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Versicherungskonzern Zeitenwende bei der Arag: Paul-Otto Faßbender kündigt Abschied an

Paul-Otto Faßbender gibt nach 20 Jahren den Vorstandsvorsitz des Düsseldorfer Versicherungskonzerns ab. Den Job übernimmt erstmals ein Familienfremder.
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Im Juni 2020 will der Arag-Vorstandsvorsitzende Paul-Otto Faßbender das Amt an Renko Dirksen übergeben. Quelle: imago images / sepp spiegl
Paul-Otto Faßbender

Im Juni 2020 will der Arag-Vorstandsvorsitzende Paul-Otto Faßbender das Amt an Renko Dirksen übergeben.

(Foto: imago images / sepp spiegl)

DüsseldorfMehrheitseigner, Vorstandsvorsitzender, Urgestein in der Versicherungswirtschaft: Paul-Otto Faßbender ist das Gesicht der Arag. Doch nun steht der Abschied bevor. „Nach genau 20 Jahren an der Spitze der Arag wird es Zeit, sich aus der operativen Führung des Unternehmens zurückzuziehen“, sagte Faßbender. Noch ein gutes Jahr ist der 74-Jährige am Amt. Anfang Juli 2020 übergibt er den Stab dann an Renko Dirksen.

Der Personalwechsel ist aus verschiedenen Gründen bemerkenswert. Zum einen tritt mit Dirksen ein familienfremder Manager in die Fußstapfen Faßbenders. Bislang lag die Führung des 1935 von Heinrich Faßbender gegründeten Unternehmens in der Hand der Familie. Mit Dirksen übernimmt außerdem ein sehr junger Manager die Aufgabe des Vorstandssprechers: Der gebürtige Hannoveraner ist erst 42 Jahre alt.

Bei Arag hat Dirksen eine steile Karriere gemacht: Seit mittlerweile 14 Jahren arbeitet er bei dem Versicherer, einige Jahre davon in der Münchener Dependance. 2015 rückte er in den Vorstand auf, dort verantwortet er die Themen Kapitalanlagen, Konzernentwicklung und die Betriebsorganisation. „Mein Vertrauen hat er“, sagte Faßbender bei der Vorstellung seinen designierten Nachfolgers.

Der künftige Arag-Chef sagte noch nichts zu seinen Plänen. „Es ist kein Moment, eine Agenda vorzustellen“, sagte Dirksen. Ohnehin werde es keine großen Brüche geben. „Wir bleiben uns treu und dazu gehört, dass wir uns permanent weiterentwickeln.“

Vor allem das Thema Digitalisierung treibt den Vorstand bereits jetzt um. Mit dem „Arag Smart Insurer“-Programm hat der Konzern bereits 2018 viel Geld investiert, um das Geschäft zukunftsfest zu machen. „Die digitale Transformation ist ein wichtiger Baustein unserer Zukunftsgestaltung. Im Detail muss ich das nicht mehr operativ gestalten“, sagte Faßbender mit Blick auf den Generationenwechsel.

Gute Zahlen, trotz Dieselskandal

Operativ lief das Jahr 2018 bei der Arag gut. Der Konzern konnte 2018 seine Bruttobeiträge um 4,3 Prozent auf 1,65 Milliarden Euro steigern. Dabei ragt das Rechtsschutzgeschäft als wichtigste Einzelsparte heraus: Im Jahr 2018 wurde mit einem Plus von sieben Prozent erstmals die Marke von einer Milliarde Euro übersprungen. Unter dem Strich stieg der Konzernjahresüberschuss um 25 Prozent von 27,8 Millionen Euro im Vorjahr auf 34,7 Millionen Euro.

Allein das deutsche Versicherungsgeschäft wuchs um 4,1 Prozent auf 981 Millionen Euro. Auch hier war das Rechtsschutzgeschäft der wesentliche Faktor. Die Beiträge legten um gut sieben Prozent auf 379,5 Millionen Euro zu. Belastend wirkt der Dieselskandal, einer der größten Schadensfälle in den letzten Jahren. Arag erwartet ein Schadenaufwand von über 25 Millionen Euro. Bis dato hat die Versicherung über 8500 Deckungszusagen erteilt, davon entfalle über 8000 allein auf VW. Die neue Musterfeststellungsklage ist aus Sicht der Arag ein Fortschritt, weil sie die Gerichte entlastet. Auch hier ist der Versicherer engagiert.

Weniger gut lief es im Kompositsegment, darunter fallen die Sach-, Haftpflicht- und Unfallversicherung., Hier verringerten sich die Bruttobeitragseinnahmen um 1,9 Prozent auf 275,7 Millionen Euro. Im Krankenversicherungsgeschäft stiegen die Beitragseinnahmen dagegen um 2,4 Prozent auf 373,7 Millionen Euro. Arag setzt hier seinen Schwerpunkt auf Teilversicherungen.

Kooperationen mit Start-ups

Beim Thema Rechtsschutz sieht Arag den Markt vor einem Umbruch. In den letzten Jahren haben sich zahlreiche sogenannte Legal-Technology-Unternehmen etabliert, die den Rechtsschutz mit Hilfe digitaler Lösungen neu definieren. Es sind Start-ups, die juristische Arbeitsprozesse mit ihrer IT unterstützen oder gänzlich automatisiert durchführen. Viele solcher Lega Techs bieten Lösungen etwa im Mietrecht, Arbeitsrecht oder Verbraucherrecht an. „Das ist eine Chance und gleichzeitig eine Herausforderung“, sagte Dirksen.

Die Arag arbeite mit vielen Legal Tech-Unternehmen zusammen, um für den Umbruch gewappnet zu sein. Etwa mit der Firma Minek zur Prüfung von Mietnebenkosten oder mit „Dein guter Ruf“, wenn es um die Löschung reputationsschädigenden Interneteinträge gehe. Weitere Beispiele sind Tesch Inkasso für das Online Forderungsmanagement und Regu24 für die Erstellung Protokollen bei der Wohnungsübergabe.

Paul-Otto Faßbender wird die Entwicklungen weiter begleiten, wenn auch demnächst aus einer anderen Perspektive.  „Ich trete in den Aufsichtsrat ein“, sagte Faßbender. Wahrscheinlich übernimmt er auch den Vorsitz des Gremiums. Und als Mehrheitseigner bleibt er Arag ohnehin verbunden.

Mehr: Ende einer 35-jährigen Familienfehde – der Arag-Chef muss seiner Schwester Petra Faßbender eine Millionenabfindung für die Firmenanteile zahlen.

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