Commerzbank

Im ersten Halbjahr hat das Institut einen Gewinn von 533 Millionen Euro eingefahren.

(Foto: Reuters)

Vorstand Michael Mandel Commerzbank peilt mehr Wachstum im Privatkundengeschäft an

Privatkundenvorstand Mandel geht in die Offensive: Wegen des Margendrucks will er beim Geschäftsvolumen nun noch deutlicher zulegen.
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FrankfurtDie Commerzbank will das Geschäftsvolumen im Privatkundensegment stärker ausbauen als bisher geplant, um ihre für 2020 ausgegeben Ziele zu erreichen. Im Privatkundengeschäft stünden die Gewinnmargen im Kredit- und Wertpapiergeschäft aktuell unter Druck, sagte Vorstand Michael Mandel im Handelsblatt-Interview. „Das bedeutet, dass wir unser Geschäftsvolumen deutlicher steigern müssen, um unsere Ertragsziele zu erreichen. Konkret: Wir wollen mehr Assets reinholen und die zum Teil niedrigen Margen so kompensieren.“

2016 hatte das Institut im Rahmen seiner Strategie „Commerzbank 4.0“ angekündigt, das Geschäftsvolumen (Assets under Control) im Privatkundengeschäft von 338 Milliarden Euro bis 2020 auf über 400 Milliarden Euro zu steigern. Dazu zählen Kredite, Einlagen und das Wertpapiervolumen. Ende Juni lag die Bank bereits bei einem Geschäftsvolumen von 386 Milliarden Euro und hat ihr Jahresziel für 2018 damit bereits übertroffen.

Finanzchef Stephan Engels hatte am Dienstag bei der Vorlage der Halbjahreszahlen bereits angedeutet, dass die Commerzbank ihre Ziele bei der Bilanzpressekonferenz Anfang 2019 noch einmal „adjustieren“ könnte. Es sei Teil der Strategie, dem Margendruck mit Wachstum zu begegnen, sagte Engels. „Wie wir das dann austarieren, werden wir sicherlich dann nochmal anschauen.“

Die Commerzbank hat im ersten Halbjahr einen Gewinn von 533 Millionen Euro eingefahren, was einer Netto-Eigenkapitalrendite von 4,3 Prozent entspricht. 2020 will das Geldhaus über sechs Prozent erreichen. Die Erträge, die im ersten Halbjahr lediglich um zwei Prozent zulegten, sollen 2020 auf mehr als 9,8 Milliarden Euro klettern. Viele Analysten haben allerdings Zweifel, dass Deutschlands zweitgrößte Privatbank ihr Ertragsziel erreichen wird.

„Wir wollen mehr Assets reinholen und die zum Teil niedrigen Margen so kompensieren.“ Quelle: Bernd Roselieb für Handelsblatt
Commerzbank-Vorstand Michael Mandel

„Wir wollen mehr Assets reinholen und die zum Teil niedrigen Margen so kompensieren.“

(Foto: Bernd Roselieb für Handelsblatt)

„Es ist ein fairer Punkt zu sagen, dass wir am Ertragswachstum noch arbeiten müssen“, räumte Mandel im Gespräch mit dem Handelsblatt ein. Aber nun müsse das Geldhaus eben kämpfen, um seine Ziele zu erreichen. „Eine Wachstumsstrategie ist keine Einbahnstraße, wo es automatisch immer weiter nach oben geht“, sagte der Privatkundenvorstand. „Wir müssen immer schauen, wo wir stehen, und wenn notwendig nachsteuern.“

Neue Plattform für eine bessere Beratung

Um mit Privatkunden mehr Geld zu verdienen, will das Institut ihnen künftig unter anderem gezieltere Angebote unterbreiten. Die Bank werde in den nächsten Wochen deshalb die Analyseplattform Dynamics einführen, kündigte Mandel an. „Unsere Mitarbeiter erhalten so die notwendigen Informationen, um ihren Kunden im richtigen Moment die richtigen Angebote zu unterbreiten. Das wird zu einer Verbesserung unserer Beratung führen.“

Stimmt der Kunde zu, greift Dynamics unter anderem auf Daten aus Beratungsgesprächen und dem digitalen Haushaltsbuch zu. „Dadurch können wir zum Beispiel sehr gut sehen, ob er an seinem Wohnort zu viel Miete bezahlt“, erklärt Mandel. „Falls ja, bekommt der Berater einen Hinweis, auf den Kunden zuzugehen und mit ihm über eine mögliche Baufinanzierung zu sprechen.“ Auch bei der telefonischen Beratung oder im Onlinebanking könne man auf den Kunden dank Dynamics künftig besser eingehen.

„Schalten wir zentral eine Kampagne zur Baufinanzierung, dann sind die Streuverluste sehr hoch. Denn viele Kunden brauchen eine solche Finanzierung im Moment der Werbung gar nicht“, betonte Mandel. „Künftig werden wir das bei bestimmten Themen individueller, also kundengenauer, steuern. Wenn wir wissen, dass ein Kunde keine Baufinanzierung braucht, dann sprechen wir ihn auch nicht auf Immobilienkredite an.“

Mandel ist euphorisch, wenn er über das neue Projekt spricht. Und er ist zuversichtlich, dass die im Herbst 2016 verkündete Strategie in den nächsten Jahren Früchte tragen wird. Wegen des drohenden Abstiegs der Commerzbank-Aktie aus dem deutschen Leitindex Dax will er sich dabei nicht die Stimmung vermiesen lassen. „Wir verfolgen eine Strategie, die langfristig Wert für die Bank schaffen und den Kurs nach oben bringen soll“, sagte Mandel. „Dass das nicht innerhalb von anderthalb Jahren gelingt, war von Anfang an klar.“

Hier lesen Sie das ganze Interview mit Michael Mandel.

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