei insgesamt mehr als 47 Millionen Pkws in Deutschland war der Anteil der Elektroautos zum Jahreswechsel mit 83.175 Fahrzeugen verschwindend gering.

Immerhin: In den ersten Monaten 2019 verzeichneten die E-Autos hohe Zuwächse bei den Zulassungszahlen. Die Ziele der Bundesregierung erscheinen dennoch ambitioniert. Bis 2022 sollen eine Million Elektroautos in Deutschland zugelassen sein.

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Grundsätzlich brauchen Elektroautos – wie andere Fahrzeuge auch – eine Kfz-Haftpflichtversicherung. Diese Versicherung übernimmt die Schäden, die durch die Benutzung des Fahrzeugs einem Dritten entstehen. Die Versicherer berechnen die Höhe der Beiträge unter anderem nach den Typ- und den Regionalklassen, die Antriebsart spielt keine Rolle.

Daneben kann eine Kaskoversicherung abgeschlossen werden. Dann sind auch Schäden am eigenen Auto versichert. Während die Teilkasko Schäden übernimmt, die etwa durch Brand, Blitzschlag, Hagel und Marderbisse entstehen, springt die Vollkaskoversicherung zusätzlich ein, wenn das Fahrzeug durch einen selbst verschuldeten Unfall oder durch Vandalismus beschädigt wird.

Da Elektroautos bislang recht teuer in der Anschaffung sind, empfiehlt sich vor allem bei neueren Fahrzeugen eine Vollkaskoversicherung. Wichtig ist, dass die Versicherung einen umfassenden Schutz für die Batterie bietet. Denn sie ist schließlich das Herzstück des Elektroautos.

„Aus unserer Sicht wäre es wünschenswert, wenn die Versicherer in ihre Vertragsbedingungen aufnehmen, wie der Akku bei einem Elektroauto versichert ist. Eine Allgefahrendeckung inklusive Schäden aus Bedienfehlern halten wir für wichtig“, sagt Kerstin Becker-Eiselen, Versicherungsexpertin von der Verbraucherzentrale Hamburg. „Zudem sollten Schäden durch Brände am Fahrzeug, unter anderem im Zusammenhang mit Abschleppvorgängen, im Tarif eingeschlossen sein. Bei einer stichprobenhaften Durchsicht von Versicherungsbedingungen ist uns aufgefallen, dass bisher wenige Anbieter solche Zusätze in den Bedingungen anbieten.“

Auch wichtig: Ist die Batterie nur gemietet oder geleast, sollten Verbraucher dies ihrem Versicherer mitteilen. Genau dann muss sie nicht mitversichert werden, wodurch die Beiträge deutlich niedriger ausfallen könnten.

Keine großen Unterschiede zu Fahrzeugen mit herkömmlichem Antrieb

Beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) sieht man unterdessen wenig Handlungsbedarf, spezielle Angebote für Elektroautofahrer zu machen: „Für die Kalkulation der Prämien durch die Versicherer spielt die Antriebstechnik keine Rolle“, sagt eine GDV-Sprecherin. „Die Schadenverläufe zeigen, dass es bei Elektroautos im Vergleich zu Fahrzeugen mit herkömmlichem Antrieb keine großen Unterschiede gibt. Bislang sehen wir keine Auffälligkeiten wie beispielsweise häufige Batteriebrände.“

Diese Einschätzung teilt die Huk-Coburg, Marktführer in Deutschland bei Kfz-Versicherungen: Es gebe kaum Unterschiede bei der Schadenhöhe, sagte Vorstandsmitglied Jörg Rheinländer im Interview mit der Zeitschrift „Auto Motor Sport“: „Aus allen bei uns versicherten E-Autos haben wir eine Stichprobe von 120 Unfällen gezogen und analysiert.

Davon hatten nur zwei Fahrzeuge einen Batterieschaden.“ Das einzige Problem bei E-Autos und Hybriden, die in der Regel einen Verbrennungsmotor mit einem Elektroantrieb kombinieren, seien ab und an die Ladedosen. Das seien sicherheitsrelevante Bauteile, die gern an der Front oder dem Heck untergebracht sind und bei Parkschäden auch etwas abbekommen können.

„Die Huk-Coburg bietet keinen gesonderten Tarif für Elektroautos an“, sagt denn auch eine Unternehmenssprecherin dem Handelsblatt. Die Leistungen des „normalen Kfz-Produkts“ seien auch für Elektroautos sehr umfassend. „Beispielsweise bezahlen wir den Neupreis des Akkus, wenn dieser wegen eines versicherten Schadens ausgetauscht werden muss. Viele Anbieter kürzen diese Kostenerstattung abhängig vom Alter des Fahrzeugs.“ In diesem Fall muss dann der Versicherte einen Teil der Kosten für einen neuen Akku selbst bezahlen.

Allerdings gibt es für Elektroautofahrer einen Rabatt: „Wir belohnen E-Autos mit einem Nachlass, da wir davon ausgehen, dass sich umweltbewusste Kunden auch im Straßenverkehr besonders umsichtig verhalten“, so die Sprecherin. Rheinländer erklärte das im Interview noch etwas ausführlicher: „Statistisch lässt sich sagen, dass Fahrer von umweltfreundlicheren Fahrzeugen eher geringere Schadenhäufigkeiten haben als andere.“

Das sei aber auch nicht so erstaunlich. Wer weniger Reichweite zur Verfügung habe, stehe auch nicht die ganze Zeit voll auf dem Gas.

