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Wall Street US-Finanzkonzerne wollen mit neuer Börse etablierten Handelsplätzen Konkurrenz machen

Eine Gruppe von mächtigen Banken und Fondsgesellschaften gründet eine neue Börse. Die Finanzkonzerne stoßen sich vor allem an zu hohen Gebühren etablierter Handelsplätze.
Update: 08.01.2019 - 00:47 Uhr Kommentieren
US-Finanzkonzerne wollen der Börse Konkurrenz machen. Quelle: AFP
New York Stock Exchange

US-Finanzkonzerne wollen der Börse Konkurrenz machen.

(Foto: AFP)

New York Eine Gruppe von US-amerikanischen Finanzkonzernen ruft eine neue Börse ins Leben und möchte damit den etablierten Handelsplätzen New York Stock Exchange (NYSE) und Nasdaq, ebenfalls in New York, Konkurrenz machen.

Dazu gehören die Bank Morgan Stanley, die Fondsgesellschaft Fidelity, die Investmentgesellschaft Citadel Securities, Bank of America Merrill Lynch, die Broker Charles Schwab, E-Trade und TD Ameritrade sowie Virtu Financial, ein Hochfrequenzhändler.

Insgesamt sind neun Gesellschaften dabei. Die neue Börse soll Member Exchange (MEMX) heißen, schreibt das „Wall Street Journal“ (WSJ). Bis das neue Unternehmen von der US-Wertpapieraufsicht (SEC) genehmigt wird, kann es aber noch rund ein Jahr dauern. Die erste Finanzierung liegt bei 70 Millionen Dollar. Die Börse soll gewinnorientiert betrieben werden, obwohl sie ihren Hauptkunden gehören wird.

Auslöser für die Neugründung ist der Ärger vieler Marktteilnehmer über hohe Gebühren bei den klassischen Börsen. Dabei geht es nicht nur um die Preise für Transaktionen, sondern auch um die für die Lieferung von Daten.

Im Jahr 2012 hatte es bereits den Versuch gegeben, eine alternative Börse mit dem Namen IEX Group zum Erfolg zu führen. Sie war damals explizit mit dem Ziel gestartet, Hochfrequenzhändlern das Leben schwer zu machen und vor allem den Interessen langfristiger Investoren zu dienen. Bis heute hat sie nur einen Marktanteil von rund 2,5 Prozent erreicht.

Zu den Gründern von MEMX gehören dagegen sogar Hochfrequenzhändler. Diese Firmen, auch durch das Buch „Flash Boys“ von Michael Lewis bekannt, sind umstritten. Sie machen Geschäfte durch Käufe und Verkäufe in Bruchteilen von Sekunden. Ihre angeblich märchenhaften Gewinne sind, gemessen am Gewinnausweis der börsennotierten Gesellschaft Virtu, eher ein Märchen. De facto haben sie heute die Aufgabe, für Liquidität am Markt zu sorgen.

IEX-Gründer Brad Katsuyama begrüßte die Pläne zu einer neuen Handelsplattform, auch wenn sie für sein Unternehmen zusätzliche Konkurrenz bedeuten. „Das ist die jüngste Bestätigung, dass der Börsenhandel voller Interessenskonflikte ist und die Marktteilnehmer diesen Marktmissbrauch nicht mehr länger tolerieren werden“, sagte Katsuyama. Er geht davon aus, dass es in den kommenden Jahren eine Reihe von Veränderungen in der Börsenwelt geben wird. „Das wird neue Möglichkeiten für all diejenigen schaffen, die frische Ideen haben.“

Die NYSE an der Wall Street, die größte Aktienbörse der Welt, wurde 2013 von dem Börsenbetreiber ICE in Atlanta übernommen, den Jeffrey Sprecher gegründet hatte und bis heute leitet. Sprecher hatte sich nach der Übernahme vorgenommen, den Aktienhandel zu vereinfachen und billiger zu machen, wie er in einem Handelsblatt-Interview erläuterte.

Damit wollte er wieder mehr Geschäft von den Dark Pools einzelner Banken – also von unregulierten Börsenplätzen – zurückholen. Offenbar ist ihm das nicht zu allseitiger Zufriedenheit gelungen, wie die neue Gründung zeigt.

Diese Dark Pools waren einige Jahre eine beliebte Alternative, um Aktiengeschäfte innerhalb der Kundschaft einer Bank abzuwickeln. Weil die Banken immer strenger beaufsichtigt wurden, kam das Geschäft mit diesen Dark Pools unter Druck. Aber Goldman Sachs hat zum Beispiel 2017 einen neuen aufgelegt. Er wird, wie andere dieser Handelsplätze auch, technisch von der Nasdaq abgewickelt.

Dark Pools sind relativ intransparent und haben damit den Vorteil, dass manchmal auch größere Aktienpakete den Besitzer wechseln können, ohne gleich den ganzen Markt zu bewegen. Auf der anderen Seite fehlt ihnen oft die Liquidität, weil die Zahl der Teilnehmer kleiner ist als bei den öffentlichen Börsen. Die gemeinschaftliche Gründung der MEMX könnte dieses Problem lösen.

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