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Volker Römermann „Das Vertrauen in die Qualität der Rechtsberatung wird beschädigt“

Für Freshfields hat die fehlerhafte Rechtsberatung im Cum-Ex-Skandal nicht nur finanzielle Konsequenzen. Auch die Reputation der Topkanzlei leidet.
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Der Experte ist der Meinung, dass die Topkanzlei Freshfields nicht nur finanzielle Schäden davontragen wird.
Prof. Dr. Volker Römermann

Der Experte ist der Meinung, dass die Topkanzlei Freshfields nicht nur finanzielle Schäden davontragen wird.

Düsseldorf Volker Römermann ist spezialisiert auf das Berufsrecht der Anwälte. Daneben berät der Honorarprofessor an der Humboldt-Universität zu Berlin vor allem im Gesellschafts- und Insolvenzrecht.

Im Interview spricht er über die Folgen des Cum-Ex-Skandals für die Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer.

Herr Römermann, die Kanzlei Freshfields hat im Cum-Ex-Skandal Mandanten falsch beraten. Ein Ex-Partner steht vor einer Anklage und wurde jüngst sogar in U-Haft genommen. Was bedeutet das für die Kanzlei?
Ich kenne den Fall nicht im Detail, aber offensichtlich sind vielen Banken durch die Cum-Ex-Geschäfte hohe Schäden entstanden. Offensichtlich sind viele Geschäfte nur deshalb gemacht worden, weil Freshfields entsprechend beraten hat. Geschädigte Mandanten werden Schadensersatz fordern, im Fall der Maple Bank ist das ja bereits geschehen. Die strafrechtlichen Ermittlungen zeigen, wie schwerwiegend der Fall ist.

Rechnen Sie damit, dass andere geschädigte Mandanten folgen?
Wenn sie sich auf die Expertise von Freshfields verlassen haben, ist damit zu rechnen. Fakt ist, dass die Geschäfte nicht funktionierten. Die Behörden fordern Steuern zurück, außerdem gibt es strafrechtliche Ermittlungen. Freshfields hat aber offenbar dazu geraten, die Geschäfte zu machen, und keine hinreichenden Warnhinweise ausgesprochen.

Sind solche Beratungsfehler versichert?
Sicherlich hat Freshfields eine Berufshaftpflichtversicherung abgeschlossen, aber die gilt nur bis zu einer gewissen Grenze. 50 Millionen Euro hat der Insolvenzverwalter der Maple Bank bekommen, zumindest teilweise dürfte die Versicherung gezahlt haben. Das sorgt aber für steigende Prämien. Man muss außerdem einschränken: Bei vorsätzlichen Straftaten zahlt die Versicherung nicht. Die Tatsache, dass nun einer der Partner angeklagt werden soll, könnte die Versicherung gefährden.

Wie teuer könnte es für die Kanzlei werden?
Neben dem zivilrechtlichen Schadensersatz droht eine Vermögensabschöpfung im Strafverfahren. In Deutschland gibt es zwar kein Unternehmensstrafrecht. Aber juristische Personen wie Freshfields können nach dem Ordnungswidrigkeitengesetz sanktioniert werden. Es könnte auf ein Bußgeld in Millionenhöhe hinauslaufen, außerdem könnten Honorare aus den illegalen Geschäften abgeschöpft werden.

Erwarten Sie, dass Freshfields Mandate verliert?
Spektakuläre Haftungsfälle wie dieser beschädigen sicherlich das Vertrauen in die Qualität der Rechtsberatung. Mandanten wollen sich darauf verlassen können, dass sie richtig beraten werden, gerade wenn sie Topkanzleien wie Freshfields beauftragen. Wenn es aber ein Einzelfall bleibt, erwarte ich zumindest langfristig keine nachteiligen Auswirkungen für die Kanzlei. Auf anderen Gebieten boomt das Geschäft von Freshfields, etwa mit Diesel-Mandaten des VW-Konzerns. Damit verbucht die Kanzlei Rekordumsätze.

Wie beurteilen Sie die Auswirkungen für die Reputation der Kanzlei?
Das ist sicher ein Problem. Ganz simpel betrachtet ging es bei den Cum-Ex-Deals ja darum, dass eine nur einmal gezahlte Steuer doppelt erstattet wird. Das sind Geschäfte zulasten des Staates. Grundsätzlich bin ich zwar der Meinung, dass Anwälte nur ihren Mandanten verpflichtet sind und auch Gestaltungsspielräume nutzen sollten. Doch in diesem Fall ging das offensichtlich zu weit.

Brauchen Kanzleien Aufpasser?
Diese Diskussion gibt es, Martin Henssler von der Universität zu Köln fordert Compliance-Beauftragte in Kanzleien. Die sollen darauf achten, dass nach Recht und Gesetz beraten wird. Der Cum-Ex-Skandal liefert gute Argumente für Hensslers Vorschlag.

Herr Römermann, vielen Dank für das Interview.

Mehr: Cum-Ex-Skandal: Insolvente Maple Bank bekommt 50 Millionen Euro von Freshfields.

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