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Vor Hauptversammlung Wichtiger Aktionärsberater ist gegen die Entlastung von Deutsche-Bank-Chefaufseher Achleitner

Der wichtige Stimmrechtsberater Glass Lewis macht dem Aufsichtsratschef des Geldhauses Vorwürfe wegen des Rauswurfs von Vorstandschef Cryan.
Update: 01.05.2018 - 09:20 Uhr 1 Kommentar
Deutsche Bank: Aktionärsberater Glass Lewis gegen Entlastung von Paul Achleitner Quelle: dpa
Paul Achleitner

Der Aufsichtsratschef Deutschen Bank hat neue Probleme.

(Foto: dpa)

FrankfurtNach dem überraschenden Führungswechsel und dem Hickhack um die künftige Strategie, steht die Deutsche Bank wieder einmal vor einer chaotischen Hauptversammlung. Denn der wichtige US-Stimmrechtsberater Glass Lewis empfiehlt den Anteilseignern, den Aufsichtsrat des größten heimischen Geldhauses nicht zu entlasten.

Das könnte vor allem für den Vorsitzenden des Kontrollgremiums, Paul Achleitner, zum Problem werden. „Wir glauben, dass die meisten Aktionäre das Scheitern des Unternehmens, eine kohärente und effektive Strategie zu entwickeln, zumindest teilweise dem Aufsichtsrat anlasten werden, heißt es in der Analyse von Glass Lewis, die dem Handelsblatt vorliegt. Deshalb sollten die Anteilseigner das Kontrollgremium auf der Hauptversammlung am 24. Mai nicht entlasten, empfehlen die Stimmrechtsberater.

Auch den Vorstand sollten die Eigentümer nach Meinung von Glass Lewis nicht entlasten. Die Begründung: „Wir glauben, dass eine ganze Anzahl von Aktionären erhebliche Zweifel an der Leistung des Vorstands hegen werden.“ Deshalb sei es „nicht im besten Interesse“ der Anteilseigner, die Leistung der operativen Konzernspitze auf der Hauptversammlung abzunicken, das gelte vor allem für den geschassten Vorstandschef John Cryan.

Die deutsche Tochter von Glass Lewis, Ivox, die teilweise noch strengere Regeln an das Abstimmungsverhalten anlegt als die US-Mutter, sieht den Aufsichtsrat der Deutschen Bank noch kritischer: Achleitner habe möglicherweise nicht im besten Interesse der Investoren gehandelt, als die Bank im April überraschend ihren Vorstandschef John Cryan gegen den bisherigen Privatkundenvorstand Christian Sewing ausgetauscht hat, heißt es in der Empfehlung.

Deshalb sollten die Aktionäre dem Aufsichtsrat bei der Hauptversammlung die Entlastung verweigern. Der Stimmrechtsberater schreckt zwar davor zurück, den Aktionären eine Abwahl von Achleitner zu empfehlen. Gleichzeitig stellt er aber fest, dass es im besten Interesse der Aktionäre sei, mit der Nachfolgesuche zu beginnen.

Bei der vom Aktionär Karl-Walter Freitag auf die Tagesordnung gesetzten Abstimmung über die Abwahl von Achleitner empfahl Glass Lewis den Anteilseignern, sich zu enthalten. Da kein sofortiger Nachfolger für den Österreicher in Sicht sei, sei ein Votum für eine Ablösung mit zu vielen Risiken verbunden.

Ein „Nein“ sende dagegen ein falsches Signal, dass kein Wechsel notwendig sei. Auch bei der ebenfalls von Freitag geforderten Abwahl von Katar-Vertreter Stefan Simon aus dem Aufsichtsrat empfiehlt Glass Lewis eine Enthaltung.

„Offenbar ist es dem Aufsichtsrat nicht gelungen, eine stabile Vorstandsmannschaft zusammenzustellen oder im Amt zu belassen“, moniert Ivox. Innerhalb der letzten sechs Jahre sei die Vorstandsspitze dreimal ausgetauscht worden, was „entweder die Auswahl der Kandidaten oder die Zusammenarbeit mit den bestellten Kandidaten fragwürdig erscheinen lässt“. Als Aufsichtsratschef und Vorsitzenden des Nominierungsausschusses treffe das vor allem Paul Achleitner, betont Ivox. Die Deutsche Bank will die Vorwürfe nicht kommentieren.

Glass Lewis und Ivox sind die ersten großen Aktionärsberater, die ihre Empfehlungen zur Hauptversammlung der Deutschen Bank abgegeben haben. Noch wichtiger als Glass Lewis ist allerdings die Empfehlung des US-Stimmrechtsberaters ISS, der will seinen Rat an die Aktionäre aber erst rund eine Woche vor der Hauptversammlung veröffentlichen. Ähnliche Kritik wie von Glass Lewis ist jedoch auch von anderer Seite zu hören.

