Vorläufige Zahlen Gewinneinbruch - Munich Re hebt Dividende nicht an

Die Naturkatastrophen im Spätsommer setzen der Bilanz des Rückversicherers zu. Anders als gewohnt, verharrt die Dividende auf Vorjahresniveau.
Kommentieren
Der neue Munich-Re-Chef legt zunächst schlechtere Zahlen vor. Quelle: picture alliance / SZ Photo
Joachim Wenning

Der neue Munich-Re-Chef legt zunächst schlechtere Zahlen vor.

(Foto: picture alliance / SZ Photo)

MünchenDie Anleger der Munich Re sind Erfolg gewöhnt. Nun muss die der neue Chef Joachim Wenning enttäuschen. In seinem ersten Jahr an der Spitze der Munich Re kann er bei der Bilanz in sechs Wochen nur einen vergleichsweise kleinen Gewinn von 392 Millionen Euro verkünden. Das wurde am Dienstagfrüh bekannt, als der Rückversicherer die vorläufigen Zahlen für 2017 bekanntgab.

Unter seinem Vorgänger Nikolaus von Bomhard waren die Aktionäre in der Regel Gewinne von über zwei Milliarden Euro, manchmal gar über drei Milliarden Euro, gewohnt. Unvorbereitet traf sie der Gewinneinbruch indes nicht. Die schweren Wirbelstürme „Harvey“, „Irma“ und „Maria“, die im Spätsommer über Teile der USA, die Karibik und den Golf von Mexiko hinwegfegten, belasteten das Ergebnis erwartungsgemäß schwer.

Allein im dritten Quartal fielen 3,2 Milliarden Euro an Großschäden an. Darin enthalten waren 2,7 Milliarden Euro, die zur Begleichung der Schäden der drei Wirbelstürme nötig waren. Insgesamt fielen im abgelaufenen Jahr über 4,3 Milliarden Euro an Großschäden an und damit fast dreimal so viel wie 2016. Dass unter diesen besonderen Voraussetzungen nur ein kleiner Gewinn möglich war, stand bereits seit Herbst fest.

Mit einem einfachen „Weiter so“ wird der neue Chef den Konzern nicht durch die kommenden Jahre führen können. Quelle: PR Munich Re
Sitz der Munich Re

Mit einem einfachen „Weiter so“ wird der neue Chef den Konzern nicht durch die kommenden Jahre führen können.

(Foto: PR Munich Re)

„Dank unserer Kapitalstärke konnten wir die hohen Schäden durch Naturkatastrophen gut verkraften“, so Finanzvorstand Jörg Schneider. Das Eigenkapital sank im vergangenen Jahr zwar um 3,6 Milliarden Euro, liegt aber immer noch bei auskömmlichen 28,2 Milliarden Euro.

Der Kurseinbruch, den die Aktie nach den Unwettern verzeichnet hatte, ist mittlerweile weitgehend aufgeholt. Das vierte Quartal verlief wieder positiv. Der Überschuss fiel nach vorläufigen Berechnungen mit 538 Millionen Euro sogar höher aus als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum: Da lag er bei 486 Millionen Euro. Der Bestand an Kapitalanlagen ohne Versicherungsbezug zu Buchwerten betrug 217,6 Milliarden Euro und damit ebenfalls nur knapp weniger als die 221,8 Milliarden Euro im Jahr davor.

Dennoch müssen die Anleger eine Enttäuschung verkraften, die sie nicht gewohnt sind. Über Jahre ist die Dividende der Munich RE gestiegen. Diesmal aber soll sie bei 8,60 Euro verharren und damit auf dem Niveau des Vorjahres bleiben. Analysten hatten im Vorfeld mit einem leichten Anstieg auf 8,85 Euro je Aktie gerechnet. Zum aktuellen Kurs von unter 190 Euro ergibt sich so aber immer noch eine Dividendenrendite von rund 4,5 Prozent, womit die Aktie ganz weit oben unter den 30 Dax-Werten rangiert.

Operativ entwickelt sich ausgerechnet das einstige Sorgenkind Ergo weiter positiv. Der eingeschlagene Restrukturierungskurs von Konzernchef Markus Riess schlägt sich mittlerweile auch in den Zahlen nieder: Der Überschuss lag bei 273 Millionen Euro und damit weit über den 41 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Damit hat Ergo auch das im August angehobene Ziel einer Spanne von 200 bis 250 Millionen Euro übertroffen. Einerseits wurde das durch geringere interne Kosten möglich, andererseits durch geringere Aufwendungen für Schadensfälle. Besonders das Geschäft in Polen lief erfreulich. Die Schaden-Kosten-Quote, also das Verhältnis Beitragseinnahmen zu den Ausgaben für Schäden, fiel von 100,2 Prozent auf 94,7 Prozent. Wo somit noch im Jahr davor etwas mehr ausgezahlt als eingenommen wurde, fiel das Verhältnis diesmal besser aus.

Im anderen Kerngeschäft der Munich Re, der Rückversicherung, zeichnet sich zumindest eine leichte Entspannung ab. Waren in den Jahren davor die Prämien stets unter Druck, so zeichnet sich jetzt zumindest in den Märkten, die von jüngsten Naturkatastrophen besonders betroffen waren, ein Preisanstieg ab. Anderswo stabilisieren sich die Preise zumindest oder stiegen leicht. Eine Entwarnung ist das aber noch lange nicht.

Auch bei der jüngsten Erneuerungsrunde der Branche im Januar war das Angebot hoch. Weiterhin suchen Neueinsteiger wie Hedgefonds oder Großinvestoren in diesem Markt nach Chancen und drücken die Preise. Mit deutlich steigenden Prämien ist deshalb bei den künftigen Erneuerungsrunden im April in Japan und im Juli in den USA, Lateinamerika und Australien nicht zu rechnen.

Im Januar stand bei der Munich Re rund die Hälfte des Rückversicherungsgeschäfts außerhalb des Lebensversicherungsbereichs zur Erneuerung an. Bei einem Prämienvolumen von 8,3 Milliarden Euro wurden rund 1,2 Milliarden Euro nicht erneuert. Demgegenüber wurde das Neugeschäft mit einem Volumen von rund 2,3 Milliarden Euro gezeichnet. Das Geschäftsvolumen erhöhte sich damit um 19 Prozent auf rund 9,9 Milliarden Euro. Darunter fallen besonders neue großvolumige Verträge in den USA und in Australien.

Startseite

Mehr zu: Vorläufige Zahlen - Gewinneinbruch - Munich Re hebt Dividende nicht an

0 Kommentare zu "Vorläufige Zahlen: Gewinneinbruch - Munich Re hebt Dividende nicht an"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%