Wall Street US-Banken erwarten gute Quartalszahlen – Aktionären winkt Rekordausschüttung

Die US-Banken dürften dank der Steuerreform im zweiten Quartal weiter glänzen. Doch der drohende Handelskrieg bereitet auch Sorgen.
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Die großen US-Banken haben beim Bankenstresstest der US-Notenband Fed gut abgeschnitten. Quelle: Cultura Exclusive/Getty Images
Wall Street in New York

Die großen US-Banken haben beim Bankenstresstest der US-Notenband Fed gut abgeschnitten.

(Foto: Cultura Exclusive/Getty Images)

New YorkDer JP-Morgan-Chef ist in bester Laune. „Wir haben ein goldenes Zeitalter in der Bankenwelt“, schwärmte Jamie Dimon Anfang Juni auf einer Konferenz in New York. Die größte US-Bank profitiert wie ihre Pendants von einer Mischung aus geringeren Steuern, dem Abbau der Bankenregulierung, steigenden Zinsen und neuen Technologien, mit denen sich Kosten senken lassen.

Das dürfte sich auch in den Ergebnissen des zweiten Quartals widerspiegeln. JP Morgan, Citigroup und Wells Fargo legen am Freitag ihre Zahlen vor. Goldman Sachs, Morgan Stanley und Bank of America folgen in der kommenden Woche. Während die europäischen Banken weiter schwächeln, glänzt die US-Konkurrenz.

Analyst David George vom Finanzdienstleister Baird erwartet für die Großbanken, dass der Gewinn pro Aktie gegenüber dem Vorjahr im Schnitt um 28 Prozent steigen wird. Ein Großteil davon ist weiterhin auf die Steuerreform von US-Präsident Donald Trump zurückzuführen, die die Körperschaftsteuer von 35 auf 21 Prozent gesenkt hat.

Ohne den Effekt wären die Gewinne laut Baird aber immer noch um zehn Prozent gewachsen. US-Institute wie JP Morgan und Bank of America haben bereits im ersten Quartal Rekordgewinne vorgelegt und die europäischen Banken weit hinter sich gelassen.

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Wie lange das von Dimon postulierte goldene Zeitalter noch anhalten wird, ist ungewiss. Der drohende Handelskrieg und eine immer flacher werdende Zinskurve bereiten den Investoren Sorgen. Der Branchenindex S&P 500 Financials hat in diesem Jahr gut zwei Prozent nachgegeben und liegt gut zehn Prozent unter dem Jahreshoch von Ende Januar. Der breiter gefasste S&P 500 hat dagegen 2018 gut drei Prozent zugelegt.

Erst im Juni verzeichneten die Aktien der Geldhäuser 13 Tage in Folge Verluste, die längste Minusserie aller Zeiten. Nach den Ergebnissen der Bankenstresstests der US-Notenbank Fed haben sich die Kurse jedoch wieder etwas erholt.

Die Zinskurve ist derzeit so flach wie seit über zehn Jahren nicht mehr. Das heißt, dass der Abstand zwischen den Renditen von zwei- und zehnjährigen Staatsanleihen sinkt, weil Anleger vermehrt längerlaufende Bonds kaufen. Das steigert den Druck auf die Margen im Kreditgeschäft. Derzeit diskutiert die Fed heftig darüber, ob man die Zinsen in diesem Jahr noch ein oder zwei Mal anheben sollte.

Die Notenbanker hatten bei ihrer Sitzung Mitte Juni den Leitzins auf die Spanne von 1,75 bis 2,0 Prozent angehoben. Davon könnten die Banken profitieren, glauben die Analysten der britischen Investmentbank Barclays. Auch die Kreditvergabe für Geschäfts- und Industriekredite werde leicht anziehen.

Bestandener Stresstest

Anleger können sich nun auf satte Auszahlungen freuen. Die US-Notenbank hatte den Instituten im Stresstest bescheinigt, dass sie auch in einer schweren Rezession noch über genügend Kapitalreserven verfügen, um Kredite an Unternehmen und Privatpersonen zu vergeben. Die großen US-Banken werden daher in den kommenden zwölf Monaten die Rekordsumme von 164 Milliarden Dollar an ihre Aktionäre ausschütten, wie die Investmentbank Barclays berechnet hat. Das sind 22 Prozent mehr als im Vorjahr.

Allein die vier größten Institute, JP Morgan Chase, Bank of America, Citigroup und Wells Fargo, schütten insgesamt 110 Milliarden Dollar aus. „Das stärkt das Vertrauen in die Bankenbranche“, sagt Lisa Kwasnowski von der Ratingagentur DBRS. Da die Fed den Banken bescheinigt hat, ausreichend kapitalisiert zu sein, könnten diese ihre Aktionäre und Anleiheinvestoren nun leicht zufriedenstellen. Goldman Sachs und Morgan Stanley können aber nur so viel ausschütten wie im Vorjahr: Sie haben den Stresstest mit einem enttäuschenden Ergebnis bestanden und zwei wichtige Richtgrößen knapp überboten.

Die Quartalszahlen legen auch die Wachstumstreiber offen. So soll das Handelsgeschäft mit Aktien und festverzinslichen Anleihen, Devisen und Rohstoffen insgesamt auf Vorjahresniveau liegen, haben die Vorstände von JP Morgan, Citigroup und Bank of America bereits durchblicken lassen.

Die Wall-Street-Häuser profitieren jedoch von einem regen Geschäft mit Fusionen und Übernahmen, die durch die Steuerreform angetrieben werden. Baird-Analyst David George rechnet branchenweit mit einem Plus von 25 Prozent. Der Boom könnte das gesamte Jahr über anhalten, da sich viele Unternehmen noch überlegten, mit welchen Deals sie das Steuergeschenk für sich nutzen.

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