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Vis Raghavan im Interview Europachef von JP Morgan: „Eine Bankenkonsolidierung ist unausweichlich“

Vis Raghavan glaubt, dass JP Morgan gute Chancen in Deutschland hat. Im Interview spricht er über den Wettbewerb, die Digitalisierung und Fusionen.
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Der Europachef der Großbank ist davon überzeugt, dass Maschinen nicht vollständig die Geschäfte von Bänkern übernehmen werden. Quelle: Bert Bostelmann für Handelsblatt
Vis Raghavan

Der Europachef der Großbank ist davon überzeugt, dass Maschinen nicht vollständig die Geschäfte von Bänkern übernehmen werden.

(Foto: Bert Bostelmann für Handelsblatt)

FrankfurtSeit 2017 führt Vis Raghavan das Europageschäft des US-Finanzriesen JP Morgan. Als studierter Physiker ist er durchaus technikaffin. Dennoch glaubt Raghavan nicht, dass die Digitalisierung den menschlichen Banker überflüssig machen wird.

Herr Raghavan, die Digitalisierung verändert Investmentbanken wie JP Morgan radikal. Wird es in fünf Jahren noch Handelssäle geben, in denen Hunderte Händler Aktien oder Anleihen kaufen und verkaufen?
Das Handelsgeschäft ist doch heute schon stark digitalisiert – vor allem im Aktienhandel, aber zunehmend auch bei festverzinslichen Wertpapieren und Devisen. Der Fokus darf jedoch nicht darauf liegen, Prozesse um ihrer selbst willen zu automatisieren. Im Zentrum muss der Kunde stehen.

Er muss immer und überall auf seine Produkte zugreifen können. Wir werden auch in Zukunft viele Hundert Händler beschäftigen und große Handelssäle betreiben. Einfach deshalb, weil eine Investmentbank immer Liquidität bereitstellen muss. Und das Market-Making...

... also das kontinuierliche Bereitstehen als An- und Verkäufer...
Das können Maschinen nicht allein bewerkstelligen – was sich gerade in turbulenteren Zeiten an den Finanzmärkten wieder zeigen könnte. Am Ende des Tages sind Technologie und Digitalisierung nur Werkzeuge, um das Leben für Kunden und Banken zu erleichtern. Banking ist und bleibt eine Vertrauensbeziehung zwischen Menschen.

Der ehemalige Deutsche-Bank-Chef John Cryan glaubt, dank der Digitalisierung brauchten Banken künftig nur noch die Hälfte der Mitarbeiter.
Ich glaube das zu 100 Prozent nicht. Jüngst hat eine Studie des McKinsey Global Institute gezeigt, dass aufgrund neuer Technologien in der kommenden Dekade 800 Millionen Jobs verloren gehen. Aber 890 Millionen werden neu geschaffen. Was sich ändern wird, sind die Anforderungen an die Angestellten. Die repetitiven Aufgaben werden automatisiert. Im Gegenzug werden jene wichtiger, die Wert generieren, zum Beispiel die Beratung oder die Handelsstrategie.

Lassen Sie uns über die europäischen Banken reden. Warum sind sie gut zehn Jahre nach der Finanzkrise immer noch so schwach ?
Ich würde sie nicht als schwach bezeichnen. Es gibt großartige Banken in Europa, es gibt in jedem Markt Champions. Diese sind auf einzelnen Märkten stark, aber zum Beispiel häufig nicht im Asien- oder Nordamerika-Geschäft. Das liegt an ihrer langsameren Neuausrichtung nach der Finanzkrise und der schleppenden Erholung Europas.

Der Marktanteil der europäischen Institute sinkt kontinuierlich. Wird das so weitergehen?
Im Bankgeschäft steigen die Kosten weiter – für Kapitalbeschaffung, Regulierung, Technologie. Um erfolgreich zu sein, müssen diese Ressourcen über das größtmögliche Feld an Geschäftslinien verteilt werden. Geschäfte, die für JP Morgan teuer sind, können für andere Banken zu teuer sein, wenn es an der nötigen Größe fehlt.

Wenn Größenvorteile so wichtig sind, braucht Europa dann nicht mehr Fusionen?
Eine europäische Bankenkonsolidierung ist unausweichlich, sie ergibt Sinn. Und da wir jetzt endlich an einem Punkt angelangt sind, an dem sich die europäischen Volkswirtschaften und ihre Banken etwas erholt haben, gibt es eine gute Chance für eine baldige Konsolidierung.

Was wäre für die Deutsche Bank besser: der nationale Zusammenschluss, der derzeit ausgelotet wird, oder eine europäische Fusion?
Die konkrete Situation kann ich nicht kommentieren. Ob es eine nationale oder europäische Lösung gibt, muss jede Bank selbst entscheiden. Die Antwort hängt vom strategischen Fokus ab. Was ist die Mission der Bank? Will sie ein nationaler Champion sein, ein paneuropäischer Spieler, oder ein globaler?

Muss die deutsche Politik nicht befürchten, dass heimische Unternehmen künftig von US-Banken abhängig werden?
Nein. Es gibt doch effiziente Märkte. Wenn eine Bank keinen guten Job macht, kann eine andere sie ersetzen. Das kann eine US-Bank sein, eine europäische, eine chinesische, eine indische.

Gilt das auch in diesen protektionistischen Zeiten?
Die Welt ist polarisiert. Aber am Ende des Tages werden die Kapitalflüsse weiter global sein. Das Geld sucht sich seine Renditechancen. Die Globalisierung wird so schnell nicht rückabgewickelt, auch dank des Siegeszugs der Technologie.

Sie stellen im deutschen Unternehmenskundengeschäft neue Leute ein. Warum tun Sie das hier, wo sich viele Banken tummeln und die Margen niedrig sind?
Wir glauben, dass wir sehr gute Chancen in Deutschland haben, weil es hier sehr viele Start-ups, Entrepreneurs und Unternehmen mit globalen Ansprüchen gibt. Die brauchen das Brot-und-Butter-Geschäft ebenso wie die Beratung bei Fusionen und Übernahmen, auch in anderen Ländern und auf anderen Kontinenten. Nicht viele Banken können diese globalen Bedürfnisse erfüllen, wir schon.

Kommen die Kunden nicht auch deshalb zu Ihnen, weil Sie mit aggressiven Konditionen werben?
Das ist nicht unsere Strategie. Wir führen keinen Wettbewerb ausschließlich auf Preisbasis. Wir haben eine zweistellige Kapitalrendite, zeigen Disziplin in allem, was wir tun. Und wir denken langfristig.

Herr Raghavan, vielen Dank für das Interview.

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