Kurz nach Ostern hatte die Deutsche Bank Knall auf Fall mit dem bisherigen Privatkundenvorstand Christian Sewing einen neuen Vorstandschef installiert. Sein Vorgänger Cryan musste gehen, weil ihm wichtige Großaktionäre aber auch Aufsichtsratschef Achleitner Entscheidungsschwäche vorwarfen.

Cryan sei bei harten Eingriffen zu zögerlich gewesen und habe zu lange gebraucht, um die für die Sanierung der Bank nötigen Entschlüsse in die Tat umzusetzen. Zusammen mit den schwachen Zahlen für das erste Quartal verkündete der neue Vorstandschef Sewing in der vergangenen Woche nun einen Strategieschwenk.

Die Deutsche Bank gibt endgültig ihren Anspruch als globale Investmentbank auf und zieht sich teilweise aus dem Investmentbanking zurück, vor allem in den USA. Stattdessen will Sewing künftig stärker auf stabilere Geschäftsbereiche wie das Privatkundengeschäft, das Asset Management und das Transaction Banking setzen.

Durch den chaotischen Führungswechsel und den Kursrutsch an der Börse geriet auch Achleitner wieder in die Diskussion. Große Aktionäre werfen ihm vor, dass er Cryan selbst als Vorstandschef installiert und die bisherige Ausrichtung der Bank mitgetragen habe.

Hans-Christoph Hirt vom einflussreichen britischen Aktionärsberater Hermes EOS kritisiert, dass Achleitner „als Aufsichtsratschef eng in die Entwicklung der Strategie der Bank eingebunden und damit mitverantwortlich für eine Reihe von Kehrtwenden ist“.

Michael Hünseler, Geschäftsführer des Vermögensverwalters Assenagon wirft dem Aufsichtsratschef vor, dass er angesichts der schwachen Ergebnisse der vergangenen Quartale Cryan nicht früher abgelöst habe. Das Fazit des Fondsmanagers: „Nach allem, was in der Zwischenzeit passiert ist, muss ich sagen, dass ich enttäuscht von Herrn Achleitner bin.“

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1 Kommentar zu "Vor Hauptversammlung: Wichtiger Aktionärsberater ist gegen die Entlastung von Deutsche-Bank-Chefaufseher Achleitner"

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  • Zum Thema Aufsichtsrat
    Seit 11 Jahre geht es mit der ehemals angesehenen Deutschen Bank bergab. Und das passiert in Deutschland, einer global führenden Technologie- und Exportnation mit florierender Wirtschaft.
    Worauf man sich in den letzten 10 Jahren bei der Deutschen Bank verlassen konnte:
    - Die Unfähigkeit des überdimensionierten Aufsichtsrates, den wahren Missstand zu erkennen, richtige Entscheidungen zu treffen und der Bank zu helfen.
    - Den unerschütterlichen Glauben daran, dass die Probleme der Bank mit jenen zu lösen sind, die sie verursacht haben. (Vorstand, Aufsichtsrat)
    - Absurdes Boni System das auch bei Verlusten oder bei kritischer Unternehmenssituation verlässlich funktioniert und riesige Summen freigibt.
    - Überproportionaler Personalstand im Vergleich zu ähnlichen Instituten. John Cryan: „Die meisten Großbanken kommen mit der Hälfte der Angestellten aus“! Und bei neuer IT und KI verschärft sich dieses Thema weiter.
    - Enorme unüberschaubare Altlasten die zum Schrecken ohne Ende mutierten. (Gran (Grüße an Ackermann und A. Jain)
    - Wiederholte Kapitalerhöhungen (6 in 10 Jahren), vermutlich zum Beheben von Altlasten oder zur Boni Finanzierung. (Grüße an Ackermann, Jain und Cryan)
    - Präsentationen von Scheinperspektiven mit nachfolgenden schlechten Nachrichten in Serie. (Grüße an Ackermann und Fitschen)
    - Keine kreative eigene Strategie, die Bank reagiert nur und hofft auf bessere Zeiten insbesondere im Investmentbanking. (Hoffnung bedeutet hier Ohnmacht)
    - Die Unfähigkeit einzusehen, dass das ganze System „erkrankt“ ist und weitere Infusionen nicht die notwendige Gesundung einleiten. Dies gehört auch zum Thema des Kulturwandels.
    - Auf den konstanten Wertverlust der Unternehmensbeteiligung (Aktien) mit enttäuschten, hinters Licht geführten Aktionären. HB: „Eine Falle für Aktionäre“
    Es wäre die Verantwortung des Aufsichtsrates gewesen, schon vor mehr als 11 Jahren und bis heute auf die Bank aufzupassen, auf ihre Kultur, Entwicklung und ihr Ansehen zu achten.

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