Vor Parlamentswahlen Allianz und Fidelity setzen auf Italien-Bonds

Die Wahlen in Italien gelten als das größte politische Risiko in diesem Jahr in Europa, aber der Rentenmarkt ist nicht übermäßig besorgt.
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Die Parlamentswahlen im März gelten als das größte politische Risiko in diesem Jahr in Europa. Quelle: dpa
Italien

Die Parlamentswahlen im März gelten als das größte politische Risiko in diesem Jahr in Europa.

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LondonDer Risikoaufschlag der 10-jährigen Staatsanleihen des Landes gegenüber deutschen Bundesanleihen liegt auf Kurs für einen vierten Quartalsrückgang in Folge, was ein solides Anlegervertrauen widerspiegelt. Das steht im Gegensatz zum Trend an den französischen Märkten vor den Wahlen im vergangenen Jahr. Brian Tomlinson, Vermögensverwalter bei Allianz Global Investors GmbH, bevorzugt den Kauf von 15-jährigen italienischen Wertpapieren gegen fünfjährige deutsche Papiere. Fidelity International setzt mit italienischen Anleihen gegen Spanien-Bonds.

Der Optimismus der Investoren basiert auf mehreren Dingen: Für Tomlinson hat sich der Kauf der italienischen Papiere in Zeiten erhöhter Risiken in der Vergangenheit bezahlt gemacht, da sie sich relativ widerstandsfähig zeigten. Fidelity vertraut auf die Tatsache, dass die Wertpapiere zu den liquidesten in Europa gehören. Italiens Investment-Grade-Ratings und Renditen, die zu den höchsten im Euroraum gehören, haben die Nachfrage nach den Anleihen des Landes im vergangenen Jahr vor dem Hintergrund einer regionalen wirtschaftlichen Erholung gestützt.

„Es hat sich immer bezahlt gemacht, die Schwäche in Italien zu kaufen, und das wird dieses Mal nicht anders sein“, sagt Tomlinson, der etwa eine halbe Billion Euro betreut, in einem Interview mit Bloomberg in London. „Italienische Papiere mit längeren Laufzeiten sind definitiv eine attraktive Überlegung.“

Die nächste Herausforderung für Anleger in Italiens Schuldpapieren kommt mit der Wahl am 4. März, bei der keine Partei innerhalb des zersplitterten politischen Systems des Landes eine absolute Mehrheit finden dürfte. Mit der euroskeptischen Fünf-Sterne-Bewegung, die die Wahlumfragen anführt, und der Aussicht auf eine Hängepartie im Parlament, gilt die Abstimmung als Schlüsselrisiko für ein wiedererstarktes Europa.

Dessen ungeachtet sank die Risikoprämie der 10-jährigen Italien-Bonds gegenüber Bundesanleihen am 7. Februar auf 120 Basispunkte – die niedrigste Differenz seit September 2016. Der Spread kletterte am Dienstag in London um 6 Basispunkte auf 133 Punkte in mitten einer Woge von Neuemissionen. Die Renditen 10-jähriger italienischer und spanischer Anleihen lagen bei 2,11 Prozent bzw. 1,50 Prozent.

Während sich die Renditeaufschläge gegenüber deutschen Papieren verringert haben, hinken die italienischen Anleihen ihren portugiesischen und spanischen Pendants hinterher, da diese von von Bonitätsverbesserungen profitierten. Das liege zum Teil an der Risikoprämie, die im Vorfeld der Wahlen bei Italiens Staatsanleihen eingepreist wurde, sagt Andrea Iannelli, Vermögensverwalter bei Fidelity International. Die Gesellschaft verwaltet 323,7 Milliarden Dollar.

„Wir sind ziemlich glücklich mit einem italienisches Risiko, da wir wissen, dass wir es taktisch handeln können, wenn wir wollen, weil es liquide ist“, sagt Iannelli. „Mit geringen Transaktionskosten ist es einfach, ein- und auszusteigen.“

Italienische Anleihen gehören zu den liquidesten der Region, da es ein relativ hohes Volumen umlaufender Papiere gibt – die ausstehenden Schulden des Landes machen etwa 130 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus – und Terminkontrakte auf die Bonds aktiv gehandelt werden.

Investec Asset Management hat die bevorstehende Abstimmung hingegen als „Risikoereignis“ bezeichnet und ist darauf vorbereitet, seine „bescheidene“ Position in den Wertpapieren des Landes zu verstärken.

Ein im vergangenen Jahr verabschiedetes italienisches Wahlgesetz fördert die Bildung von Koalitionen – was Fünf Sterne traditionell ablehnt. Dies macht einen Pakt zwischen Mitte-Rechts-Parteien – einschließlich Forza Italia, unter der Führung des ehemaligen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi – für viele Investoren zum Basisszenario des Wahlergebnisses – trotz Signalen für Meinungsverschiedenheiten. Zu den Unsicherheiten kommt hinzu, dass etwas mehr als ein Drittel der Sitze nach dem Prinzip der Mehrheitswahl vergeben wird, während der Rest proportional zugewiesen wird.

Dies mache es den Anlegern schwer, sich auf die Umfragen zu verlassen, sagt Russell Silberston, Vermögensverwalter bei Investec, die weltweit rund 124 Milliarden Dollar verwaltet. Für Russell ist daher die Möglichkeit eines überraschenden Ergebnisses ein unterschätztes Risiko.

„Wir haben eine bescheidene Short-Position, werden aber eine aggressivere Position einnehmen, wenn wir der Meinung sind, dass ein chaotisches Wahlergebnis sich negativ auf unser Portfolio auswirkt“, sagt er. „Niemand scheint dieses Mal besonders besorgt zu sein, aber es gibt eindeutig Raum für eine langwierige Phase der Unsicherheit.“

Darüber hinaus kommt die Wahl zu einem Zeitpunkt, da die Europäische Zentralbank ihr Anleihenkaufprogramm zurückschraubt, dessen größte Nutznießer italienische Papiere waren. Während die EZB ihre Käufe reduziert, sollte die Nachfrage von anderen Investoren Tomlinson zufolge jedoch den Markt beleben und stützen.

„Es gibt immer noch genug Nachfrage nach Rendite von Seiten der Investoren, um in die Lücke zu füllen, wenn die EZB weggeht“, sagt er. „Ich glaube nicht, dass der Ausstieg der EZB aus der Ankaufsszene zu einer Ausweitung der Spreads führen wird, da die Fundamentaldaten in Europa ziemlich gesund sind, der Euro stark ist und voraussichtlich stärker wird, so dass es derzeit keine existenzielle Bedrohung für die Eurozone gibt.“

  • Bloomberg
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