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Volksabstimmung Wieso die Schweizer Nationalbank gegen das Vollgeld ist

Eine Volksinitiative will in der Schweiz die private Geldschöpfung verbieten. Die Notenbank spricht sich dagegen aus – und wird dafür heftig kritisiert.
8 Kommentare
Vollgeld: Wieso die Schweizer Nationalbank dagegen  Quelle: dpa
Schweizer Flagge

Am Montag veröffentlichte die SNB eine ausführliche Begründung, in der sie darlegt, weshalb sie die Vollgeldinitiative ablehnt.

(Foto: dpa)

Zürich Woher stammt das Geld auf unseren Konten? Die Antwort auf die vermeintlich einfache Frage sorgt mitunter für Erstaunen. Denn der Großteil des Geldes, das sich in Deutschland im Umlauf befindet, stammt nicht von staatlichen Notenbanken wie der EZB, sondern wurde von den Privatbanken geschaffen. So auch in der Schweiz, wo das sogenannte Buchgeld rund 90 Prozent der Geldmenge ausmacht. Aber dort könnte sich das bald ändern.

Im Juni stimmen die Schweizer über die Einführung des sogenannten Vollgeldsystems ab. Die Macher der Initiative wollen dafür sorgen, dass nur noch die Schweizerische Nationalbank (SNB) neues Geld schaffen darf. Die Vorschläge sorgen für hitzige Diskussionen.

Jetzt hat sich die Nationalbank in den Referendums-Wahlkampf eingeschaltet: Am Montag veröffentlichte die SNB eine ausführliche Begründung, in der sie darlegt, weshalb sie die Vollgeldinitiative ablehnt. Die Notenbanker, die sich bei politischen Fragen sonst der Neutralität verpflichtet sehen, werden ungewöhnlich deutlich.

„Die Initiative würde die Geld- und Währungspolitik der SNB unmittelbar tangieren“, heißt es in einer Mitteilung. „Deshalb nimmt sie dazu Stellung.“ Die Initianten wiederum werfen der Nationalbank eine unerlaubte Einmischung vor. Sie habe „ein verkehrtes Demokratieverständnis“.

Die Initiative zielt auf einen wesentlichen Baustein des Finanzsystems ab: die Geldschöpfung, die Schaffung neuen Geldes. Sie wird bislang nur zu einem Teil von den staatlichen Notenbanken übernommen. Daneben entsteht derzeit sogenanntes Buchgeld, wenn eine Geschäftsbank einem Kunden einen Kredit gewährt. Die Bank schreibt dem Kunden dann ein Guthaben gut und notiert sich eine Verpflichtung.

Das Guthaben kann der Kunde weiterverwenden, um es etwa als Bargeld am Automaten abzuheben oder an jemanden zu überweisen. Inzwischen macht das Buchgeld rund 90 Prozent der von Bürgern und Unternehmen gehaltenen Geldmenge in der Schweiz aus.

Die Vollgeldinitiative möchte das ändern: Allein die Nationalbank soll neues Geld schaffen dürfen. Und das elektronische Buchgeld auf dem Bankkonto soll „echtes“ Geld werden, das deshalb Vollgeld genannt wird. Es soll so sicher sein wie Bargeld im Tresor, auch in den Zeiten einer Bankenkrise.

Wären alle Guthaben der Bürger so abgesichert, wären Banken nicht mehr „too big to fail“, so das Argument der Vollgeld-Befürworter: Scheitert eine große Bank, dann müsste sie nicht mehr vom Staat gerettet werden, um die Sparer zu retten.

Dennoch ist die Schweizerische Nationalbank von dem Vorschlag wenig angetan – und führt eine Reihe von Argumenten gegen die Reform ins Feld. So hätte sich das Finanzsystem in der Schweiz bewährt und sei sicherer geworden. Eine Umgestaltung bringe dagegen „große Risiken mit sich“.

Die Notenbanker fürchten, dass sie politischen Begehrlichkeiten ausgesetzt wären, wenn sie „schuldfreies“ Zentralbankgeld schafften. „Der Ruf nach Finanzierung von Projekten und Staatsausgaben über die SNB würde unweigerlich stärker“, schreiben die Notenbanker. „Die unabhängige Geldpolitik und damit die Erfüllung des Mandats wären gefährdet.“

So werde die Umsetzung der Geldpolitik erschwert. Zudem bezweifeln die Notenbanker, dass die Reform das Finanzsystem tatsächlich stabiler machen würde: „Kreditzyklen und Vermögensblasen können auch im Vollgeldsystem auftreten.“ Eine Annahme der Initiative könne die gemachten Versprechen also schlicht nicht erfüllen.

Die Initianten der Vollgeld-Initiative weisen die Kritik der SNB zurück. „Es ist schlicht gelogen, wenn die Nationalbank behauptet, dass die Umsetzung der Geldpolitik mit der Vollgeld-Initiative erschwert würde“, sagt Raffael Wüthrich, ein Sprecher der Initiative. Die Vollgeld-Initiative nehme der Nationalbank keines ihrer Werkzeuge weg.

