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Volks- und Raiffeisenbanken Was sich eine Genossenschaftsbank von Stefan Effenberg als Berater verspricht

Die VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden verfolgt eine ungewöhnliche Strategie – mit Fußballfinanzierung, Stefan Effenberg als Berater und Windrädern.
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Der ehemalige Fußball-Profi arbeitet für die VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden. Quelle: imago/Sebastian Wells
Stefan Effenberg

Der ehemalige Fußball-Profi arbeitet für die VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden.

(Foto: imago/Sebastian Wells)

Bad SalzungenIm vergangenen Dezember sorgte die VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden bundesweit für Aufsehen – mit einem Coup in Sachen Personal. Die Volksbank-Raiffeisenbank gab bekannt, dass sie den ehemaligen Fußballprofi Stefan Effenberg als Berater für ihr Fußballgeschäft eingestellt hat. „Stefan Effenberg ist ein regulärer Angestellter unserer Bank und soll unserem Firmenkunden-Kompetenzteam Fußball mit seiner Expertise weiterhelfen“, erklärt Vorstand Jan Wettstein.

Klingt nüchtern, dabei ist Effenberg nicht irgendein Ex-Profi, sondern eine der schillerndsten Figuren der deutschen Fußballgeschichte und alles andere als unumstritten. Bei der WM 1994 beispielsweise zeigte er bei seiner Auswechslung pfeifenden Fans den Mittelfinger und wurde anschließend vorübergehend aus der Nationalmannschaft ausgeschlossen. Seine Biografie nannte der frühere FC-Bayern-Star „Ich hab’s allen gezeigt“. 

 Ein Motto, das auch gut zur Volksbank-Raiffeisenbank aus dem thüringischen Bad Salzungen passt. Die kleine Genossenschaftsbank kann man als Deutschlands eigenwilligste Bank bezeichnen. Sie gehört zu den wenigen Geldhäusern, die im Geschäft mit Fußballvereinen tätig sind. Ein Drittel aller Klubs der Ersten und Zweiten Bundesliga zählen zu ihren Kunden. Auch international ist die VR-Bank nach eigener Aussage gut vernetzt. Der „Spiegel“ bringt sie beispielsweise mit dem spanischen Spitzenteam Atlético Madrid in Verbindung. Der Vorstand will dazu keine konkrete Aussage machen. 

Umstrittene Geschäfte

Seit fast zehn Jahren investiert das Haus außerdem in erneuerbare Energien und vermietet mehr als 20 Immobilien. Obendrein besitzt die Bank fast 40 Ökostrom-Kraftwerke. Ihre Bilanzsumme ist in den vergangenen Jahren rasant gestiegen, auf bald eine Milliarde Euro. 2018 ist das „beste Jahr in der Geschichte unserer Bank“ gewesen, sagt Bankchef Stefan Siebert. Der Gewinn vor Steuern kletterte auf elf Millionen Euro.

Im genossenschaftlichen Sektor ist das Vorgehen der Bank umstritten. Andere Banken, die in der Regel nur Privat- und Firmenkunden vor Ort bedienen, sähen „mit Argwohn“ auf die Geschäfte in Bad Salzungen, sagt ein Insider. Die Frage, die sich viele stellen: Haben die Vorstände die Risiken im Griff? Manch anderer im Sektor ärgert sich auch über den Effenberg-Coup. Schließlich sind das boulevardeske Schlagzeilen, die viele Genossenschaftsbanker lieber nicht wollen. 

Zudem bricht die VR-Bank ein ungeschriebenes Gesetz – das sogenannte Regionalitätsprinzip, nach dem Volks- und Raiffeisenbanken nur in ihrem lokalen Geschäftsgebiet tätig sind: In Erfurt, wo eigentlich die Erfurter Bank aktiv ist, hat die VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden eine Geschäftsstelle eröffnet. „Für uns ist Erfurt ein interessantes Geschäftsgebiet, da wir in der Landeshauptstadt gut verknüpft sind“, sagt Vorständin Stefanie Hermann. Zuvor sei der Vorstand der Bank schon im Bereich der Vermietungswirtschaft dort tätig gewesen, sie habe die anderen Akteure vor Ort im Vorhinein über den Schritt informiert.

