Versicherungsbranche Insurtechs sind Treiber und Getriebene der Versicherer

Die Zahl der Deals von Versicherern mit Insurtechs ist in den vergangenen Jahren kräftig gestiegen. Beide Seiten sind voneinander abhängig.
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Start-ups drängen in die Branche und ermöglichen es, Policen online abzuschließen. Quelle: picture alliance/dpa
Kein Besuch beim Versicherungsmakler mehr

Start-ups drängen in die Branche und ermöglichen es, Policen online abzuschließen.

(Foto: picture alliance/dpa)

MünchenSätze wie diese sind für die jungen Technologieunternehmen aus dem Versicherungssektor wie ein Ritterschlag: „Insurtechs haben den Organismus der Munich Re auf Trab gebracht“, sagte Joachim Wenning, der Chef des weltgrößten Rückversicherers vor Kurzem bei einem öffentlichen Auftritt.

Tief blicken lassen solche Aussagen. Auch dahin, wie es in der Branche noch vor nicht allzu langer Zeit ausgeschaut hat. Während anderswo die Digitalisierung und veränderte Geschäftsmodelle schon vor Jahren Einzug hielten, stützten sich Versicherer wie Rückversicherer immer noch auf historische Zeitreihen und den Erfahrungsschatz ihrer zahlreichen Experten. „Wir haben aber schnell gelernt von den anderen Industrien, den Energieversorgern, den Maschinenbauern oder der Autoindustrie“, erzählt Wenning.

Und eben von den Insurtechs. Wie viele in der Branche geht auch die Munich Re dabei dreigleisig voran. Zum einen entwickeln interne Teams neue Lösungen, um der steigenden Datenflut sowie den Herausforderungen des Klimawandels begegnen zu können. Zum anderen suchen international erfahrene Tech-Spezialisten aus dem eigenen Haus weltweit nach geeigneten Kooperationspartnern.

Im Silicon Valley sind sie dabei ebenso unterwegs wie in China oder den führenden Tech-Hubs von Tel Aviv. Gerade das Thema Cybersicherheit mit seinen täglich neuen Herausforderungen für alle Branchen steht dabei im Mittelpunkt.

Hinzu kommt an dritter Stelle der direkte Teileinstieg oder die vollständige Übernahme eines Insurtechs. Die Zahl der Deals ist in den vergangenen Jahren kräftig gestiegen, wie eine aktuelle Studie aus dem Beratungshaus Capgemini zeigt (siehe Tabelle).

Dabei ist ein solches Vorgehen nicht nur den ganz Großen der Branche vorbehalten. Future Labs oder Zukunftswerkstätten gibt es auch bei kleinen und mittleren Versicherern, ebenso Kooperationen und Übernahmen. Der Grund für so viel Offenheit liegt auf der Hand, wenn die Manager den Status quo vergleichen mit den Herausforderungen der digitalen Welt. Schnell wird ihnen dann klar, dass sehr viel Nachholbedarf herrscht. Das beginnt beim Grundübel, der veralteten IT, bis hin zu Service, Schadenabwicklung und Vertrieb.

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Insurtechs besetzen hier in der Regel mit viel technischer Exzellenz eine Nische, in der die Versicherer wiederum wenig oder gar keine Erfahrung haben. Häufig sind es Produkte, die an der Kundenschnittstelle für verbesserten Zugang oder mehr Service sorgen sollen.

Eine Abhängigkeit zwischen Versicherer und Insurtech gibt es dabei aber von beiden Seiten. Den Versicherern fehlt eine entsprechende technologische Lösung, beispielsweise in Form einer App. Die Insurtechs haben bisher aber keinen oder nur geringen Kundenzugang, den sie jedoch durch die Zusammenarbeit mit dem Versicherer erhalten.

Da die Zuständigkeiten klar verteilt sind, stellen Insurtechs für die Versicherer auch keineswegs eine Bedrohung dar. Stattdessen sonnen sich viele Versicherer gar im Glanz der jungen Branche und betonen bei öffentlichen Auftritten die Nähe zu den jungen Wilden. Was wiederum einen ganz realen Hintergrund hat: In den 70er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts galten die Versicherer als führend, was die Verarbeitung von Daten anbelangte. Weil sie sehr viel mehr wussten als ihre Kunden, fuhren sie hohe Renditen ein.

Dieser Vorteil schmolz in den folgenden Jahrzehnten, weil statt in Technik vor allem in die Entwicklung neuer Produkte investiert wurde. Von der „Allmacht des Vertriebs“ war zu dieser Zeit vielerorts die Rede.

Jetzt steht der technische Fortschritt wieder im Vordergrund. Die Insurtechs sind dafür der Treiber.

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