Auch Allianz Deutschland, der zweite große Kfz-Versicherer, schafft einen finanziellen Anreiz für Elektroautofahrer in Form eines Nachlasses auf die Jahresprämie. „Den Nachlass gewähren wir, bis sich diese Fahrzeuge in Deutschland etabliert haben“, sagt ein Unternehmenssprecher. Doch anders als die Huk-Coburg bietet die Allianz in der Kfz-Versicherung einen speziellen Versicherungsschutz für Elektro- und Hybridfahrzeuge an.

In dem Zusatzbaustein enthalten ist eine Allgefahrendeckung für die Batterie. Sie greift zum Beispiel, wenn eine Batterie beschädigt wird, weil die Hinweise des Herstellers zum richtigen Laden oder zum Umgang mit der Batterie, zum Beispiel zur Vermeidung einer Tiefentladung, nicht beachtet wurden, sowie bei Diebstahl des Ladekabels oder Überspannungsschäden.

Bei der Schadenentwicklung macht die Allianz ähnliche Erfahrungen wie der Konkurrent: „In unseren Unfallanalysen fiel auf, dass Elektrofahrzeuge weniger häufig in Unfälle verwickelt sind – und zwar um 25 Prozent“, so der Firmensprecher. Die Elektrofahrzeuge seien zudem bisher unauffällig, was die Häufigkeit von Fahrzeugbränden betrifft.

Allerdings seien die Schäden bei Elektrofahrzeugen etwa ein Viertel teurer als bei Autos mit Verbrennungsmotoren: Zum einen gebe es noch Optimierungspotenzial bei einem Crash mit Blick auf das Deformationsverhalten und die Reparaturfreundlichkeit. Zum anderen sei es derzeit noch aufwendiger, Elektrofahrzeuge zu reparieren, weil nicht jede Werkstatt dafür optimal ausgerüstet ist.

Spezielle Policen für Elektroautos

Auch Tesla-Fahrer können bereits heute mit „Insure My Tesla“ einen maßgeschneiderten Versicherungsschutz erhalten – allerdings nicht von Tesla selbst, sondern in Kooperation mit einem Versicherungsunternehmen. In Deutschland arbeitet Tesla mit Bavaria Direkt zusammen, die Policen werden über den Versicherungsmakler Marsh angeboten.

Die Police bietet unter anderem einen Rundumschutz mit Autopilot-Rabatt, Neuwertentschädigung von bis zu 36 Monaten, die Versicherung von Batterieschäden, die Absicherung der Wandladestation und des Ladekabels im Falle eines Diebstahls sowie die Versicherung von Schäden, die beim Aufladen an öffentlichen Ladestationen entstehen.

Ein Elektroauto zu versichern muss nicht unbedingt teurer sein als für vergleichbare Automodelle mit herkömmlichem Antrieb. Das hat eine Auswertung des Vergleichsportals Check24 ergeben. Darin sind allerdings keine Daten von Huk-Coburg enthalten, da das Unternehmen nicht mit dem Portal zusammenarbeitet. Aus dem Allianz-Konzern ist die Tochter AllSecur vertreten.

Bei den ausgewerteten Tarifen kamen vor allem die BMW-Fahrer mit der Elektrovariante günstiger weg: Die Autoversicherung für den BMW i3 kostet für den gewählten Beispielkunden durchschnittlich 414 Euro im Jahr. Für den vergleichbaren 116i liegt der Jahresbeitrag hingegen bei 531 Euro.

Auch beim Renault Zoe fällt die Check24-Bilanz zugunsten des E-Autos aus. Mit 341 Euro Kfz-Versicherungsbeitrag kostet der Zoe 41 Euro weniger als der zum Vergleich herangezogene Renault Twingo mit 382 Euro. Teurer ist demnach aber die Versicherung für den E-Smart als für den normalen Smart, und auch beim VW Golf fällt der Versicherungsbeitrag für die E-Variante höher aus.

Elektroautofahrer profitieren aber noch an anderer Stelle: Für bis Ende 2020 zugelassene Elektrofahrzeuge gilt eine Befreiung von der Kfz-Steuer für zehn Jahre. Danach fallen sehr moderate Beiträge an. Die Anschaffung von Elektro- und Hybridfahrzeugen wird zudem mit einem Umweltbonus von Staat und Autoherstellern bezuschusst.

Um die Nachfrage anzukurbeln, verlängerte die Bundesregierung die Prämie am vergangenen Freitag bis Ende 2020. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hatte zudem vorgeschlagen, den staatlichen Teil des Umweltbonus für den Kauf von Elektroautos zu erhöhen. Eine Entscheidung dazu und zu weiteren Vorschlägen anderer Ministerien steht noch aus.

Klaus Müller, Vorstand des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (vzbv), begrüßt den Vorschlag: „Mit einer höheren Förderung werden elektrisch angetriebene Autos im Vergleich zu Verbrennern wirtschaftlich attraktiv.“ Mehr Verbraucher könnten sich dann ein E-Auto leisten.

Mehr: Tesla-Investoren sind verunsichert. Lesen Sie hier, warum einige Analysten die Marke nur noch als Nischen-Spieler sehen.

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