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Währungskrise Türkische Banken werden notleidende Kredite nicht los

Die türkische Regierung hat sich dafür eingesetzt, dass Banken schlecht laufende Verträge an Investoren abtreten. Doch die Verhandlungen stocken.
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Türkei: Banken werden notleidende Kredite nicht los Quelle: Reuters
Filiale von Yapi Kredi in Istanbul

Türkische Banken ächzen unter einer immer schwereren Last von Krediten, die eventuell nicht zurückbezahlt werden.

(Foto: Reuters)

IstanbulTürkische Banken haben sich nicht mit internationalen Investoren darauf einigen können, Teile ihrer notleidenden Kredite zu verkaufen. Die Geldhäuser hätten zu hohe Preise verlangt, erfuhr das Handelsblatt von Teilnehmern eines Treffens in Istanbul, bei dem es um den Verkauf spezieller Kreditpakete gegangen sei.

Investoren sollen einen Abschlag von 30 Prozent sowie Anteilsscheine an den Banken, die die Kredite verkaufen wollen, verlangt haben, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Das Handelsblatt erfuhr, dass die türkischen potenziellen Verkäufer unter diesen Bedingungen kaum daran interessiert gewesen seien, die „non-performing loans (NPL)“ genannten schlecht laufenden Kredite abzutreten.

Damit ist ein Plan von Finanzminister Berat Albayrak, den Banken den Verkauf von NPLs zu erleichtern, vorläufig gescheitert. Albayrak hatte im April angekündigt, den Banken des Landes vor allem notleidende Kredite im Immobilien- und Bausektor abzunehmen und zu veräußern. Die schlechten Kredite dieser beiden Sektoren sollen in je einen Fonds übertragen werden, an dem sich Investoren beteiligen können. Er hatte auf einem Treffen mit Investoren in New York Vorverhandlungen unter anderem mit Goldman Sachs geführt.

Nach Handelsblatt-Informationen nahmen vor allem amerikanische und britische Investoren an dem Treffen teil. Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, Goldman Sachs und Bain Capital seien Teilnehmer gewesen. Der Agentur zufolge hätten sich die Teilnehmer nicht einmal darauf einigen können, was überhaupt ein notleidender Kredit sei.

Türkische Banken ächzen unter einer immer schwereren Last von Krediten, die eventuell nicht zurückbezahlt werden. Schon jetzt müssen die Geldhäuser, zu denen Akbank, Yapi Kredi und Garanti gehören, Kredite im Volumen vom 28 Milliarden US-Dollar umstrukturieren, weil die Schuldner nach einer Währungskrise ihre Zahlungspläne nicht mehr einhalten können.

Schlecht laufende Kredite gehören zu jeder Volkswirtschaft. In Krisenzeiten steigt der Anteil von NPL in den Büchern der Banken in der Regel an. Aber auch in guten Konjunkturphasen kann der NPL-Anteil hoch sein: Wenn Unternehmer zu mutig agieren und Banken glauben, wegen der guten konjunkturellen Lage könnten sie etwaige Verluste gut abfedern.

Für die Banken, die die Pakete mit einem Abschlag verkaufen, ergeben sich trotzdem Vorteile: Sie tragen nicht mehr das Risiko in den Büchern, dass sie die Kredite möglicherweise komplett abschreiben müssen. Dadurch können sie sich auf das Kerngeschäft konzentrieren und vermeiden zusätzliche Kosten, etwa um die Kredite einzutreiben. Die Käufer wiederum erhalten die Kredite mit einem ordentlichen Abschlag – und wetten dann darauf, dass sie am Ende mehr Geld als den Kaufpreis zurückbekommen.

Die türkische Wirtschaft kämpft derzeit mit einer Rezession sowie einem Währungsverfall. Die Wirtschaft schrumpft seit Oktober, während die türkische Lira zum Dollar alleine im Jahr 2018 rund 28 Prozent an Wert verloren hat.

Bau- und Energiesektor wird zum Problem für die Banken

Vor allem im Bau- und Energiesektor läuft es schlecht. Die Baubranche wurde zu lange mit Staatsaufträgen versorgt, die wegen der Rezession kaum aufrecht erhalten werden können. Die Energiebranche kämpft wegen der schwachen Lira mit steigenden Preisen für Öl- und Gasimporte.

Dementsprechend haben Unternehmen beider Branchen Probleme, ihre Kredite zurückzuzahlen. Das zeigt sich in der NPL-Statistik: Im August vergangenen Jahres waren nur 2,85 Prozent aller türkischen Kredite als notleidend klassifiziert. Seitdem stieg der Wert kontinuierlich an. Im März lag der Anteil notleidender Kredite in der Türkei bei vier Prozent, nach 4,1 Prozent im Vormonat.

Zuletzt war dies Ende 2010, mitten in der Finanzkrise, der Fall. In Deutschland lag der Wert in der Finanzkrise 2010 bei 3,31 Prozent, bis 2017 schrumpfte der Anteil auf 1,5 Prozent.

Allerdings stand in der Türkei im Januar 2003, nach einer heftigen Bankenkrise, mit einem Anteil von 17 Prozent auch schon jeder sechste Kredit in den Büchern türkischer Banken unter dem Risiko, nicht oder nur unzureichend abbezahlt zu werden. Bis Juni 2012 schrumpfte der Anteil auf ein Rekordtief von 2,7 Prozent.

Die türkische Bankenaufsicht BDDK schätzte Ende Dezember, dass der Anteil notleidender Kredite in der Türkei in diesem Jahr auf bis zu sechs Prozent anwachsen könnte.

Der türkische Markt für NPLs sei zwar volatil, erklärt die Unternehmensprüfungsgesellschaft Pwc in einem Report. „Trotzdem konnten türkische Banken regelmäßig NPL-Pakete verkaufen.“ So veräußerten türkische Geldhäuser alleine im Jahr 2017 Pakete notleidender Kredite im Wert von 8,6 Milliarden türkischer Lira, damals gut zwei Milliarden Euro.

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