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Allianz-Fahnen

Konzernchef Oliver Bäte hat dem Konzern 2015 eine „Erneuerungsagenda“ verordnet. Sie läuft Ende dieses Jahres ab.

(Foto: dpa)

Versicherungskonzern Allianz macht keine großen Sprünge, überrascht aber die Analysten – die Blitzanalyse

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München Die Allianz hat am Freitag ihre Zahlen für die Monate Januar bis Juni vorgelegt. Die wichtigsten Fakten.

  • Der operative Gewinn lag im ersten Halbjahr bei 5,8 Milliarden Euro und damit nur leicht unter dem Vorjahresniveau.
  • Konzernchef Oliver Bäte bestätigt die Gewinnprognose für das gesamte Geschäftsjahr.
  • Vor allem der Bereich Vermögensverwaltung überrascht positiv.

Die Börsianer drückten ihre Meinung zur Allianz schon in den vergangenen Wochen mehr als deutlich aus. Vorsichtig waren sie geworden; es könne auch wieder schlechter kommen, war vielerorts zu hören. Die geopolitischen Risiken steigen, Währungseffekte nehmen zu, und die Auswirkungen auf die Konjunktur sind immer öfter in den Prognosen der volkswirtschaftlichen Institute zu spüren.

In den Zahlen zum ersten Halbjahr, die der Versicherungskonzern am Freitagmorgen vorgelegt hat, haben sich diese Gefahren kaum niedergeschlagen. Die Erwartungen der Analysten wurden übertroffen.

Wichtigste Aussage dort: Die Prognose für das Gesamtjahr steht auch weiter. „Wir bleiben auf Kurs, unser operatives Ergebnisziel für 2018 zu erreichen“, lässt sich Konzernchef Oliver Bäte in der am Morgen veröffentlichten Presseerklärung zitieren.

Ansonsten wird er entgegen früherer Gewohnheiten der für den späteren Freitagvormittag angesetzten Telefonkonferenz mit Analysten und Journalisten diesmal fernbleiben und das Feld dem neuen Finanzvorstand Giulio Terzariol überlassen.

Die 11,1 Milliarden Euro – plus oder minus 500 Millionen Euro – stehen weiter als Ergebniszielmarke für das Gesamtjahr. Würden exakt 11,1 Milliarden Euro erreicht, wäre das genau der Wert wie im vergangenen Jahr. Dass das möglich ist, zeigt das operative Ergebnis für die ersten sechs Monate dieses Jahres. Es lag bei 5,8 Milliarden Euro und damit nur leicht unter dem Vorjahreswert von 5,9 Milliarden Euro. Währungseffekte waren der eine Grund dafür, der andere lag darin, dass nach den sehr guten Margen in der Kapitalanlage zuletzt eine Annäherung an normale Verhältnisse erfolgte.

Das fällt positiv auf

Vermögensverwaltung verdient wieder gut: Der Bereich Asset Management, eines von drei Segmenten neben der Sach- und der Lebensversicherung, hat deutlich zugelegt. Um 7,9 Prozent stieg das operative Ergebnis im ersten Halbjahr, rein auf das zweite Quartal bezogen waren es sogar 11,6 Prozent. Gerade das Segment der Vermögensverwaltung war zu Beginn von Oliver Bätes Amtszeit als Vorstandschef im Jahr 2015 das größte Sorgenkind.

Bei der einst ruhmreichen US-Tochter Pimco flossen die Anlegergelder ab wie aus einem Brunnenrohr. Vor gut zwei Jahren gelang die Trendwende, seither kommen wieder Mittel hinzu. Vor allem, weil die Rendite, die die bestens bezahlten Fondsmanager dort erwirtschaften, wieder den Erwartungen der Anleger entspricht.

Für den jetzigen Effekt auf die Gewinne waren vor allem das deutlich gestiegene Vermögen, das Pimco für Dritte verwaltet, verantwortlich. Hinzu kam, dass die Margen bei Pimco als auch der europäischen Tochter Allianz Global Investors besser ausfielen. Dazu wurde intern gespart. Die operativen Aufwendungen stiegen weniger stark als der Ertrag.

Das fällt negativ auf

Lebensversicherungssparte tut sich schwer: Die Lebensversicherung bekommt nun auch die Auswirkungen der jahrelangem Niedrigzinspolitik zu spüren. Zwar hat man dort schon früh gegengesteuert und einen sehr hohen Anteil im Neugeschäft mit neuen Produkten ohne Garantieverpflichtungen abgeschlossen. Für die vielen Altverträge mit Garantieverpflichtungen wird es indes immer schwieriger, entsprechende Renditen zu erwirtschaften.

Die vielen langlaufenden Staatspapiere, die man sich frühzeitig gesichert hat, und mit denen es lange gelang, diese Entwicklung auszugleichen, laufen allmählich aus. Mit den frei werdenden Mitteln lassen sich indes längst nicht mehr solche Renditen erwirtschaften wie einst.

Eine Erfahrung, die im Moment viele in der Branche machen. So sank bei der Allianz Leben das operative Ergebnis im ersten Halbjahr um mehr als sechs Prozent, bezogen auf das zweite Quartal waren es 4,6 Prozent. Gründe sind neben schlechteren Kapitalanlageergebnissen in Deutschland und Spanien auch die schwankenden Wechselkurse. Vor allem der zuletzt schwächere US-Dollar trug zu der Entwicklung bei.

Was jetzt passiert

Konzern soll digitaler werden, die Produkte einfacher: Die Zahlen für das erste Halbjahr machen Mut. Zeigen sie doch, dass der Versicherungsriese weiter auf Kurs ist. Der größte Konkurrenz Axa musste am Donnerstag ein Gewinnminus von 14 Prozent im ersten Halbjahr melden. Der Blick der Anleger sollte deswegen auf das gerichtet sein, was im zweiten Halbjahr noch folgen wird. Die „Renewal Agenda“, ein Fünf-Punkte-Programm aus Gewinn, Unternehmens- und Mitarbeiterzielen, läuft zum Jahresende aus. „Es stimmt mich zuversichtlich, dass wir unsere Dreijahresziele der Renewal Agenda erreichen werden“, lässt sich Oliver Bäte in der Pressemitteilung vom Freitagmorgen zitieren.

Gespannt dürfen Anleger jetzt aber schon auf den neuen Mehrjahresplan sein, den der Allianz-Chef beim Investorentag Ende November präsentieren will. Die Richtung, in die es gehen soll, hat er gelegentlich schon mal durchblicken lassen.

Der Konzern soll beim Thema Digitalisierung führend in der Branche sein. Dafür soll radikal umgebaut werden. Die Sachversicherung soll konsequent vereinfacht werden. Noch immer gibt es Bäte zufolge dort viel zu viele Produkte. Für den Kunden sei das verwirrend und nicht intuitiv zu verstehen.

Außerdem dürften auch die Anforderungen an die Mitarbeiter, wie sie diesen Weg weiter mitgehen sollen, erhöht werden. Das zweite Halbjahr wird somit vor allem zum Ende hin spannend für Allianz-Aktionäre.

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