Versicherungskonzern Auf diese fünf Punkte sollten Sie bei den Allianz-Quartalszahlen achten

Am Freitag präsentiert die Allianz ihre Zahlen für die ersten neun Monate. Einer der wichtigsten Punkte: Wie steht es um den Umbau der Sachversicherung?
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Allianz-Flaggen vor der Olympiahalle in München: Der Aktienkurs entwickelte sich in den vergangenen Monaten enttäuschend. Quelle: imago stock&people
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Allianz-Flaggen vor der Olympiahalle in München: Der Aktienkurs entwickelte sich in den vergangenen Monaten enttäuschend.

(Foto: imago stock&people)

MünchenRuhig war es geworden um die Allianz seit dem Ende des Sommers. Einzig die Nachricht, dass der Versicherer künftig weltweiter Partner des Internationalen Olympischen Komites (IOC) wird, sorgte für etwas Aufsehen. Zum Geschäft, der Strategie oder künftigen Zielen gab es so gut wie nichts von Bedeutung.

Aus gutem Grund: Ende des Jahres läuft die sogenannte Renewal Agenda aus, ein Strategieplan aus Gewinn-, Unternehmens- und Mitarbeiterzielen. Ihn hatte der damals neue Vorstandschef Oliver Bäte zu Beginn seiner Amtszeit vor drei Jahren verkündet.

Nun soll quasi eine neue „Renewal Agenda“ folgen, die zum Investorentag am 30. November vorgestellt werden soll. Die Präsentation der Neunmonatszahlen am Freitag ist somit der Auftakt zu einem spannenden Monat für die Allianz.

Wenn am Freitagvormittag um 8.30 Uhr der neue Finanzvorstand Giulio Terzariol das Wort zur Präsentation der Zahlen ergreift, sollten Anleger auf diese fünf Punkte achten.

Der Gewinn

Analysten gehen nicht von größeren Überraschungen aus. Insofern wäre es ein Rückschlag, würde die angestrebte Jahresprognose von 11,1 Milliarden Euro und die bisher vorhergesagte Schwankungsbreite von 500 Millionen Euro in beide Richtungen korrigiert.

Im ersten Halbjahr gab es zumindest keinen Anlass dazu. Mit dem operativen Gewinn von 5,8 Milliarden Euro, der nach sechs Monaten erreicht wurde, lag man beinahe auf Vorjahresniveau. Die negativen Auswirkungen durch Währungseffekte, die noch im ersten Quartal den Gewinn um sechs Prozent minderten, waren fast wettgemacht.

Ein neuer möglicher negativer Einflussfaktor könnten die starken Unwetter in den vergangenen Wochen in Japan und den USA sein. In diesen Regionen hatte die Allianz allerdings schon im schadensreichen Jahr 2017 gezeigt, dass sie nur von vergleichsweise überschaubaren finanziellen Belastungen betroffen war.

Der Aktienrückkauf

Erst drei, dann zwei, dann eins. So ließe sich die Strategie beschreiben, mit der die Allianz seit Anfang vergangenen Jahres begonnen hat. Damals kündigte Vorstandschef Bäte an, dass der Konzern erstmals eigene Aktien zurückkaufen wolle.

Einem Programm über drei Milliarden Euro folgte eines über zwei Milliarden, Ende September lief das folgende Programm über eine Milliarde Euro aus. Seither gab es keine Ankündigung mehr zu dem Thema.

Eine Neuauflage der Rückkäufe zum jetzigen Zeitpunkt wäre überraschend. Gehen Börsianer doch davon aus, dass die reichlich gefüllte Kasse für den digitalen Umbau, für alternative Anlageprodukte und weltweite Partnerschaft mit branchenfremden Handelspartnern wie in diesem Jahr mit JD.com in China genutzt werden soll.

Die Sachversicherung

Deren Umbau ist die dritte große Aufgabe im Konzern, nachdem zuvor die Bereiche Asset Management sowie der Lebensversicherungssektor umgebaut wurden. In der Vermögensverwaltung ist seither die US-Tochter Pimco wieder in der Spur, in der Lebensversicherung gelang der Umbau hin zu Produkten, die nicht mehr auf Garantien setzen, sondern stark an der Entwicklung am Kapitalmarkt orientiert sind.

Die Sachversicherung, in der der Kontakt zum Kunden durch die Massenprodukte Kfz, Haftpflicht oder Hausrat besonders intensiv ist, soll der geplante Umbau zu digitalen und vor allem sehr viel einfacheren Produkten zum Vorbild für den gesamten Konzern werden. Außerdem muss hier noch ein Ziel erreicht werden. Die angepeilte Schaden-Kosten-Quote von 94 Prozent war zuletzt zwar in Sichtweite, ein letzter Schritt fehlte jedoch noch.

Am Freitag wird es zwar keine konkrete Ankündigung zum Umbau der Sachversicherung geben, es dürfte sich aber zeigen, ob der Konzern in diesem wichtigen Bereich weiter auf Kurs ist.

Der Aktienkurs

Der war bislang in diesem Jahr eine Enttäuschung. Nachdem die Allianz-Aktie im vergangenen Jahr mit einem Plus von 25 Prozent doppelt so stark wie der Dax gestiegen war, tritt sie in diesem Jahr weitgehend auf der Stelle.

Die Mehrzahl der Analysten ist zwar weiterhin optimistisch. Kursziele von über 200 Euro halten sie für angemessen für die Aktie, die am Donnerstag knapp 187 Euro kostete. Wesentliche kurstreibende Effekte sollten Anleger allerdings noch nicht am Freitag, sondern erst drei Wochen später bei der Vorstellung der neuen Langfrist-Strategie erwarten.

Die Strategie

Die fünf großen Ziele der bisherigen Renewal Agenda dürfte Konzernchef Bäte bis zum Jahresende erreichen. Den nun folgenden Strategieplan, der vermutlich wieder auf drei Jahre ausgelegt sein wird, nennt der Konzern in der Ankündigung des Investorentags Ende des Monats ein „Update“.

Anleger dürfen so wohl nichts komplett Neues erwarten, sondern eher eine Weiterentwicklung und Feinjustierung der bisherigen Strategie. Der Fokus des Managements ist bereits klar ersichtlich.

Die jährliche Steigerung des Gewinns je Aktie um fünf Prozent oder das Erreichen einer Eigenkapitalrendite von 13 Prozent, wie sie in der Renewal Agenda standen, könnten zwar in ähnlicher Form fortgesetzt werden. Analysten und Investoren warten schließlich auf solche Zielgrößen.

Viel wichtiger als reine Zahlen sind Konzernchef Oliver Bäte indes der konsequente Umbau der Produktwelt in Richtung Digitalisierung sowie deren radikale Vereinfachung. Erst vor wenigen Tagen postete er, dass im Jahr 2021 drei Viertel des Online-Handels via Smartphone stattfinden werde.

Dort werden die Kunden nach allen Arten von Produkten und Services suchen, auch nach Versicherungen. Die Allianz will hier Vorreiter sein.

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