Aufregung im Sektor

Außerdem ist die Bank seit dem Sommer 2017 nicht mehr Mitglied beim Genossenschaftsverband, der die Hälfte aller Volks- und Raiffeisenbanken vertritt und prüft. Dass eine Volksbank oder Raiffeisenbank ihren eigentlichen Verband verlässt, kommt fast nie vor. Ihre Jahresabschlüsse lässt die Bank seither vom PDG Genossenschaftlichen Prüfverband prüfen und ist zudem nach eigener Aussage in weiteren Verbänden vertreten.

Die Anstellung von Effenberg ist nicht der einzige Grund, aus dem die VR-Bank Bad Salzungen für Aufregung im Sektor sorgt. Im vergangenen Sommer bekam die Bank zunächst Besuch von der deutschen Finanzaufsicht. Ein anonymer Hinweisgeber hatte die Bafin auf möglicherweise kritische Geschäfte der Bank hingewiesen. Die Bafin beauftragte daraufhin die Prüfungsgesellschaft EY mit einer Prüfung der Geschäfte. Laut Aussage der Bank fiel das Ergebnis der Prüfung positiv für sie aus.

Die Regionalzeitung „Freies Wort“ zitierte Ende Januar aus dem Abschlussbericht von EY: Demnach konnten bestimmte Rechtsgeschäfte „jeweils begründet werden und widersprechen nach unserer Beurteilung nicht den Sorgfaltspflichten der Geschäftsleiter“. Eine weitere Prüfung durch PwC im Auftrag des Aufsichtsrats bestätigte das Ergebnis, ebenso ein Gutachten durch eine Frankfurter Anwaltskanzlei, die der Vorstand der VR-Bank beauftragt hatte. Einige Wochen nachdem die Bafin vor Ort war, durchsuchte, auch aufgrund eines der Hinweise, die Staatsanwaltschaft Mühlhausen Geschäftsräume der Bank wegen des Verdachts der Untreue im Zusammenhang mit Immobiliengeschäften. Die Ermittlungen laufen noch, ein Abschluss sei noch nicht absehbar, teilte die Staatsanwaltschaft auf Anfrage mit. Zu den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft will sich die Bank selbst nicht äußern, da es sich um ein laufendes Verfahren handelt.

Antwort auf die Krise

Die Manager der VR-Bank Bad Salzungen wissen um ihre Stellung im Sektor. Aus ihrer Sicht ist die neue Strategie aber die richtige Antwort auf eine Krise, in der die Bank vor 16 Jahren steckte. Damals war sie auf die Hilfe der genossenschaftlichen Sicherungseinrichtung angewiesen. Siebert, der 2004 nach Bad Salzungen wechselte, sagt rückblickend: „Wir konnten nicht so weitermachen wie bisher. Wir mussten einen neuen Weg einschlagen.“

Das Geldhaus muss nicht nur Kritik einstecken. „Die Bank ist sehr innovativ und hat schon mehrfach neue Geschäftsfelder aufgetan. Durch die Einbindung externer Sachverständiger sichert sich die Bank ab“, meint Stephan Vomhoff, der regionale Banken und Sparkassen berät und die VR-Bank Bad Salzungen gut kennt. „Die Bankmanager nehmen bewusst in Kauf, dass ihr Geschäftsmodell nicht mehr das einer klassischen Volksbank ist.“ Auch in der Region sei die Bank sehr anerkannt, wie der Bürgermeister von Bad Salzungen, Klaus Bohl, erklärt: „Die VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden hält entgegen dem allgemeinen Trend ein dichtes Filialnetz aufrecht, bildet aus und unterstützt ehrenamtliche Vereine mit Spenden.“

Mitarbeit: Elisabeth Atzler

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