Wüthrich wirft der Nationalbank vor, sich in den startenden Abstimmungskampf einzumischen. Die Bank missachte ihren Verfassungsauftrag und offenbare ein verkehrtes Demokratieverständnis. „Denn eigentlich gibt der Souverän seinen Institutionen den Auftrag und nicht umgekehrt.“ Die Bank mache sich mit ihrer Position zum Sprachrohr der Großbanken. „Die Nationalbank vertritt damit nicht das Interesse des Volkes und der Volkswirtschaft, sondern das der UBS und Credit Suisse.“

Zuvor hatte sich bereits der Bundesrat gegen die Initiative ausgesprochen, die von keiner Partei unterstützt wird. So werden dem Vorhaben in der Schweiz nur geringe Chancen eingeräumt. Doch noch ist das letzte Wort nicht gesprochen: Am Ende haben die Stimmbürger das Wort – und abgestimmt wird erst am 10. Juni.

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8 Kommentare zu "Volksabstimmung: Wieso die Schweizer Nationalbank gegen das Vollgeld ist"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • @Herr Heinz Keizer
    06.03.2018, 15:35 Uhr

    "eine Bank hat keine "eigenen" Einlagen. Sie hat Kaptialgeber. Entweder als Eigenkapital, z.B. Aktien, Genossenschaftsanteile oder als Fremdkapital z.B. Sparer, Käufer von Anleihen. "

    Das meinte ich. Danke für die Korrektur/Präzisierung

  • @ G. Nampf
    06.03.2018, 10:32 Uhr

    eine Bank hat keine "eigenen" Einlagen. Sie hat Kaptialgeber. Entweder als Eigenkapital, z.B. Aktien, Genossenschaftsanteile oder als Fremdkapital z.B. Sparer, Käufer von Anleihen. Wieviel EK eine Bank im Verhältnis zu den Krediten halten muß, ist festgelegt. Das hat aber mit Geldschöpfung, ob nun wirkliche oder vermeintliche, nichts zu tun. Um diese zu unterbinden, dürften die Banken nur EK ausleihen. Da wäre unsere Wirtschaft ziemlich bald am Ende.

  • @ Gregor Dietrich
    06.03.2018, 15:08 Uhr
    noch schneller als die Schweizer Banken können Sie Geld schöpfen, von 34'800 Millionen auf 34'800 Milliarden in einer Minute.
    "Die Banken haben sich das staatliche Hoheitsrecht der Geldherstellung angeeignet. " Das stimmt natürlich nicht. Die Kreditschöpfung ist ein technischer Vorgang, der von der Notenbank beeinflußt werden kann.
    "Vollgeld bedeutet: Öffentliche Geldherstellung und private Kreditvergabe. "
    Wie wird das Geld dann hergestellt? Und wie kommt es zur pviaten Bank? Aus Sicht der Bank ist es völlig egal, ob sie nun das Geld von privaten Anlegern bekommt oder von der Notenbank. Oder was soll/darf sie mit den Guthaben der Kunden machen? Wenn sie das an die Notenbank überweisen muß, dass könnte die Notenbank heute schon haben, bei einem Mindestreservesatz von 100 %. Ich und auch andere haben auch in diesem Forum schon öfters dargestellt, wie die "Geldschöpfung" der Banken funktioniert. Ich werde es nicht wiederholen. Man braucht für die Einsicht nur etwas Kenntnis von Buchführung und Bilanzen. Wenn sich die Leute, die ständig solche Forderungen aufstellen, damit nur ein wenig auseinander setzen würden, wären die Forderungen schnell vom Tisch.

  • Gewinne der Schweizer Banken aus der Geldherstellung: 2007 - 2014 >> 34'800 Millionen. :-D

  • Wer Kredite vergibt darf nicht gleichzeitig das Geld dafür herstellen!
    Vollgeld bedeutet: Öffentliche Geldherstellung und private Kreditvergabe.

    Die Banken haben sich das staatliche Hoheitsrecht der Geldherstllung angeeignet.
    Gewinne der Schweizer Banken aus der Geldherstellung: 2007 - 2014 >> 34'800 Milliarden!!

  • "Das Guthaben kann der Kunde weiterverwenden, um es etwa als Bargeld am Automaten abzuheben"
    Dann ist allerdings Schluß mit Geldschöpfung. Der Kunde hebt Zentralbankgeld ab. Die Bank hat weniger im Tresor. Die Geldschöpfung funktioniert nur, wenn Teile der Kredite als Guthaben stehen bleiben. Eine Notenbank könnte dies durch Änderungen bei den Mindestreserven, die eine Bank als Prozent von den Einlagen bei der Notenbank unterhalten muß, beeinflussen. Wenn die Banken nur noch das Geld ausleihen könnten, das sie im Tresor haben, wäre unser Bankensystem erledigt. Sie wären nur noch Filialen der Notenbanken. Wie diese Geld schöpfen sieht man gerade. Die Geldschöpfung ist nicht das Problem sondern zu wenig EK und die Trennung von Chance und Risiko. Sobald Kapitalgeber davon ausgehen müssen, dass sie im Insolvenzfall ihr Geld nicht mehr bekommen, wird sich das System ändern. Moral hazard würde damit unterbunden. Es ist schon erstaunlich, da soll Geldschöpfung durch Banken unterbunden, aber durch dubiose Computersysteme erlaubt werden.

  • Die Initiative hätte mehr Erfolg, wenn die Geldschöpfung der BAnken limitiert würde, indem die Banken mindestens 10 -20 % der Kredite mit eigenen Einlagen absichern müßten.

  • Lieber zurück zum Goldstandard ... dieses Fiat Geld ... ein WITZ ... ein WIIIITZZ...

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