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Versicherungsbranche Klamme Lebensversicherer führen Rekordgewinne ab

34 deutsche Versicherer stehen laut Finanzaufsicht vor Problemen. Trotzdem haben sie im vergangenen Jahr 276 Millionen Euro weitergeleitet.
Update: 23.09.2018 - 17:05 Uhr Kommentieren
Die Versicherer verwiesen darauf, dass die erwirtschafteten Erträge größtenteils den Kunden zugutekämen. Quelle: dpa
Lebensversicherung

Die Versicherer verwiesen darauf, dass die erwirtschafteten Erträge größtenteils den Kunden zugutekämen.

(Foto: dpa)

Frankfurt Für Aufregung hatte im Juni eine Meldung des Bundesfinanzministeriums gesorgt, dass 34 der 87 deutschen Lebensversicherer unter „intensivierte Aufsicht“ durch die Finanzaufsicht Bafin gestellt wurden. Denn es bestehe die Gefahr, dass sie mittel- bis langfristig finanzielle Schwierigkeiten bekommen könnten. Nun wird bekannt, dass diese Lebensversicherer trotz ihrer Finanzschwäche großzügig Gewinne an ihre Muttergesellschaften abführen. Zuerst hatte „Spiegel Online“ darüber berichtet.

In einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Fraktion, die dem Handelsblatt vorliegt, heißt es, die 34 Lebensversicherer hätten 2017 insgesamt 276 Millionen Euro Gewinne an ihre Muttergesellschaften abgeführt. Das ist der höchste Wert der vergangenen zehn Jahre. Gleichzeitig offenbarte die Antwort, dass die 34 Gesellschaften insgesamt 32,8 Millionen Versicherungsverträge führen und sie ihre Aufwendungen für den Policenvertrieb zuletzt das sechste Mal in Folge senken konnten.

Die üppige Gewinnabführung sorgt für Kritik. „In solchen Zeiten erwarte ich, dass nicht Geld aus gefährdeten Lebensversicherungsunternehmen abfließt, sondern dieses zur Stabilisierung genutzt wird“, protestierte Gerhard Schick, Finanzexperte der Grünen. „Eigentlich müsste das Eigenkapital der Unternehmen deutlich erhöht werden“, so der Politiker. Pikanterweise ließ die Bundesregierung die Frage nach der Höhe der Eigenkapitalausstattung der gefährdeten Institute unbeantwortet.

Die deutschen Lebensversicherer ächzen unter dem Niedrigzinsumfeld. Das bekommen vor allem die Kunden zu spüren. Sie müssen sich mit immer weiter schrumpfenden Renditen zufriedengeben oder werden in die Ungewissheit verabschiedet, wenn ihr Vertrag an eine neue Gesellschaft übertragen wird – wie zuletzt bei der Generali. „Es ist ungerecht, wenn die Versicherten so unter der Niedrigzinsphase leiden und selbst die unter besonderer Aufsicht stehenden Lebensversicherer in dieser Phase ihre Gewinnabführungen im kompletten Gegensatz dazu steigern“, kritisiert Schick.

Verbot wird umgangen

Die Bundesregierung hatte 2014 das Lebensversicherungsreformgesetz verabschiedet. Es untersagt den Versicherungsunternehmen eigentlich, Gewinne an ihre Anteilseigner auszuschütten, wenn die Leistungen für die Versicherten gefährdet sind. So sollten die Versicherer stabilisiert und die Lasten der Niedrigzinsen fairer zwischen Unternehmen und Versicherten geteilt werden. Nun zeigt sich, dass die Assekuranz dieses Verbot durch Gewinnabführungsverträge umgeht.

Die Versicherer wiesen die Kritik am Sonntag zurück und erklärten, dass die erwirtschafteten Erträge größtenteils den Kunden zugutekämen. Von den 2011 bis 2017 rund 303 Milliarden Euro seien 96,3 Prozent an die Versicherten und lediglich 3,7 Prozent an die Unternehmen gegangen, hieß es beim Branchenverband GDV. Kritik an den Gewinnabführungsverträgen sei unbegründet. Denn ein großer Teil der abgeführten Gewinne fließe als Eigenkapital zurück in die Lebensversicherungsunternehmen und stärke damit die Risikotragfähigkeit der Unternehmen.

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