Viridium Cinven Profis der Resterampe – wie Abwicklungsplattformen von Niedrigzinsen profitieren

Für viele Versicherer sind Lebensversicherungen zum Ballast geworden. Davon profitieren Abwicklungsplattformen wie Viridium, die diese aufkaufen.
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Für viele Versicherer ist es schwer geworden, Lebensversicherungspolicen noch profitabel zu verwalten. Quelle: dpa
Lebensversicherungen

Für viele Versicherer ist es schwer geworden, Lebensversicherungspolicen noch profitabel zu verwalten.

(Foto: dpa)

FrankfurtDie Aussage ist klar und deutlich. „Altersvorsorge ist nichts, womit man spielt“, betonte Viridium-Boss Heinz-Peter Roß noch vor wenigen Wochen. Man wolle in der Lage sein, dass „auch der letzte Vertrag noch seine zugesagte Leistung bekommt“. Es ist eine Zusage, an der der Topmanager schon bald von vier Millionen Kunden der Generali gemessen werden wird.

Denn die Abwicklungsplattform Viridium steht vor dem Kauf von rund vier Millionen alter Lebensversicherungspolicen des zweitgrößten deutschen Lebensversicherungskonzerns Generali Deutschland.

Die deutsche Tochter des italienischen Versicherers hatte bereits im vergangenen Sommer verkündet, die Verträge eventuell an eine externe Run-off-Plattform weiterreichen zu wollen. Diese Firmen haben sich auf die Abwicklung von Lebensversicherungen spezialisiert. Dabei werden keine neuen Verträge mehr gemacht, bestehende aber fortgeführt.

Mit dem Generali-Deal setzt Viridium sich nun an die Spitze unter den Rivalen in Deutschland. Der Abwickler hatte hierzulande bisher mit dem Portfolio von Heidelberger Leben, Skandia und Entis (einst Protektor) nur drei kleinere Bestände übernommen. Neben Viridium buhlen auch die Frankfurter Leben und die Athene Leben als Spezialplattformen um die Altbestände der Versicherer.

Abwickler profitieren von den Niedrigzinsen

Hinter den Firmen stecken bekannte Namen. Bei Viridium sind es der Rückversicherer Hannover Rück aus dem MDax sowie der Finanzinvestor Cinven; bei Frankfurter Leben die BHF Bank und der chinesische Großinvestor Fosun. Athene gehört einer gleichnamigen Finanzholding, die mit dem Finanzinvestor Apollo verbunden ist.

Die an der Nyse notierte Athene Holding soll sich über die Tochtergesellschaft Athora ebenfalls bis zuletzt um die Bestände der Generali Leben bemüht haben und ein verbindliches Gebot abgegeben haben – doch letztlich machte Viridium das Rennen.

Das Geschäftsmodell der Abwickler ist grundsätzlich das gleiche: Sie setzen darauf, dass immer mehr deutsche Konzerne unter dem Druck anhaltender Niedrigzinsen ihre Lebensversicherer oder Pensionskassen beziehungsweise Teile davon abgeben wollen.

Denn für viele Versicherer sind die Verträge zum Ballast geworden, weil hohe Anforderungen der Aufsicht und ihre teils sehr alten IT-Systeme es schwermachen, die Bestände noch profitabel zu verwalten. Die Abwickler versprechen dagegen, mit niedrigeren Kosten zu arbeiten und diesen Vorteil zumindest teilweise an die Kunden weiterzugeben.

Bei vielen Lebensversicherungskunden lösen die Übernahmen jedoch ein mulmiges Gefühl aus. Sie befürchten negative Auswirkungen bei Service, Kosten und Ertrag, sollte ihre Police tatsächlich den Besitzer wechseln. So ist das Thema hochumstritten. Als im September 2017 bekannt wurde, dass die Munich- Re-Gesellschaft Ergo drei Töchter mit sechs Millionen Verträgen verkaufen wollte, reagierten Politiker, Gewerkschaften und Chefs anderer Versicherer empört. Von Treuebruch war die Rede.

Ergo zog die Verkaufspläne im November zurück und will jetzt selbst – zusammen mit IBM – Abwickler werden. Als abschreckendes Beispiel wird unter Verbraucherschützern oft Großbritannien genannt. Dort hat nicht jeder gute Erinnerungen an die Beteiligungsgesellschaft Cinven.

Plattformen gehen zum Teil ruppig mit Kunden um

Auf der Insel begann die Konsolidierung der Lebensversicherer anders als in Deutschland bereits vor 20 Jahren. Die Risikoaufschläge auf Anleihen waren stark gesunken, nachdem die Regierung die Bank of England im Jahr 1997 in die Unabhängigkeit entlassen hatte. Das traf die Gewinne‧ der Versicherer empfindlich, sie konnten die hohen Garantiezinsen für die Policenhalter nicht mehr finanzieren.

Doch einige der Abwicklungsplattformen gingen recht ruppig mit den neuen Kunden um: Die Ausschüttungen wurden immer schlechter, was ihnen in der britischen Presse den Titel „Zombie-Fonds” eintrug.

Nach vielen Beschwerden startete die Finanzaufsicht FCA im Jahr 2014 eine Untersuchung – und deckte viele Missstände auf. Die Aufseher entdeckten unter anderem Fälle von fehlender Transparenz gegenüber den Kunden sowie Tricksereien bei der Berechnung der Gebühren.

Cinven stieg 2011 in den britischen Markt ein. Für 275 Millionen Pfund kaufte die Private-Equity-Firma die traditionsreiche Guardian Life mit 500.000 Altverträgen. Vier Jahre später verkaufte die Beteiligungsgesellschaft das Geschäft für 1,6 Milliarden Pfund an Swiss Re.

Die Käufer der Altbestände versichern, dass sich die Fehler im britischen Markt hierzulande nicht wiederholen werden. „Wir konnten genau sehen, was in Großbritannien falsch gemacht wurde“, betonte Roß vor einigen Monaten. „Das A und O in der Altersvorsorge ist, dass das, was zugesagt wurde, bis zum Ende erfüllt wird“, erklärte der Manager. Die Kunden werden ihn an dieses Versprechen erinnern.

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